Vollwaise

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Vollwaise (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f, m[Bearbeiten]

Singular 1 Singular 2

Plural

Nominativ die Vollwaise der Vollwaise

die Vollwaisen

Genitiv der Vollwaise des Vollwaisen

der Vollwaisen

Dativ der Vollwaise dem Vollwaisen

den Vollwaisen

Akkusativ die Vollwaise den Vollwaisen

die Vollwaisen

Anmerkung zum Genus:

Es gelten die gleichen Angaben wie bei Waise.

Anmerkung zur Verwendung:

„Das Substantiv die Vollwaise wird heute anstelle von die Waise für ein Kind gebraucht, das den Vater und die Mutter verloren hat. Das Substantiv Waise ist in seiner ursprünglichen Bedeutung »elternloses Kind« verblasst und wurde häufig auch dann verwendet, wenn ein Kind nur den Vater oder die Mutter verloren hatte. Um Missverständnisse auszuschließen, sind in der Amtssprache die Wörter Halbwaise und Vollwaise entstanden, die mittlerweile allgemein gebräuchlich sind.“[1]

Worttrennung:
Voll·wai·se, Plural: Voll·wai·sen

Aussprache:
IPA: [ˈfɔlˌvaɪ̯zə]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Vollwaise (Info)

Bedeutungen:
[1] minderjährige Person, die beide Eltern (durch Tod) verloren hat

Herkunft:
Determinativkompositum aus dem Adjektiv voll und dem Substantiv Waise

Synonyme:
[1] Doppelwaise

Gegenwörter:
[1] Halbwaise; veraltend: Mutterwaise, Vaterwaise

Oberbegriffe:
[1] Waise

Beispiele:
[1] „Im Gegensatz zu der bisherigen Auffassung der Landesversicherungsanstalten hat das Bundessozialgericht festgestellt, uneheliche Kinder, deren Väter nicht bekannt sind, haben nach dem Tode der Mutter als Vollwaise zu gelten.“[2]
[1] „Mutmaßliche Vollwaise warst du, standest hier, auf diesem Sand, der Saspe heißt, und hieltest eine leicht oxydierte Patronenhülse.“[3]
[1] „Meine Mutter war eine Vollwaise, mußte als Kind von Almosen leben.“[4]
[1] „Er lag noch vier Monate im Koma, dann waren Mutti und Tante Bärbel Vollwaisen.[5]
[1] „1932 als Kind assimilierter jüdischer Eltern in Czernowitz geboren, durch den Holocaust zum Vollwaisen gemacht, im Krieg traumatisiert, 1946 nach Palästina verbracht und dem Vergessen unterstellt, hat Appelfeld das 20. Jahrhundert als grosse Verdüsterung erfahren.“[6]
[1] „Die Geschichte handelte von zwei siebenjährigen Kindern, Vollwaisen, die auf einem Schrotthaufen ein ausgesetztes Baby gefunden haben; sie spielte zu einer Zeit, in der viele Leute sich ihrer Kinder und Babys entledigten.“[7]

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] im Nominativ: Vollwaise sein, werden
[1] im Dativ: zur Vollwaise machen, werden

Wortbildungen:
vollwaise

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Waise
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Vollwaise
[*] canoonet „Vollwaise
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Vollwaise
[1] The Free Dictionary „Vollwaise
[1] Duden online „Vollwaise
[1] wissen.de – Wörterbuch „Vollwaise
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Vollwaise
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonVollwaise
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Vollwaise«, Seite 1948.

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Richtiges und gutes Deutsch. Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. In: Der Duden in zwölf Bänden. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Band 9, Dudenverlag, Mannheim 2012 (auf der Buchausgabe von 2012 beruhende elektronische Version), Stichwort »Vollwaise«.
  2. Gleiches Recht für uneheliche Kinder. In: Die Welt. 25. Juli 1959, ISSN 0173-8437, Seite 4 (Deutschland-Ausgabe).
  3. Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. 323.–372. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 334 (Erstausgabe 1962).
  4. Landolf Scherzer: Der Erste. Eine Reportage aus der DDR. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989, Seite 81 (Zitiert nach Google Books; Erstveröffentlichung im Greifenverlag zu Rudolstadt 1988).
  5. Beate Dölling: Hör auf zu trommeln, Herz. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel/Berlin 2003, ISBN 978-3-407-80909-4, Seite 123.
  6. Andreas Breitenstein: Lichter am Ende der Nacht. Aharon Appelfeld betrachtet die Bilder seines Überlebens. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Januar 2005, ISSN 0376-6829, Seite 65.
  7. David Grossman: Eine Frau flieht vor einer Nachricht. Roman. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2011 (Originaltitel: אשה בורחת מבשורה, übersetzt von Anne Birkenhauer aus dem Hebräischen), ISBN 978-3-596-18430-9, Seite 386.