Schibboleth

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Schibboleth (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular

Plural 1 Plural 2

Nominativ das Schibboleth

die Schibbolethe die Schibboleths

Genitiv des Schibboleths

der Schibbolethe der Schibboleths

Dativ dem Schibboleth

den Schibbolethen den Schibboleths

Akkusativ das Schibboleth

die Schibbolethe die Schibboleths

Worttrennung:

Schib·bo·leth, Plural 1: Schib·bo·le·the, Plural 2: Schib·bo·leths

Aussprache:

IPA: [ˌʃɪˈboːlɛt][1][2], auch: [ˈʃiːbolɛt][2]
Hörbeispiele: —, —

Bedeutungen:

[1] (verabredetes) Zeichen, das zur Erkennung von jemandem oder etwas dienen soll; einzelnes Wort als Losung; charakteristisches, unterscheidendes Zeichen, an dem eine Person/Personengruppe oder Sache (deutlich) zu erkennen ist
[2] Linguistik: spezifisches sprachliches Merkmal, mit dem ein jeweiliger Sprecher eindeutig (regional, sozial oder dergleichen) zugeordnet werden kann

Herkunft:

Entlehnung aus hebräisch שִׁבֹּלֶת‎ (CHA: šibōlæṯ) → heÄhre; Strom[3]; das Wort wurde im Alten Testament als Losung der Gileaditer benutzt:[4][5]
„und die Gileaditer besetzten die Furten des Jordans vor Ephraim. Wenn nun einer von den Flüchtlingen Ephraims sprach: Lass mich hinübergehen!, so sprachen die Männer von Gilead zu ihm: Bist du ein Ephraimiter? Wenn er dann antwortete: Nein!, | ließen sie ihn sprechen: Schibbolet. Sprach er aber: Sibbolet, weil er's nicht richtig aussprechen konnte, dann ergriffen sie ihn und erschlugen ihn an den Furten des Jordans, sodass zu der Zeit von Ephraim fielen zweiundvierzigtausend.“ (Richter 12,5-6 LUT)

Synonyme:

[1] Erkennungszeichen, Losungswort; Merkmal

Sinnverwandte Wörter:

[1] Codewort, Kennwort, Kennzeichen

Gegenwörter:

[1] Slogan

Oberbegriffe:

[1] Attribut, Charakteristikum, Eigenschaft

Beispiele:

[1] „Der Chartismus war allerdings von seinem Anfange 1835 an hauptsächlich eine Bewegung unter den Arbeitern, aber noch nicht scharf von der radikalen kleinen Bourgeoisie getrennt. Der Arbeiterradikalismus ging Hand in Hand mit dem Radikalismus der Bourgeoisie; die Charte war das Schibboleth beider, sie hatten ihre ‚Nationalkonvente‘ jedes Jahr zusammen, es schien eine Partei zu sein.“[6]
[1] „Er lebt nach der Maxime »wo immer ein Wesen meiner Art sich mir nähert, erkenne ich dasselbe Prinzip in ihm, dieselbe Natur; und die (erkannte) Vernunftsympathie (und keine bloß gefühlte) sei das Schibboleth, an dem sich Menschen und Menschen unter den übrigen Naturwesen suchen, finden, erkennen, vereinen und lieben«.“[7]
[1] „Volk wurde jetzt zum Schibboleth, das Massen mobilisiert und Geschichte macht.“[8]
[1] „Ebenso widersetzt sie sich einer abschliessenden stilistischen Determinierung oder Interpretation ihrer Arbeit. Das zeigt sich nicht zuletzt in dem Entscheid, ihre Bilder nicht zu betiteln. Ihr Schibboleth heisst open end: Pluralismus der Einflüsse, Offenheit der Betrachtungsweise, Leichtigkeit im Nebeneinander von hoher und Alltagskunst, Persönlichem und Gesellschaftlichem.“[9]
[1] „Die ‚erdnahen Schuhe‘ sind das Schibboleth eines quasi pietistischen Programms.“[10]
[1] „Die Lêschon ba-Qodesch blieb als Bedingung und heiliger Ausdruck von jüdischer Religiosität ein ‚Schlüsselwort‘, ein Schibboleth für geistig-kulturelle Kontexte.“[11]
[1] „Miseri Christiani; das ist der Kern dessen, was hier zur Verhandlung steht, und die Emergenz des Namens ist nichts als ein Schibboleth hierfür.“[12]
[2] „Unter Schibboleth versteht man ein charakteristisches Sprachmerkmal, das eine eindeutige Identifizierung (eines Dialekts / einer Sprache / eines Soziolekts) ermöglicht.“[13]
[2] „Bis heute ist dieses Merkmal ein Schibboleth des français du Midi.“[14]
[2] „Das Meidlinger L gilt in Wien als ein Schibboleth, das den Sprecher als Zugehörigen der Arbeiterklasse, schlimmstenfalls als Proleten ausweist.“[15]
[2] „Ähnliches gilt für die tun-Periphrase, die […] von der Warte der Standardsprache allenfalls als Kennzeichen der Kindersprache, schlimmer noch als soziales Schibboleth für Substandard gilt.“[16]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1217.
[2] Hadumod Bußmann (Herausgeber): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-520-45203-0, DNB 965554066, Seite 584.
[1] Duden online „Schibboleth
[1] Wahrig Fremdwörterlexikon „Schibboleth“ auf wissen.de
[2] Wikipedia-Artikel „Schibboleth
[*] canoo.net „Schibboleth
[1] Meyers Großes Konversationslexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1905–1909, Stichwort „Schibboleth“ (Wörterbuchnetz), „Schibboleth“ (Zeno.org)

