auf der Dacken liegen

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Zur Navigation springen Zur Suche springen

auf der Dacken liegen (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Nebenformen:
auf der Tacken liegen

Worttrennung:
auf der Da·cken lie·gen

Aussprache:
IPA: [aʊ̯f deːɐ̯ dakn̩ liːɡn̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild auf der Dacken liegen (Info)

Bedeutungen:
[1] erschöpft/kraftlos/krank sein

Herkunft:
Nach einer These lagen früher Verbrecher auf Strohmatten, sogenannten Dacken oder Tacken, und führten deshalb ein bemitleidenswertes Dasein;[1] nach anderer Auffassung rührt diese Redewendung von dem Umstand her, dass sich unweit der Gasse „Auf der Dacken“ (heute Ballgasse) in Wien, in der die Dackenmacher ihr Gewerbe ausübten, ein Gefängnis befand, in dem die Verbrecher auf solchen Dacken ihr Lager hatten, das zur Redewendung „Der ist auf der Dacken“ für einen moralisch oder physisch verkommenen Menschen führte.[2]

Synonyme:
[1] darniederliegen

Beispiele:
[1] „Der typische Wiener Ausspruch, ‚der liegt auf der Dacken‘, ist sicher vielen bekannt. Und nachdem die Obrigkeit immer ein Geständnis protokollieren, aber der Delinquent nicht gestehen wollte, musste eben nachgeholfen werden. Zuerst wurden dem Schurken die Folterinstrumente vorgeführt, zeigte dies nicht den erwünschten Erfolg, begannen der ‚Peinling‘ und seine Knechte mit der Folterung.“[3]
[1] „[…] und dieser Straßenbezeichnung bestehende gedankliche Zusammenhang auch auf den volkstümlichen Wiener Ausdruck für einen verkommenen Menschen – ‚der liegt auf der Dacken‘ – ausgeweitet werden kann, bleibt fraglich.“[4]
[1] „Es war eines der grauenvollsten Gebäude Wiens, denn noch 1776 wurden hier die eines Verbrechens Beschuldigten grausam gefoltert (Hochnotpeinliche Hals- und Gerichtsordnung Maria Theresias) und in finstern Kellerräumen eingekerkert. Eine Strohmatte (‚Dacke‘) bildete das einzige Einrichtungsstück der Zellen, weshalb heute noch im Volksmunde von einem, der irgendwie unrettbar verloren ist, gesagt wird, er ‚liegt auf der Dacken‘.“[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wolfgang Teuschl: Wiener Dialekt Lexikon. Residenz, 2013 (Zitiert nach Google Books)
[1] Robert Sedlaczek: Wörterbuch des Wienerischen. Haymon, 2013 (Zitiert nach Google Books)
[1] Anna Ehrlich: Hexen Mörder Henker. Amalthea Signum, 2016 (Zitiert nach Google Books)

Quellen:

  1. Marta Zámečníková: Die komparative Sicht auf die deutsche und österreichische Phraseologie. 2. August 2014, abgerufen am 30. November 2017.
  2. Wien Geschichte Wiki: „Auf der Dacken (1)“ (Stabilversion)
  3. Wien im Mittelalter: Alltag und Mythen • Konflikte und Katastrophen, Hubert Hinterschweiger. Abgerufen am 31. Dezember 2017.
  4. Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens, Richard Perger, Walther Brauneis, 1977. Abgerufen am 31. Dezember 2017.
  5. Die Innere Stadt Wien, Eugen Messner, 1928. Abgerufen am 31. Dezember 2017.