Wortklauberei

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Wortklauberei (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ der Wortklauberei die Wortklaubereien
Genitiv des Wortklauberei der Wortklaubereien
Dativ dem Wortklauberei den Wortklaubereien
Akkusativ den Wortklauberei die Wortklaubereien

Worttrennung:

Wort·klau·be·rei, Plural: Wort·klau·be·rei·en

Aussprache:

IPA: [vɔʁtklaʊ̯bəˈʁaɪ̯]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Wortklauberei (Info)
Reime: -aɪ̯

Bedeutungen:

[1] abwertend: besserwisserisches, pedantisches Festhalten an einer wortwörtlichen/unwichtigen Bedeutung/Auslegung eines Textes; auch: Streit um Worte

Herkunft:

Der Gebrauch des Wortes ist seit Mitte des 18. Jahrhundert belegt.[1]

Synonyme:

[1] Haarspalterei, Kasuistik, Rabulistik, Sophistik, Spitzfindigkeit

Sinnverwandte Wörter:

[1] Besserwisserei, Pedanterie

Beispiele:

[1] „Diese kleinen, eigensinnigen Wortklaubereien ziehen sich konsequent durch den Roman.“[2]
[1] „Solche Wortklaubereien sind es, die ihn unglaubwürdig machen.“[3]
[1] „Trotz stundenlanger Debatten, die teils in Wortklaubereien ausarteten, gelang es der Zschäpe-Verteidigung jedoch nicht, die Aussagen, die Saß in seinem Gutachten gemacht hat, zu erschüttern.“[4]
[1] „Im Kreuzverhör mit dem Zeugen Martin Liechti ist es im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Manager Raoul Weil zu hässlichen Szenen gekommen. Wortklauberei und verbale Attacken prägten am Freitag die Befragung.“[5]
[1] „Die Klima-Konferenz will den Bericht mit großer Mehrheit begrüßen, die vier Öl-und Kohlestaaten wollen ihn nur "Zur Kenntnis " nehmen. Wortklauberei, die die Gesprächs-Atmosphäre vergiftet.“[6]
[1] „Der IWF verlangt einen Schuldenschnitt für Griechenland, während Europa den Griechen keine Schulden erlassen will. Was nach einem Streit aussieht, ist im Grunde eine rein technische Diskussion - oder Wortklauberei.[7]
[1] „Häufig wird sie [die Wissenschaftlerin und Ärztin Marylyn Addo] als Virologin bezeichnet, dabei ist ihr Fachgebiet die Infektiologie, also die Erforschung und Behandlung von ansteckenden Erkrankungen. […] Der Unterschied ist mehr als nur eine Wortklauberei, denn Infektiologie und Virologie sind zwei unterschiedliche Forschungsgebieten in der Medizin.“[8]
[1] „Er [der Kulturminister Berset] werde sich dafür einsetzen, dass der Bund künftig von Sinti und Jenischen schreibe und spreche. «Fahrende» solle nicht mehr verwendet werden. «Das ist keine Wortklauberei – mit Sprache schafft man Realität», so Berset weiter.“[9]
[1] „Doch sind indirekte Argumente tatsächlich so impotent? Nach meiner Auffassung entfalten sie eine enorme Kraft, wenn wir statt auf Analogien auf Homologien setzen. Die Wortklauberei weist auf einen wichtigen Unterschied hin. Eine Analogie bezeichnet äußerliche Übereinstimmung aufgrund paralleler Entwicklung. […]. Eine Homologie hingegen bezeichnet Übereinstimmung aufgrund gemeinsamer Abstammung.“[10]
[1]  „Interviewer: »Wie wäre der korrekte Ausdruck?«
Elisabeth Wehling: »Ein anderer Ausdruck, der eine andere Perspektive geben würde, wäre zum Beispiel der Geflüchtete, die Geflüchtete, das geflüchtete Kind. Oder auch der oder die Flüchtende.«
Interviewer: »Ist das nicht semantische Wortklauberei?«
Elisabeth Wehling: »Im Gegenteil. Wir wissen aus der Kognitionswissenschaft, dass schon kleinste Änderungen in der Wortwahl zu erheblichen Unterschieden und auch Verschiebungen in der politischen Meinungsbildung führen.«“[11]
[1] „Der Hersteller von Clausthaler beherrscht die Wortklauberei perfekt. In der Schweiz wird das Bier als «alkoholfrei» verkauft. Das führt Konsumenten in die Irre. Ehrlicher ist Clausthaler in Grossbritannien. Dort wird es mit dem Hinweis «Low Alcohol Lager» auf der Etikette, also als alkoholarmes Bier verkauft.“[12]
[1] „Konsumenten sind der Verwässerung der Rezepte ausgeliefert. Nur der Begriff «Pesto Genovese» ist geschützt und Garantie für authentische Zutaten. Schon ein «Pesto ALLA Genovese» oder ein «Pesto Verde» aber, kann alles Mögliche sein und muss weder Olivenöl noch Pinienkerne enthalten. Eine Wortklauberei, die Konsumenten täuscht.“[13]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] mit Adjektiv: fruchtlose / juristische / lächerliche Wortklauberei

