blättern

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blättern (Deutsch)[Bearbeiten]

Verb[Bearbeiten]

Person Wortform
Präsens ich blättere
blätter
blättre
du blätterst
er, sie, es blättert
Präteritum ich blätterte
Konjunktiv II ich blätterte
Imperativ Singular blättere!
blätter!
blättre!
Plural blättert!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
geblättert haben, sein
Alle weiteren Formen: Flexion:blättern

Worttrennung:

blät·tern, Präteritum: blät·ter·te, Partizip II: ge·blät·tert

Aussprache:

IPA: [ˈblɛtɐn]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild blättern (Info)
Reime: -ɛtɐn

Bedeutungen:

[1] intransitiv; Hilfsverb haben: die Seiten (eines Buches oder dergleichen) wenden, umschlagen (und dabei den Seiteninhalt überfliegen)
[2] intransitiv; Hilfsverb sein; selten: in dünne Schichten auseinandergehen
[3] intransitiv; Hilfsverb sein; selten: sich in Blättchen, Bröckchen oder sonstigen dünnen Schichten lösen und abfallen
[4] transitiv; Hilfsverb haben: Karten, Geldscheine oder dergleichen einzeln der Reihe nach irgendwo ablegen
[5] transitiv; Hilfsverb haben; Landwirtschaft: eine Pflanze von einzelnen Blättern befreien

Herkunft:

Das Verb geht auf mittelhochdeutsches bleteren → gmhBlatt für Blatt umwenden[1] zurück.[2] Die vierte Bedeutung ist ab 1920 bezeugt.[3]

Synonyme:

[3] abblättern
[5] entblättern
[5] landschaftlich: abblättern

Sinnverwandte Wörter:

[1] durchblättern, umblättern, umwenden
[1] umgangssprachlich: wälzen
[3] abbröckeln, abplatzen, abspringen
[4] geben, hingeben
[4] umgangssprachlich: hinblättern, hinlegen
[5] entfernen

Gegenwörter:

[1] umgangssprachlich: schmökern

Oberbegriffe:

[3] ablösen

Beispiele:

[1] Er blättert in seinem neuen Buch.
[1] „Sogar das Buch, in dem Kati zuletzt geblättert hatte, lag noch aufgeklappt auf dem Schreibtisch, ein dünnes Bändchen von Rilke.“[4]
[1] übertragen: „Balla zog die Brieftasche heraus, blätterte mit dem Daumen über die Banknoten und sagte: ‚Verdien ich jede Woche.‘“[5]
[1] „Er öffnet die Glasscheibe, neigt den Kopf auf eine Schulter, liest Buchrücken, dann greift er ein Buch heraus, blättert, ein anderes, blättert, das eine ganze Weile, stellt alle wieder auf die rechte Stelle.“[6]
[1] „[…] solche Seiten überschlugen wir im Unterricht, um heimlich unterm Pult wieder nach ihnen zu blättern.[7]
[1] übertragen: „Den Blick auf ein vertrautes oder unbekanntes Bauwerk gerichtet, saß er da, trommelte mit den Fingern gegen das Lenkrad, blätterte im Kurznachrichtenspeicher seines Mobiltelefons.“[8]
[2] „Seine Rauminstallation ist rasch verderbliche Kunst, ein Opfer chemischer Reaktion von Gestein mit Luft: Der Schiefer trocknet aus, blättert, reißt, verändert die Farbe, zerfällt jeden Tag mehr.“[9]
[2] „Der Fisch blättert zart, das Gemüse hat noch Biss, die Nudeln sind al dente und die Soße verleiht dem Ganzen das richtige Maß an Würze.“[10]
[2] „Die restliche Teigfläche mit zerlassener Butter bestreichen, damit der Teig gut blättern kann.“[11]
[3] „Von den kahlen, grauen Wänden blätterte der Gips.“[12]
[3] übertragen: „Sharon schiebt die hölzerne Platte mit dem Truthahn in die Mitte des Tisches. Dampf steigt aus der aufgerissenen Brust, feistes weißes Fleisch blättert von glatten Knochen.“[13]
[3] „Die Farbe, früher goldengelb, blätterte von den Holzbohlen, und was einmal ein kleiner, aber sorgfältig angelegter Garten gewesen sein musste, durch eine Steinmauer geschützt vor den rauen Winden vom Wasser her, das hatte die Natur sich zurückgeholt.“[14]
[3] „Der Putz blätterte von den Mauern, die beiden Seitenflügel wurden im Winter nicht geheizt und auf den Dächern wuchs Moos.“[15]
[4] „Wer zuerst einen Währungssatz komplett hat, drischt drauf, blättert seine Karten auf den Tisch und kassiert Punkte.“[16]
[4] „Er wolle das jetzt erledigt wissen, sagte er und blätterte viermal Karl Marx [= 100-Mark-Geldscheine] auf den Tisch.“[17]
[4] übertragen: „Schon lief Arlecq zurück, noch ehe der Packwagen in Sicht kam, entlief den Schranken, lief Paasch in die Arme, als sie beide um die Ecke bogen, im leichten Herbstwelken, das ihnen der Wind vor die Füße blätterte.[18]
[5] „Der Tabak wurde per Hand geblättert, aufgefädelt und zum Trocknen in die großen Hallen gehängt.“[19]
[5] „Bei Rüben sollte frühestens im August bis kurz vor der Ernte geblättert werden.[20]

