auf den Leim gehen

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jemandem/etwas auf den Leim gehen (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Worttrennung:

auf den Leim ge·hen

Aussprache:

IPA: [ˌaʊ̯f deːn ˈlaɪ̯m ˈɡeːən]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild auf den Leim gehen (Info)

Bedeutungen:

[1] sich von einer Person täuschen lassen; von jemandem betrogen werden
[2] etwas glauben, was gesagt wurde, um jemanden zu täuschen

Herkunft:

im Mittelalter wurden Vögel unter anderem gefangen, indem sie sich auf präparierte ausgelegten Leimruten niederlassen sollten[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] jemanden leimen, auf jemanden reinfallen
[1] jemanden hinters Licht führen, jemanden über den Löffel barbieren, jemanden übers Ohr hauen
[2] auf etwas reinfallen, etwas für bare Münze nehmen

Beispiele:

[1] Kunst ist heute ein beliebtes Investitionsobjekt. Das schafft einen Markt für Betrüger, denen selbst Experten auf den Leim gehen.[2]
[1] [Schlagzeile:] Sprachforscherin Elisabeth Wehling – „Wir gehen Trump immer noch auf den Leim[3]
[1] Letztlich muss […] jeder Internetnutzer selbst aufpassen, nicht den rechten Rattenfängern auf den Leim zu gehen.[4]
[1] Auf Facebook machen (schon wieder) gefälschte Gewinnspiele die Runde. Und weil tausende Menschen den Betrügern auf den Leim gehen, verbreiten die Posts sich viral.[5]
[1] Die Bonner Stadtverwaltung ging einem zwielichtigen Investor für ihr geplantes „World Conference Center“ auf den Leim. Das brachte der Stadt schließlich einen Schaden in Millionenhöhe ein […][6]
[1] 1978 veröffentlichte Sebastian Haffner seine „Anmerkungen zu Hitler“: Ein Essay, der nicht Biografie sein und trotzdem erklären wollte, warum ein ganzes Volk dem Diktator auf den Leim gehen konnte.[7]
[1] „Wissenschaftler sind am leichtesten zu betrügen. Sie glauben, dass sie für alle Aufgaben ausreichend gebildet sind und deshalb nicht getäuscht werden können. Aber gerade dadurch gehen sie besonders leicht Betrügern auf den Leim.[8]
[2, 1] Doch ist das Publikationswesen derart unübersichtlich geworden, dass auch seriöse Forscher den oft geschickt gemachten Raubjournalen auf den Leim gehen, ebenso den Hochstaplern und Betrügern, die diese für ihre Zwecke nutzen.[9]
[2] [Viele zurückgekehrte afghanische Flüchtlinge] hatten sich mehr Hoffnungen [für ihren Aufenthalt in Deutschland] gemacht und waren den Gerüchten der Schlepper auf den Leim gegangen.[10]
[2] Man will „Fake News“ bekämpfen und geht immer wieder Desinformationen im Netz auf den Leim.[11]
[2] Der Autor geht der Propaganda immer wieder auf den Leim, und man fragt sich, ob das System hat oder eher Nachlässigkeit ist.[12]
[2] Filmregisseur David Lynch ist […] Anhänger der Transzendentalen Meditation, einer indisch inspirierten Sekte […]. Der deutsche Nachwuchsregisseur David Sieveking geht Lynchs Glauben in seinem Dokudrama „David wants to fly“ auf den Grund – aber nicht auf den Leim.[13]
[2] Das fängt schon mit dem Titel an: „Das Leben eines Staatsfeindes“. So sah sich [der deutsche Terrorist und verurteilte Mörder Andreas] Baader selbst gern. Aber müssen Biographen dieser Selbststilisierung auf den Leim gehen?[14]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] mit Substantiv: einem Betrüger auf den Leim gehen, einem Heiratsschwindler auf den Leim gehen, einem Rattenfänger auf den Leim gehen, einem Romeo auf den Leim gehen
[2] mit Substantiv: einem Betrug auf den Leim gehen, Fake News auf den Leim gehen, einer Ideologie auf den Leim gehen, einem Irrtum auf den Leim gehen, seinen Illusionen auf den Leim gehen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Deutscher Wikipedia-Artikel „Liste deutscher Redewendungen – Buchstabe L
[1] Redensarten-Index „jemandem auf den Leim gehen
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalauf den Leim gehen

Quellen:

  1. Duden online „Leim
  2. Jennifer Fraczek: Deutschland – Die Kunst der Fälschung. In: Deutsche Welle. 15. Juni 2013 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  3. Thomas Eckert, Joachim Huber: Sprachforscherin Elisabeth Wehling – „Wir gehen Trump immer noch auf den Leim“. In: Der Tagesspiegel Online. 3. Februar 2017 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  4. Marc von Lüpke: Digitales Leben – "Gefällt" vielen: Die hippen Rechten. In: Deutsche Welle. 27. März 2013 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  5. Bitte nicht teilen – Vorsicht vor dreister Masche auf Facebook: Tausende fallen auf Fake-Gewinnspiel herein. In: stern.de. ISSN 0039-1239 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  6. Regina Mennig: Deutschland – Weltpolitik in Bonner Idylle. In: Deutsche Welle. 31. Januar 2014 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  7. Michael Kuhlmann: Hitler als historischer Versager. Kursiv – Sebastian Haffner: „Anmerkungen zu Hitler“. In: Deutschlandradio. 30. Mai 2011 (Deutschlandfunk / Köln, Sendereihe: Andruck – Das Magazin für Politische Literatur, URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  8. Andrea und Justin Westhoff: Gespenster, Kobolde und Dämonen. Kulturgeschichte und Psychologie des Geister-Glaubens. In: Deutschlandradio. 31. Dezember 2009 (Deutschlandfunk / Köln, Sendereihe: Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  9. Patrick Illinger: Wissenschaft – Gefährliche Sumpfblasen. In: sueddeutsche.de. 19. Juli 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  10. Bari Abdul Hakim/Waslat Hasrat-Nazimi: Asien – Afghanistan: Enttäuschte Heimkehrer. In: Deutsche Welle. 7. Mai 2016 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  11. Paweł Pieniążek: Gastkolumne – Mein Europa: Zweierlei Standards - auch im Kriegsgebiet. In: Deutsche Welle. 19. Januar 2018 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  12. Edeltraud Rattenhuber: China – Der Herrscher und sein Deuter. Kerry Brown porträtiert den Staatspräsidenten Xi Jinping - und lässt dabei die nötige Distanz vermissen. In: sueddeutsche.de. 26. August 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  13. Jürgen Stratmann: „David wants to fly“. Jungregisseur David Sieveking verärgert David Lynch. In: Deutschlandradio. 13. Februar 2010 (Deutschlandfunk Kultur / Berlin, Sendereihe: Fazit, URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  14. Winfried Sträter: Guerillaführer von hohen Graden. Klaus Stern, Jörg Hermann: „Andreas Baader“, dtv, München 2006, 360 Seiten. In: Deutschlandradio. 4. Januar 2007 (Deutschlandfunk Kultur / Berlin, Sendereihe: Buchkritik, URL, abgerufen am 18. Oktober 2018).
  15. Macmillan Dictionary „take in by somebody“
  16. Cambridge Dictionary „fall for something“
  17. Cambridge Dictionary „fall for something hook, line and sinker“