Schadchen

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Schadchen (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m, n[Bearbeiten]

Singular 1 Singular 2

Plural

Nominativ der Schadchen das Schadchen

die Schadchen

Genitiv des Schadchens des Schadchens

der Schadchen

Dativ dem Schadchen dem Schadchen

den Schadchen

Akkusativ den Schadchen das Schadchen

die Schadchen

Anmerkung zum grammatischen Geschlecht:

Einige Quellen weisen das Wort ausschließlich als Maskulinum[1][2][3] beziehungsweise ausschließlich als Neutrum[4][5] aus. Andere Quellen markieren es sowohl als Maskulinum als auch als Neutrum.[6][7][8][9]

Nebenformen:

[1] Schadchan[10], Schadjen[1]

Worttrennung:

Schad·chen, Plural: Schad·chen

Aussprache:

IPA: [ˈʃaːtçən]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Schadchen (Info)

Bedeutungen:

[1] jüdisch familiär[1], umgangssprachlich[11], landschaftlich (südhessisch[5]; rheinfränkisch: Frankfurt am Main[12]; pfälzisch[9]) sowie sondersprachlich (Gaunersprache[4][3]): eine (jüdische) Person, die (gewerbsmäßig) Ehen vermittelt beziehungsweise Kuppelei betreibt
[2] pfälzisch: männliche Person, die Viehhandel betreibt
[3] rheinfränkisch (Frankfurt am Main): Spitzname des Stadtteils Frankfurt-Sachsenhausen

Herkunft:

Das Wort ist mit Umdeutung in die Diminutivform[6] im Deutschen sondersprachlich seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt[8] und gelangte im 19. Jahrhundert[6][7] aus dem Rotwelschen[7] in die Standardsprache[8]. Es handelt sich um eine Entlehnung aus dem jiddischen שדכן‎ (YIVOshatkhn) → yi[13], dessen Bedeutung im Westjiddischen mit ‚Heiratsvermittler[14] und im Ostjiddischen mit ‚matchmaker[13], marriage broker[13] [= Kuppler[8], Heiratsvermittler[8]]‘ angegeben wird. Dieses wiederum entstammt dem mittelhebräischen[15] (nach-talmudisch-hebräischen[6]) שַׁדְּכָן‎ (CHA: šadḵān) → hematchmaker, marriage broker[15], welches eine Ableitung (Substantivierung) zu der Piʿʿēl-Form[15] des Verbs שְׁדַּךְ‎ (CHA: šedaḵ) → hezureden, beeinflussen, insbesondere zum Eingehen einer ehelichen Verbindung bewegen‘[10][15] mit dem Agentiv-Suffix ־ָן‎ (-ān)  ist[15].

Synonyme:

[1] Ehestifter/Ehestifterin, Heiratsvermittler/Heiratsvermittlerin, Kuppler/Kupplerin
[1] umgangssprachlich[16]: Heiratsschmuser, Schmuser, Zwischenhändler
[2] Viehhändler

Sinnverwandte Wörter:

[1] Brautwerber/Brautwerberin, Freiwerber

Gegenwörter:

[1] Heiratsschwindler/Heiratsschwindlerin

Oberbegriffe:

[1] Vermittler
[2] Händler
[3] Spitzname

Beispiele:

[1] „Ihr wisst ja, wie es bei uns zugeht – wir werden verheiratet, wobei man die Mädchen kaum fragt, und meinen Eltern laufen die „Schadchen“, unsere gewerbsmäßigen Heiratsvermittler, fast das Haus ein und schlagen ihnen geeignete Partien für mich vor.“[17]
[1] „Als der König von Spanien nach Wien kam, wurden außer den Schadchen auch sämtliche Kupplerinnen Wiens mobilisiert.“[18]
[1] „Ein ‚Schadchen‘ gebraucht mancherlei Mittel, um ein schwieriges Geschäft zustande zu bringen oder ein bedrohtes zu retten, aber einem ehrbaren Manne listig eine Entehrte als Braut zuzuführen, mit solcher Schuld belastet kein Mann dieser Zunft sein Gewissen.“[19]
[1] „Seine Reime können sich aber auch auf das Brautpaar selbst beziehen, wobei er bisweilen in die Rolle des Schmusers, also des Ehevermittlers, schlüpft, wie ein Beispiel von Louis Böhm (1910) zeigt: »Ja, der Schadchen denkt sich heute, Mühe hat’s genug gemacht, eh’ ich diese beiden Leute glücklich hab zusamm’n gebracht.«“[20]
[2]
[3]

