Takfiri

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Takfiri (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural 1 Plural 2

Nominativ der Takfiri

die Takfiri die Takfiris

Genitiv des Takfiris

der Takfiri der Takfiris

Dativ dem Takfiri

den Takfiri den Takfiris

Akkusativ den Takfiri

die Takfiri die Takfiris

Worttrennung:
Tak·fi·ri, Plural 1: Tak·fi·ri, Plural 1: Tak·fi·ris

Aussprache:
IPA: [ˌtakˈfiːʁi]
Hörbeispiele:
Reime: -iːʁi

Bedeutungen:
[1] islamische Religion: Person muslimischen Glaubens (zumeist sunnitischer Konfession), die eine andere Person gleichen Glaubens (gleicher oder anderer Konfession) der Apostasie bezichtigt (diese als vogelfrei erklärt und nicht vor Gewaltanwendungen zurückschrickt)

Herkunft:
Entlehnung aus dem gleichbedeutend arabischen تَكْفِيرِي‎ (DMGtakfīrī) →ar[1]

Sinnverwandte Wörter:
[1] Apostat, Renegat, Ketzer

Oberbegriffe:
[1] Person

Beispiele:
[1] „Ein sunnitischer Religionsführer sagte ‚Al-Hayat‘, dass die Gruppen, die die sunnitischen Provinzen zerstörten, Terroristen und Takfiris seien. Takfiri ist die Bezeichnung für die islamischen Fundamentalisten, die andere Muslime zu Ungläubigen erklären.“[2]
[1] „Trotz des ihnen widerfahrenen Unrechts lässt Abu Hussein nichts auf seine alten sunnitischen Nachbarn kommen. ‚Sie haben uns gebeten zu bleiben und versprachen uns, uns zu schützen. Einige weinten sogar, als wir losfuhren‘, sagt er. Er macht extremistische Sunniten, so genannte Takfiri, für seine Vertreibung verantwortlich.“[3]
[1] „Und er legte besonderen Nachdruck darauf, mir zu sagen, dass Meliani ein ganz Strenger war. Ein Takfiri.[4]
[1] „Diese sich islamisch legitimierenden Terroristen sind nicht nur […]Djihadisten, sondern darüber hinaus auch Takfiri, d. h. muslimische Fanatiker, die andersdenkende Muslime zu Ungläubigen erklären, sie ins Visier nehmen und töten; sie halten sich für die ‚true believers‘ (Eric Hofer) des Islam.“[5]
[1] „Die Takfiris akzeptieren ausnahmslos die Scharia.“[6]
[1] „Alternativ könnte die Ideologie als ‚Takfirismus‘ bezeichnet werden: Die Takfiri erklären andersdenke Muslime zu Abtrünnigen, die getötet werden können.“[7]
[1] „Außerdem können andere Muslime, die nicht der eigenen extremistischen Lesart des Islams folgen, zu ‚Takfiris‘ - Ketzern - erklärt werden, die genauso erbittert bekämpft werden müssen.“[8]
[1] „Er berichtete von einem Treffen gewaltbereiter Takfiri in Casablanca am kommenden Samstag.“[9]
[1] „Takfiris gehen davon aus, dass alle anderen Muslime ungläubig sind.“[10]
[1] „Den Vorwurf seiner libanesischen Gegner, sein Engagement in Kusair ziehe das Land in den syrischen Strudel, kehrte Nasrallah um, indem er sagte, der Hizbullah beschütze Libanon und dessen konfessionellen Frieden vor dem Ansturm der «Takfiri». Mit diesem Ausdruck werden diejenigen sunnitischen Extremisten bezeichnet, die all jene, die nicht ihrer religiösen Überzeugung folgen, als Ungläubige verdammen und damit zum Abschuss freigeben. Die Takfiri seien zu Tausenden nach Syrien geströmt, meinte Nasrallah warnend, und hätten vor, nach dem Fall von Damaskus auch Libanon einzunehmen. Sie bedrohten alle Libanesen, Christen wie Muslime, sagte der Hizbullah-Chef und führte den Irak an, wo die Takfiri in den Jahren der amerikanischen Besetzung zahlreiche sunnitische Geistliche und Stammesführer umgebracht hätten. Falls Syrien und Libanon an die Takfiri falle, werde auch Israel wieder nach Libanon eindringen, sagte er voraus.“[11]

Wortbildungen:
[1] Takfirist

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

Quellen:

  1. Guido Steinberg: Der nahe und der ferne Feind. Die Netzwerke des islamistischen Terrorismus. C.H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-53515-4, Seite 260 (Glossar und Abkürzungsverzeichnis) (Zitiert nach Google Books).
  2. Erwin Decker: Ende einer unheiligen Allianz: Sunniten brechen mit Terrorboss Sarkawi. In: Spiegel Online. 31. Januar 2006, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  3. Salam Faraj: Bagdad: Flüchtlinge im eigenen Land. Radikale Sunniten vertreiben Schiiten aus ihren Wohnungen - Gewalt zwischen Religionsgruppen. In: Oberpfalznetz.de. 2. März 2006 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  4. Nasrin Parsa: Terroristen oder Geheimdienstmarionetten? Enthüllungen zum Frankfurter Terroristenprozess. Original-Ausgabe, Zambon, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-88975-106-7, Seite 234 (Zitiert nach Google Books).
  5. Bassam Tibi: Die islamische Herausforderung. Religion und Politik im Europa des 21. Jahrhunderts. 3., erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-22034-2, Seite 140 (Zitiert nach Google Books).
    Im Originalsatz ist das Hofer-Zitat kursiv gesetzt.
  6. Mit Videos auf Missionierungstour. In: Der Standard digital. 23. Januar 2008 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  7. Alexander Ritzmann: Islamismus: Krieg gegen den Terror wird zum Kampf um Worte. In: Welt Online. 14. Mai 2008, ISSN 0173-8437 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  8. Gregor Mayer: 20 Jahre Krieg gegen die Welt - Al-Kaida bleibt gefährlich. „Franchise-Netz“ des Terrors - oder doch ein „führerloser Jihad“?. In: Kleine Zeitung Online. 10. August 2008 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  9. Marc Kayser: Trias. Thriller. Wilhelm Heyne Verlag/E-Books der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2009, ISBN 978-3-641-01836-8, Seite ‹keine Seitenangabe› (E-Book, zitiert nach Google Books).
  10. Katja Wahl: Rechtsschutz gegen Individualsanktionen der UN am Beispiel der Finanzsanktionen des Taliban-Sanktionsregimes. LIT VERLAG, Berlin 2009, ISBN 978-3-643-10039-9, Seite 50, Fußnote 187 (Zitiert nach Google Books).
  11. Jürg Bischoff: Libanon: Nasrallah gibt sich als Beschützer. In: NZZOnline. 26. Mai 2013, ISSN 0376-6829 (URL, abgerufen am 3. August 2013).