Redewendungen:

[1] umgangssprachlich: im Innenleben blättern[21]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] in einem Buch blättern (Lautsprecherbild Audio (Info)), in einem Heft, Manuskript blättern; in Akten, Noten, Notizen, in einer Zeitschrift blättern; flüchtig, gelangweilt, hastig blättern; nach etwas blättern
[2] der Schiefer, Teig blättert
[3] die Farbe, der Kalk, Putz, das Email blättert
[4] Geldscheine, Karten auf den Tisch blättern
[5] Rüben, Tabak blättern

Wortbildungen:

abblättern, anblättern, aufblättern, durchblättern, entblättern, herumblättern, hinblättern, nachblättern, überblättern, umblättern, verblättern, weiterblättern, zerblättern, zurückblättern

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1–3, 5] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „blättern
[*] canoonet „blättern
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch „blättern
[1, 3, 4] The Free Dictionary „blättern
[1–5] Duden online „blättern
[1, 4] wissen.de – Wörterbuch „blättern
[1, 3] PONS – Deutsche Rechtschreibung „blättern
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalblättern
[1–5] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »blättern«.
[4] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »blättern«.

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „blättern“.
  2. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. neu bearbeitete 5. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »blättern«, Seite 174.
  3. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »blättern«.
  4. Erik Neutsch: Spur der Steine. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1964, Seite 185.
  5. Erik Neutsch: Spur der Steine. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1964, Seite 200.
  6. Jurek Becker: Jakob der Lügner. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1969, Seite 189.
  7. Eva Zeller: Nein und Amen. Autobiographischer Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1986, ISBN 3-421-06315-X, Seite 125.
  8. Thomas Glavinic: Die Arbeit der Nacht. Roman. 1. Auflage. Carl Hanser Verlag, München/Wien 2006, ISBN 978-3-446-20762-2, Seite 285.
  9. Jörg Feuck: Das Wissenschafts-Ministerium zeigt Funde aus der Grube Messel einmal anders. In: Frankfurter Rundschau. 18. März 1997, ISSN 0940-6980, Seite 21.
  10. Mediterrane Leichtigkeit. In: Rheinische Post. 11. September 2012.
  11. Strudel für jeden Tag. In: Dolomiten. Tagblatt der Südtiroler. 22. September 2017.
  12. Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker. Benziger Verlag, Einsiedeln/Zürich/Köln 1952, Seite 131.
  13. Susanne Riedel: Eine Frau aus Amerika. Roman. Berlin Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8270-0499-3, Seite 121.
  14. Kirsten Boie: Skogland. Oetinger, Hamburg 2005, ISBN 978-3-7891-3159-2, Seite 368.
  15. Ferdinand von Schirach: Tabu. Roman. 4. Auflage. Neuausgabe, btb Verlag, München 2017, ISBN 978-3-442-71498-8, Seite 12 (Erstausgabe im Piper Verlag, München 2013).
  16. Tom Werneck: Laster Zaster. In: DIE ZEIT. Nummer 34, 18. August 1978, ISSN 0044-2070, Seite 46 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 11. September 2019).
  17. Ingo Schulze: Neue Leben. Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa. Roman. 1. Auflage. Berlin Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8270-0052-1, Seite 75.
  18. Fritz Rudolf Fries: Der Weg nach Oobliadooh. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1966, Seite 104.
  19. Feiner Tabak. In: Leipziger Volkszeitung. 11. Mai 2009, ISSN 0232-3222, Seite 22.
  20. Gerd Misselwitz: Buch gibt Tipps zum Rüben-Blättern. In: Osterländer Volkszeitung. 25. Juli 2016, Seite 15.
  21. Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Innenleben«.
  22. 22,0 22,1 Nach El-Said Badawi, Martin Hinds: A Dictionary of Egyptian Arabic. Arabic-English. Librairie du Liban, Beirut 1986, Stichwort »اتصفّح‎«, Seite 504.
  23. Nach El-Said Badawi, Martin Hinds: A Dictionary of Egyptian Arabic. Arabic-English. Librairie du Liban, Beirut 1986, Stichwort »قلّب‎«, Seite 713.