Wortbildungen:

[1] schadchenen[21]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Schadchen
[*] canoonet „Schadchen
[1] Duden online „Schadchen
[1, 2] Pfälzisches Wörterbuch „Schadchen
[1] Samuel Rappaport: Schadchan. In: Georg Herlitz, Dr. Bruno Kirschner et al. (Herausgeber): Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Band Ⅳ/2: S—Z, Jüdischer Verlag, Berlin 1930, URN:nbn:de:hebis:30-180015078053, Spalte 137 (Digitalisat der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main).
[1] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 7. Band Sardelle–Susi, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570170-8, DNB 841057532, Stichwort »Schadchen«, Seite 2429.
[1, 3] Aufgrund des von Johann Joseph Oppel und Hans Ludwig Rauh gesammelten Materials herausgegeben im Auftrag der Frankfurter Historischen Kommission in Verbindung mit dem Institut für Volkskunde/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main von Wolfgang Brückner, bearbeitet von Helmut Waibler (Herausgeber): Frankfurter Wörterbuch. Band Ⅴ: Raadeln – Strohkopf, Kramer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-7829-0360-9, Seite 2628.
[1] Friedrich Maurer (Begründer); nach den Vorarbeiten von Friedrich Maurer, Friedrich Stroh und Rudolf Mulch bearbeitet von Roland Mulch: Südhessisches Wörterbuch. Band Ⅴ: S, N.G. Elwert Verlag/Hessische Historische Kommission, Marburg/Darmstadt 1989–1998, ISBN 978-3-7708-0388-0, Spalte 140 (Digitalisat).
[1] Siegmund A. Wolf (Herausgeber): Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache. 3. Auflage. 1993, Seite 277, Nummer 4778 (Unveränderter Nachdruck der 2. Auflage von 1985).
[1–3] Heidi Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000 (Lexicographica: Series Maior ; 102, ISSN 0175-9264), ISBN 978-3-484-39102-4, DNB 959920579, Stichwort »Schadchen«, Seite 177.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Stichwort »Schadchen«, Seite 1441.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Stichwort »Schadchen«, Seite 1214.
[1] Hans Peter Althaus (Herausgeber): Deutsche Wörter jiddischer Herkunft. Ein Lexikon. 1. Auflage. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-59217-1, Stichwort »Schadchen«, ‹ohne Seitenangabe› (E-Book).