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Wortklauberei
[1] Wikipedia-Artikel „Wortklauberei
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Wortklauberei
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalWortklauberei
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Wortklauberei
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Wortklauberei
[1] Duden online „Wortklauberei
[1] Wahrig Großes Wörterbuch der deutschen Sprache „Wortklauberei“ auf wissen.de
[1] Wahrig Synonymwörterbuch „Wortklauberei“ auf wissen.de
[1] Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche: Corinna Demme: Die Wortklauberei. In: Deutsche Welle. 3. Juli 2020 (Text und Audio zum Download, Dauer: 01:27 mm:ss, URL, abgerufen am 12. Juli 2020).

Quellen:

  1. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Wortklauberei
  2. Anja Höfer: Frank Goosen: Kein Wunder. In: Südwestrundfunk. 17. März 2019 (SWR2 Lesenswert Magazin, Buchbesprechung des Buches: Frank Goosen: Kein Wunder, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  3. Dirke Köpp: Demokratische Republik Kongo – Kommentar: Wahl verschoben, Vertrauen verspielt. In: Deutsche Welle. 20. Dezember 2018 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  4. Thies Marsen: Tageszusammenfassung, 339. Tag, 24.01.17 – Zschäpe meldet sich zum zweiten Mal zu Wort. In: Bayerischer Rundfunk. 24. Januar 2017 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  5. Weil-Prozess: Verteidigung macht Kronzeugen zum Sündenbock. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 25. Oktober 2014 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  6. Jens Thurau: Weltklimagipfel in Kattowitz – Umweltministerin Svenja Schulze: "Wir werden hier sehr geschätzt!". In: Deutsche Welle. 14. Dezember 2018 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  7. Zhang Danhong: IWF und Europa uneins über Griechenland. In: Deutsche Welle. 10. August 2015 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  8. Marylyn Addo: Ärztin und Forscherin aus Leidenschaft. In: Norddeutscher Rundfunk. 10. Juli 2020 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  9. Rafael von Matt: Schweiz - Jenische und Sinti als nationale Minderheit anerkannt. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 15. September 2016 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  10. Volker Sommer: Empathische Primaten – Haben Affen komplexe Gefühle?. In: Südwestrundfunk. 19. Januar 2014 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  11. Flüchtlinge oder Flüchtende? Sprache ist Politik. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 25. Februar 2016 (Interview mit der Linguistin Elisabeth Wehling, die Fragen stellte der Journalist Samuel Wyss, URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  12. Roger Müller: Etiketten-Schwindel - Clausthaler verschleiert seinen Alkohol-Gehalt. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 26. Juli 2014 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  13. Roger Müller: Degustationen - Pesto im Glas fehlt die Frische. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 15. Mai 2012 (URL, abgerufen am 12. Juli 2020).
  14. Cambridge Dictionaries: „nitpicking“ (britisch), „nitpicking“ (US-amerikanisch)