Synästhesie

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Synästhesie (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Synästhesie

die Synästhesien

Genitiv der Synästhesie

der Synästhesien

Dativ der Synästhesie

den Synästhesien

Akkusativ die Synästhesie

die Synästhesien

Worttrennung:
Sy·n·äs·the·sie, Plural: Sy·n·äs·the·si·en

Aussprache:
IPA: [zynɛsteˈziː], [zʏnʔɛsteˈziː]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Synästhesie (Info)
Reime: -iː

Bedeutungen:
[1] Synästhesie ist eine hypersensible Empfindung äußerlicher Sinnesreizung. Synästhetisches Empfinden bedeutet, bei Klängen zum Beispiel zugleich Farben zu sehen oder auf jene Klänge bezogen Geschmack zu empfinden.
[2] Linguistik: vor allem Verbindung von Sprachlauten mit Farbempfindungen
[3] Literaturwissenschaft: Stilmittel, bei dem unterschiedliche Empfindungen durch sprachliche Formulierungen verbunden werden

Herkunft:
[1] aus dem griechischen συναίσθησις, synästhesis - die Mitempfindung, auch zeitliches Zusammen-Fühlen

Gegenwörter:
[1] Kinästhesie

Oberbegriffe:
[1] Neurologie, Psychologie

Unterbegriffe:
[1] Gefühlssynästhesie

Beispiele:
[1] Synästhesie kann als vorübergehender Effekt nach der Einnahme von Halluzinogenen auftreten.
[1] „Manche Menschen sehen sogar Farben, wenn sie Klänge hören; die Fachwelt spricht von Synästhesie.[1]
[2] Recht stabile Synästhesien wurden bei Versuchspersonen entdeckt, denen man Vokale als Reiz gab und die damit bestimmte Farbempfindungen verbanden. Synästhesie tritt auch bei Konsonanten auf, aber wesentlich schwächer und diffuser. Über solche Laut-Farb-Synästhesien berichtet Jakobson.[2]
[2] „Das Thema ist eine Art der Synästhesie, die sogenannte ‚audition colorée‘, bei der die Sinneseindrücke von Farben mit denen der Vokale sprachlich verschmolzen werden sollen.“[3]
[2] „Im Bereich der Onomatopoetica tritt auch die Erscheinung der Synästhesie auf: Wahrnehmungen mit Hilfe anderer Sinnesorgane werden in lautlich-akustische Einheiten umgedeutet: flimmern, schimmern, glitzern, flitzen.“[4]
[2] „Das erklärt sich aus einer Erscheinung, die wir Mitempfindungen oder Synästhesien nennen.“[5]
[3] Als Synästhesie kann man z.B. "goldener Oktober" auffassen, wobei eine Zeitangabe mit einer Farbe verschmolzen wird.

Wortbildungen:
[1] synästhetisch, Synästhetiker

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1–3] Wikipedia-Artikel „Synästhesie
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Synästhesie
[?] canoonet „Synästhesie
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonSynästhesie
[1–3] Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. Dritte, neubearbeitete Auflage, Stichwort: „Assertive“. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2005. ISBN 978-3-476-02056-7.
[1, 3] Der Neue Herder. In 2 Bänden. Herder Verlag, Freiburg 1949, Band 2, Spalte 4307, Artikel „Synästhesie“

Quellen:

  1. Anonym: Wie riechen Töne? In: DER SPIEGEL 6, 2012, Seite 121.
  2. Roman Jakobson: Kindersprache, Aphasie und allgemeine Lautgesetze. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1969, Seite 114-117. Erstveröffentlichung 1944.
  3. Christoph Gutknecht: Lauter böhmische Dörfer. Wie die Wörter zu ihrer Bedeutung kamen. Beck, München 1995, Seite 159. ISBN 3-406-39206-7. Kursiv gedruckt: audition colorée.
  4. Thea Schippan: Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Niemeyer, Tübingen 1992, Seite 1. ISBN 3-484-73002-1. Kursiv gedruckt: „flimmern, schimmern, glitzern, flitzen“, gesperrt: Synästhesie.
  5. Walter Porzig: Das Wunder der Sprache. Probleme, Methoden und Ergebnisse der modernen Sprachwissenschaft. Dritte Auflage. Francke, Bern/München 1962, Seite 23.