Quellen:

  1. Nach Max Mangold und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 6. Auflage. Band 6, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7, DNB 975190849, Seite 704.
  2. 2,0 2,1 Nach Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Seite 903.
  3. מילון כיס דו לשוני עברי-גרמני גרמני-עברי/Zweisprachiges Taschenwörterbuch Deutsch-Hebräisch Hebräisch-Deutsch. כולל תעתיק מלא/Mit vollständiger Transliteration. פרולוג מוציאים לאור בע״מ/Prolog Verlag GmbH, ראש העין (ישראל)/Rosh Haʾayin (Israel) 2006, Stichwort »Ähre«, Seite 17 (deutscher Teil).
  4. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1217.
  5. Hadumod Bußmann (Herausgeber): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-520-45203-0, DNB 965554066, Seite 584.
  6. Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigner Anschauung und authentischen Quellen. 1845. In: Marx-Engels Werke. Band 2, Dietz Verlag, Berlin 1976. In: Projekt Gutenberg-DE. (URL).
  7. Hugo Ball: Zur Kritik der deutschen Intelligenz. 2. Auflage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-01690-3. In: Projekt Gutenberg-DE. (URL).
  8. Christian Büttner, Berthold Meyer (Herausgeber): Integration durch Partizipation. »Ausländische Mitbürger« in demokratischen Gesellschaften. 1. Auflage. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2001, ISBN 978-3-593-36723-1, Seite 229 (Zitiert nach Google Books).
  9. Lillian Fellmann: Die unerträgliche Leichtigkeit der Malerei. Das Gesamtwerk von Laura Owens in Los Angeles. In: NZZOnline. 3. Juni06 2003, ISSN 0376-6829 (URL, abgerufen am 12. August 2009)..
  10. Harald Hartung: Leg dein Genom auf mein Genom. Wenn Pegasus scharrt: Neue Gedichte von Ulla Hahn. In: FAZ.NET. Nummer 9, 12. Januar 2005, ISSN 0174-4909, Seite 34 (URL, abgerufen am 12. August 2009)..
  11. Arndt Kremer: Deutsche Juden - deutsche Sprache. Jüdische und judenfeindliche Sprachkonzepte und -konflikte 1893 - 1933. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 978-3-11-019603-0, Seite 279 (Zitiert nach Google Books).
    Im Originalsatz ist der Begriff »Lêschon ba-Qodesch« kursiv gesetzt.
  12. Grigori Pantijelew: Emergency: Die Emergenz wird emeritiert! Zum Begriff der «jüdischen Theologie» bei christlichen Autoren. In: Jüdische Zeitung Online. Februar 2008, ISSN 1861-4442 (URL, abgerufen am 12. August 2009)..
  13. Natalie Vrticka: (Antik-)Lateinische Linguistik. Seite 6 (Skriptum zu einem Proseminar in Lateinischer Linguistik vom WS 05/06 an der Universität Zürich, URL: PDF 2,97 MB sowie zitiert nach URL, abgerufen am 16. Dezember 2010).
  14. Dr. phil. Elissa Pustka: Die Bedeutung des Lexikons im Varietätenkontakt – das ‚Verstummen‘ des <e> im Südfranzösischen. In: Antje Casaretto, Silvia Kutscher (Herausgeber): Sprachkontakt synchron und diachron. Ergebnisse des 2. LinK-Workshops am Zentrum für Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit. Shaker, Aachen 2008, Seite 169-192 (URL: PDF 0,2 MB sowie zitiert nach URL, abgerufen am 16. Dezember 2010).
    Im Originalsatz ist der Begriff »français du Midi« kursiv gesetzt.
  15. Wikipedia-Artikel „Meidlinger L“. Abgerufen am 16. Dezember 2010.
  16. Oliver Schallert: Syntax des Vorarlberger Alemannischen. Ergebnisse eines Forschungsprojekts. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. 62. Jahrgang, Heft 1, Vorarlberger Verlagsanstalt GmbH, Dornbirn 2010, ISBN 978-3-85430-348-0, ISSN 0027-0148, Seite 36 (URL: PDF 3,65 MB, abgerufen am 16. Dezember 2010).
    Im Originalsatz ist »tun-« kursiv gesetzt.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Brisolett, Cabriolet, Cacolet, Dramolett, Flageolett, Kabriolett, obsolet, Prolet, Spagnolett, Triolett, violett, Violett