erlaubt ist, was gefällt

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erlaubt ist, was gefällt (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Worttrennung:

er·laubt ist, was ge·fällt

Aussprache:

IPA: [ɛɐ̯laʊ̯pt ɪst | vas ɡəˈfɛlt]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild erlaubt ist, was gefällt (Info), Lautsprecherbild erlaubt ist, was gefällt (Info)

Bedeutungen:

[1] wenn etwas breiten Anklang findet, dürfen auch übliche Regeln, Konventionen missachtet werden; man hat die Freiheit zu tun, was einem Spaß macht

Herkunft:

[1] Die Redewendung stammt aus Goethes „Torquato Tasso“. Tasso schwärmt vom goldenen Zeitalter, als Menschen und Tiere in vollkommener Freiheit zusammen lebten: „Tasso: […] Wo jeder Vogel in der freyen Luft / Und jedes Thier durch Berg und Thäler schweifend / Zum Menschen sprach: erlaubt ist was gefällt.“
Seine Gesprächspartnerin, Prinzessin Leonore von Este, weist Tasso jedoch darauf hin, dass die goldenen Zeiten eine Vision und keine historische Realität sind, und in ihrer Ideal-Vision auch jeder seine Handlungen an moralischen Prinzipien messen muss: „Prinzessin: […] Nur in dem Wahlspruch ändert sich, mein Freund, / Ein einzig Wort: erlaubt ist was sich ziemt.“[1]
[1] Façonschnitt ade – erlaubt ist, was gefällt

Gegenwörter:

[1] erlaubt ist, was sich ziemt

Beispiele:

[1] Die alte Regel, dass zu Fisch und hellem Fleisch nur Weißwein als Begleiter in Frage kommt, gilt schon längst nicht mehr – inzwischen ist erlaubt, was gefällt.
[1] Die neue Sommermode ist frisch, unkompliziert und etwas verrückt: Erlaubt ist, was gefällt.
[1] „Auf die Spitze eines Obelisken setzt er eine Kugel, trotzdem ihm ein Aesthetiker bewies, daß nach den Gesetzen der Logik auf einer Spitze nichts sitzen könne, weil dies den Begriff der Spitze aufhebe, und daß nach den Gesetzen der Statik die Kugel herunterfallen müsse, wenn sie nicht angeleimt sei. Allein er spricht: erlaubt ist, was gefällt, und setzt dem Aesthetiker zum Trotz noch einen Stern auf die Kugel, der mit einer seiner zehn Spitzen noch kecker auf der Kugel tanzt, als die Kugel auf der Spitze des Obelisken.“[2]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „erlauben
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2002, ISBN 3-411-04112-9, Seite 197
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3, Seite 164

Quellen:

  1. Johann Wolfgang von Goethe: Torquato Tasso. In: Projekt Gutenberg-DE. Zweyter Aufzug. Erster Auftritt. (URL).
  2. Wilhelm Heinrich von Riehl: Kulturgeschichtliche Charakterköpfe. In: Projekt Gutenberg-DE. Der moderne Benvenuto Cellini (URL).