Schildbürgerstreich

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Schildbürgerstreich (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Schildbürgerstreich

die Schildbürgerstreiche

Genitiv des Schildbürgerstreiches
des Schildbürgerstreichs

der Schildbürgerstreiche

Dativ dem Schildbürgerstreich
dem Schildbürgerstreiche

den Schildbürgerstreichen

Akkusativ den Schildbürgerstreich

die Schildbürgerstreiche

[1] In Deutschland gibt es einige Schildbürgerstreiche Brücken ohne Anschluss zu bauen

Worttrennung:

Schild·bür·ger·streich, Plural: Schild·bür·ger·strei·che

Aussprache:

IPA: [ˈʃɪltbʏʁɡɐˌʃtʁaɪ̯ç]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Schildbürgerstreich (Info)

Bedeutungen:

[1] dumme Handlung, deren Absicht nicht funktioniert oder deren Zweck komplett verfehlt wird; heute häufig auf Fehlplanungen der öffentlichen Hand bezogen

Herkunft:

Determinativkompositum, zusammengesetzt aus Schildbürger und Streich
aus einer alten Geschichte (verbürgt: 16. Jahrhundert) nach den Einwohnern der (nicht existenten) Stadt Schilda, die vergessen hatten, Fenster in ihr neues Rathaus einbauen zu lassen. Den Mangel versuchten sie danach zu beheben, indem sie Licht in Eimern ins Rathaus tragen wollten

Sinnverwandte Wörter:

[1] Bubenstück, Donquichotterie, Eulenspiegelei, Realsatire, Schelmenstreich, Schelmenstück

Beispiele:

[1] Es klingt wie ein Schildbürgerstreich, wenn Präsident Trump undichte Stellen im Weißen Haus abstellen will genau durch diese undichten Stellen.
[1] Es klingt wie ein Schildbürgerstreich, ist aber Realität und empört Frankreich: Weil die Staatsbahn SNCF zu breite Regionalzüge bestellt hat, müssen rund 1300 der 8700 Bahnsteige verkleinert werden. Kostenpunkt: für 50 Millionen Euro.[1]
[1] Dass hierzulande 20 regionale Filmförderungen existieren, jede mit einem eigenen Verwaltungsapparat, ist ein Schildbürgerstreich des Föderalismus.[2]
[1] Kritik an den Plänen kommt auch von Familienministerin Renate Schmidt (SPD): „Es wäre ein Schildbürgerstreich, die Beitragsfreiheit für nicht erwerbstätige Familienmitglieder abschaffen zu wollen“. Das würde vom Verfassungsgericht "garantiert" für nichtig erklärt.[3]
[1] Es wäre in meinen Augen ein Schildbürgerstreich, wenn hier eine Schneise durch den Wald geschlagen wird und es dann heißt, das Gros der Baufahrzeuge fährt trotzdem durch die Ortschaften.[4]
[1] Wie ein Schildbürgerstreich mutet an, dass die Landwirte nun für Auswirkungen von Wetterphänomenen entschädigt werden sollen, die sie durch ihre Art der Viehhaltung und des Ackerbaus mitverschuldet haben.[5]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] mit Verb: wie ein Schildbürgerstreich klingen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Schildbürgerstreich
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Schildbürgerstreich
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalSchildbürgerstreich
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Schildbürgerstreich
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Schildbürgerstreich
[1] The Free Dictionary „Schildbürgerstreich
[1] Duden online „Schildbürgerstreich
[1] wissen.de – Wörterbuch „Schildbürgerstreich

Quellen:

  1. dpa, afp: Aktuell Europa - Peinliche Panne: Französische Züge sind zu breit. In: Deutsche Welle. 21. Mai 2014 (URL, abgerufen am 25. August 2018).
  2. Bernd Sobolla: Bundesverfassungsgericht prüft Kinoabgabe. Filmförderungsgesetz in Deutschland auf der Kippe. In: Deutschlandradio. 7. Oktober 1013 (Deutschlandfunk / Köln, Sendereihe: Hintergrund, URL, abgerufen am 25. August 2018).
  3. Krankenversicherung - Schröder will auf paritätische Finanzierung verzichten. Bundseskanzler Schröder will in der Krankenversicherung auf paritätische Finanzierung verzichten. Zudem soll die Rürup-Kommission ein Kopfprämiensystem entwickeln. In: stern.de. 22. Januar 2003, ISSN 0039-1239 (URL, abgerufen am 25. August 2018).
  4. Claudia Koestler: Icking - Hilferuf aus dem Rathaus. In: sueddeutsche.de. 20. Februar 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 25. August 2018).
  5. Till Kronsfoth: Contra - Steuerzahler trägt Unternehmerrisiko. Von der Unterstützung des Bundes profitiert ausgerechnet eine Branche, deren Mitglieder sich ansonsten staatliche Eingriffe verbitten. In: sueddeutsche.de. 23. August 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 25. August 2018).
  6. Oxford Learner's English: „folly“