Sexualwissenschaft

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Sexualwissenschaft (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Sexualwissenschaft

die Sexualwissenschaften

Genitiv der Sexualwissenschaft

der Sexualwissenschaften

Dativ der Sexualwissenschaft

den Sexualwissenschaften

Akkusativ die Sexualwissenschaft

die Sexualwissenschaften

Worttrennung:

Se·xu·al·wis·sen·schaft, Plural: Se·xu·al·wis·sen·schaf·ten

Aussprache:

IPA: [zɛˈksu̯aːlvɪsn̩ʃaft]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] die multidisziplinäre Wissenschaft, welche das Geschlechtsleben, die Sexualität, im weiteren und engeren Sinne erforscht.

Herkunft:

Kompositum aus dem lateinischen sexual → la und Wissenschaft. Das Adjektiv sexuell tauchte im 18. Jahrhundert auf, Anfang des 19. Jahrhunderts der Begriff Sexualität. Zuerst wurden die Begriffe für Pflanzen, dann in der Zoologie und schließlich für Menschen verwendet. Sexualwissenschaft taucht erstmals eher beiläufig im Aufsatz Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen von Sigmund Freud auf, der 1898 in der Wiener Klinischen Rundschau erschien. Er fand, dass sie leider noch als unehrlich gelte.[1]

Bei der Gründung der Vereinigung für Sexualreform 1905 sah Lebensreformer Karl Vanselow als eines ihrer Ziele die „Errichtung einer Zentralstelle für Sexualwissenschaft unter Leitung berufener Fachgelehrter“.[2] Iwan Bloch forderte 1906 in Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur[1] die Etablierung einer „Sexualwissenschaft“ als eigenständige Forschungsrichtung, welche die Methoden und Einsichten der Natur- und der Geisteswissenschaften in sich vereinen soll. Im Vorwort zu Die Prostitution machte Bloch 1912 geltend, dass „der Name und Begriff einer umfassenden ‚Sexualwissenschaft‘“ im Jahre 1906 von ihm gebildet und in die Wissenschaft eingeführt wurde. Diese Feststellung wiederholte er auch in späteren Werken und sie wurde von anderen anerkannt, auch wenn es bei der Begriffsbildung falsch ist.[3] Der Begriff begann sich auf jeden Fall ab 1906 durchzusetzen.

Synonyme:

[1] Sexualforschung, Sexologie / Sexuologie, Geschlechtswissenschaft

Oberbegriffe:

[1] Wissenschaft

Beispiele:

[1] „Es ist eine der erfreulichsten Feststellungen der letzten Jahre auf dem Gebiete der Sexualwissenschaft, dass alle die sogenannten betrüblichen Folgen der Selbstbefriedigung durchwegs auf Selbstbetrug beruhen.“[4]
[1] „Soweit sexualerzieherisch Tätige im Fahrwasser einer sexualfeindlichen Moral tätig waren, scheuten oder bekämpften sie bald die Anfänge der Sexualwissenschaft.[5]
[1] „Sie [die Arbeiten Karl Heinrich Ulrichs] markieren - so Klaus Müller (1991, 56) - den ›eigentlichen‹ »Beginn der modernen Theoretisierung des ›sexuellen‹ Menschen«, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in die Entwicklung der Sexualwissenschaften und Psychoanalyse mündete.“[6]
[1] „Parallel zur Ausweitung der Psychoanalyse konstituierten sich seit Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts die empirisch ausgerichteten Sexualwissenschaften.[7]

Wortbildungen:

[1] Sexualwissenschaftler, Sexualwissenschaftlerin, sexualwissenschaftlich

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Sexualwissenschaft
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Sexualwissenschaft
[1] canoo.net „Sexualwissenschaft
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonSexualwissenschaft
[1] The Free Dictionary „Sexualwissenschaft

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Ilka Quindeau, Volkmar Sigusch: Freud und das Sexuelle: Neue psychoanalytische und sexualwissenschaftliche Perspektiven, Campus Verlag, 2005, ISBN 3-593-37848-5, Seite 23 f.
  2. Karl Vanselow: Vereinigung für Sexualreform, in: Sexualreform, Beiblatt zu Geschlecht und Gesellschaft, 1, 1905; S. 18-20
    Quellenangabe in: Andreas Seeck: Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit?: Textsammlung zur kritischen Rezeption des Schaffens von Magnus Hirschfeld, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2003, ISBN 3-8258-6871-0, S. 174
    Toepfer: Nudity1992/93 S. 80 f.; Hinweis aus: Lutz Sauerteig: Krankheit, Sexualität, Gesellschaft: Geschlechtskrankheiten und Gesundheitspolitik in Deutschland im 19. Und frühen 20. Jahrhundert, Franz Steiner Verlag, 1999, ISBN 3-515-07393-0, S. 55
  3. Andreas Seeck: Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit?: Textsammlung zur kritischen Rezeption des Schaffens von Magnus Hirschfeld, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2003, ISBN 3-8258-6871-0, S. 175
  4. Eduard Fuchs: Geschichte der erotischen Kunst, Band 2, Seite 40; zitiert in: Thomas Huonker: Revolution, Moral & Kunst: Eduard Fuchs, Leben und Werk, Thomas Huonker, 1985, ISBN 3857910887, Seite 431 Google Books
  5. Uwe Sielert: Sexualpädagogik und Sexualwissenschaft - Anmerkungen zu einem revisionsbedürftigen Verhältnis, in: Stefan Timmermanns, Elisabeth Tuider, Uwe Sielert (Hrsg.): Sexualpädagogik weiter denken: Postmoderne Entgrenzungen und pädagogische Orientierungsversuche, Juventa, 2004, ISBN 3779917114, S. 29 Google Books
  6. Ursula Ferdinand (Hrsg.), Andreas Pretzel, Andreas Seeck: Verqueere Wissenschaft?: zum Verhältnis von Sexualwissenschaft und Sexualreformbewegung in Geschichte und Gegenwart, Band 1 von Geschlecht, Sexualität, Gesellschaft, LIT Verlag Münster, 1998, ISBN 3825840492, S. 40 Google Books
  7. Andrea Bührmann: Das authentische Geschlecht: die Sexualitätsdebatte der neuen Frauenbewegung und die Foucaultsche Machtanalyse, Westfälisches Dampfboot, 1995, ISBN 3929586541, Seite 90