eine Hand wäscht die andere

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eine Hand wäscht die andere (Deutsch)[Bearbeiten]

Sprichwort[Bearbeiten]

Nebenformen:

eine Hand wäscht die andere, und beide das Ganze
veraltet: eine Hand kraut die andere, eine Hand reibt die andere

Worttrennung:

ei·ne Hand wäscht die an·de·re

Aussprache:

IPA: [ˈʔaɪ̯nə ˌhant ˌvɛʃt diː ˈʔandəʀə]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild eine Hand wäscht die andere (Info)

Bedeutungen:

[1] ein erbrachter Dienst/eine erwiesene Gefälligkeit/eine erbrachte Leistung zieht ein Gegendienst/eine Gegenleistung nach sich

Herkunft:

Diese sprichwörtliche Redensart geht auf die lateinische Formel manus manum lavat → la zurück. [1][2] Diese ist sowohl bei dem römischen Philosophen und Dichter Seneca in der Satire »Apocolocyntosis« belegt (Sen. apoc. 9, 6[3]: „Hercules enim, qui videret ferrum suum in igne esse, modo huc modo illuc cursabat et aiebat: ‚Noli mihi invidere, mea res agitur: deinde tu si quid volueris, in vicem faciam; manus manum lavat.‘“[4]) als auch bei dem römischen Schriftsteller Petronius in dem Schelmenroman »Satiricon« (Petron. 45, 13[3]: „‚Munus tamen, inquit, tibi dedi — et ego tibi plodo.‘ Computa, et tibi plus do quam accepi. Manus manum lavat.[5]).[1][2] Mit der Redensart wird eine gegenseitige Hilfeleistung angesprochen: Eine Gefälligkeit, die man jemandem erwiesen hat, wird mit einem Gegendienst belohnt.[2] In diesem Sinne wird das Wort auch von Goethe verwendet in dem epigrammatischen Gedicht »Wie du mir, so ich dir«[2]:
„Mann mit zugeknöpften Taschen,
Dir thut niemand was zu lieb:
Hand wird nur von Hand gewaschen;
Wenn du nehmen willst, so gib!“[6][2]
Heute gebraucht man die Redensart oft auch mit dem Nebengedanken, dass es sich bei diesen Gefälligkeiten um eigentlich unerlaubte Handlungen, um nicht ganz saubere Geschäfte handelt, die unbestraft bleiben, weil sich die Beteiligten nicht gegenseitig verraten.[2]

Synonyme:

[1] hilfst du mir, helfe ich dir, gibst du mir, so geb ich dir

Sinnverwandte Wörter:

[1] wie du mir, so ich dir

Beispiele:

[1] Ich helfe dir gerne bei deinem Problem, aber du weißt: Eine Hand wäscht die andere.
[1] Unserem Stadtrat traue ich schon lange nicht mehr. Dort gilt das Motto: Eine Hand wäscht die andere.
[1] „Sie wissen auch dem Harthörigsten schon beizukommen, denn Menschen sind immer Menschen, sind empfänglich für Schmeichelei, spielen auch gern eine Protectorrolle, und eine Hand wäscht die andere; die unreinere ist aber selten die des Journalisten, und selbst der feile Lobhudler ist zugleich ein betrogener Tropf, den man zur Hälfte mit Liebkosungen bezahlt.“[7]
[1] „Soviel er für sich sorgt, gerade soviel muß er sich auch hergeben für die Andern, und soviel er sich hergibt, soviel sorgt er für sich selbst; eine Hand wäscht die andere.[8]
[1] „Der Gewährsmann, ein Gemeinderatsmitglied, hatte Herbert Leibig nicht enttäuscht, und das sollte, wie jetzt zu hören war, dessen Schade nicht sein. Eine Hand wäscht die andere.[9]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[*] Hans Schemann: Deutsche Idiomatik. Wörterbuch der deutschen Redewendungen im Kontext. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-021788-9, Stichwort »Hand«, Seite 313.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Seite 312.
[1] Werner Scholze-Stubenrecht et al.: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 7 500 Zitate, Aussprüche, Bonmots, Sentenzen und Aphorismen - von der klassischen Antike bis zur modernen Werbesprache, von der Bibel bis zum Fernsehfilm. In: Der Duden in 12 Bänden. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung überarbeiteter Nachdruck der 1. Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1997, ISBN 3-411-04121-8, DNB 950682950, Seite 211.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 4. Band Gele–Impr, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04773-9, DNB 965408256, Stichwort »Hand«, Seite 1658.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Stichwort »Hand«, Seite 750.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hand«.
[1] Duden online „eine Hand wäscht die andere
[1] wissen.de – Wörterbuch „eine Hand wäscht die andere
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Hand
[1] The Free Dictionary „Hand
[1] Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon „Hand“, Nummer 123.
[1] Redensarten-Index „[1]

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Seite 312.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Werner Scholze-Stubenrecht et al.: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 7 500 Zitate, Aussprüche, Bonmots, Sentenzen und Aphorismen - von der klassischen Antike bis zur modernen Werbesprache, von der Bibel bis zum Fernsehfilm. In: Der Duden in 12 Bänden. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung überarbeiteter Nachdruck der 1. Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1997, ISBN 3-411-04121-8, DNB 950682950, Seite 211.
  3. 3,0 3,1 Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch: „manus“ (Zeno.org)
  4. Seneca Minor; www.thelatinlibrary.com (Herausgeber): L. ANNAEI SENECAE APOCOLOCYNTOSIS DIVI CLAVDII. (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  5. Petronius; www.thelatinlibrary.com (Herausgeber): C. PETRONII SATIRICON LIBER. (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  6. Johann Wolfgang von Goethe: Wie du mir, so ich dir. In: Goethe’s Gedichte. Mit dem Bildniß des Verfassers. Erster Band, Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart/Tübingen 1838, Seite 467 (Zitiert nach Google Books).
  7. Heinrich Heine: Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben. Zweiter Theil. In: Vermischte Schriften von Heinrich Heine. Dritter Band, Hoffmann und Campe, Hamburg 1854, Seite 84 (Zitiert nach Google Books).
  8. Georg Lasson (Herausgeber): Georg Wilhelm Friedrich Hegels Phänomenologie des Geistes. Jubiläumsausgabe, Verlag der Dürr’schen Buchhandlung, Leipzig 1907, Seite 365 (Reihe: Philosophische Bibliothek; Band 114, zitiert nach Internet Archive).
  9. Leonie Ossowski: Liebe ist kein Argument. Piper, München/Zürich 1981, ISBN 3-492-02660-5, Seite 108 (Zitiert nach Google Books).