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 Hans Peter Althaus (Herausgeber): Deutsche Wörter jiddischer Herkunft. Ein Lexikon. 1. Auflage. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-59217-1, Stichwort »Schadchen«, ‹ohne Seitenangabe› (E-Book).
  2. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Stichwort »Schadchen«, Seite 1214.
  3. 3,0 3,1 Duden online „Schadchen
  4. 4,0 4,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Stichwort »Schadchen«, Seite 1441.
  5. 5,0 5,1 Friedrich Maurer (Begründer); nach den Vorarbeiten von Friedrich Maurer, Friedrich Stroh und Rudolf Mulch bearbeitet von Roland Mulch: Südhessisches Wörterbuch. Band Ⅴ: S, N.G. Elwert Verlag/Hessische Historische Kommission, Marburg/Darmstadt 1989–1998, ISBN 978-3-7708-0388-0, Spalte 140 (Digitalisat).
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Schadchen«, Seite 790.
  7. 7,0 7,1 7,2 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Schadchen“.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 8,7 8,8 Heidi Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000 (Lexicographica: Series Maior ; 102, ISSN 0175-9264), ISBN 978-3-484-39102-4, DNB 959920579, Stichwort »Schadchen«, Seite 177.
  9. 9,0 9,1 Pfälzisches Wörterbuch „Schadchen
  10. 10,0 10,1 Samuel Rappaport: Schadchan. In: Georg Herlitz, Dr. Bruno Kirschner et al. (Herausgeber): Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Band Ⅳ/2: S—Z, Jüdischer Verlag, Berlin 1930, URN:nbn:de:hebis:30-180015078053, Spalte 137 (Digitalisat der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main).
  11. Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 7. Band Sardelle–Susi, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570170-8, DNB 841057532, Stichwort »Schadchen«, Seite 2429.
  12. 12,0 12,1 Aufgrund des von Johann Joseph Oppel und Hans Ludwig Rauh gesammelten Materials herausgegeben im Auftrag der Frankfurter Historischen Kommission in Verbindung mit dem Institut für Volkskunde/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main von Wolfgang Brückner, bearbeitet von Helmut Waibler (Herausgeber): Frankfurter Wörterbuch. Band Ⅴ: Raadeln – Strohkopf, Kramer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-7829-0360-9, Seite 2628.
  13. 13,0 13,1 13,2 Uriel Weinreich: מאָדערן ענגליש-ייִדיש ייִדיש-ענגליש װערטערבוך. Modern English-Yiddish Yiddish-English Dictionary. New paperback edition, Schocken Books, New York 1987, ISBN 978-0-8052-0575-6 (Lizenzausgabe des YIVO Institute for Jewish Research, New York 1968), Stichwort »שדכן‎«, Seite 398.
  14. Werner Weinberg: Die Reste des Jüdischdeutschen. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1969 (Studia Delitzschiana ; Band 12), DNB 458597058, Seite 124.
  15. 15,0 15,1 15,2 15,3 15,4 Ernest Klein; foreword by Haim Rabin; Baruch Sarel (Herausgeber): A Comprehensive Etymological Dictionary of the Hebrew Language for Readers of English. CARTA, Jerusalem ©1987, ISBN 965-220-093-X , Stichwort »שַׁדְּכָן‎«, Seite 641.
  16. Alle nach Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. In 8 Bänden. Klett, Stuttgart 1982–1984, DNB 550923802
  17. Rudolf Lavant: Idealisten. In: Die Neue Welt. Nummer 33 – Nummer 52, Leipzig 1880, Seite 398 (Zitiert nach Wikisource-Quellentext „Seite:Idealisten_34_05.jpg“).
  18. Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. In: Derselbe (Herausgeber): Die Fackel. Nummer 190, 11. Dezember 1905, Seite 4 (Zitiert nach Digitalisat)
  19. Karl Emil Franzos: Leib Weihnachtskuchen und sein Kind. Erzählung. J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart 1924, Seite 320 (Zitiert nach Google Books)
  20. Antje Yael Deusel: Wieso, weshalb, warum: Badchan. Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums. In: Jüdische Allgemeine Online. 23. Oktober 2014, ISSN 1618-9698 (URL, abgerufen am 1. Oktober 2015).
  21. Hans Peter Althaus (Herausgeber): Deutsche Wörter jiddischer Herkunft. Ein Lexikon. 1. Auflage. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-59217-1, Stichwort »schadchenen«, ‹ohne Seitenangabe› (E-Book).
  22. 22,0 22,1 Oxford English Dictionary „Schadchen
  23. Siehe zum Beispiel:
    Heidi Knörzer: Expériences croisées. Les Juifs en France et en Allemagne aux ⅩⅨe et ⅩⅩe siècles. Éditions de l’éclat, Paris ©2010, Seite 183 (Zitiert nach Google Books),
    Isaac Bashevis Singer: La famille Moskat. Roman. Éditions Stock, Paris 2012 (Originaltitel: The Family Moskat, übersetzt von Marie-Pierre Bay, Nicolas Castelnau-Bay), Seite ‹ohne seitenangabe› (E-Book; zitiert nach Google Books).
  24. Siehe zum Beispiel:
    Myriam Beaudoin: Hadassa. Roman. Leméac, Montréal 2006, ISBN 978-2-7609-3277-7, Seite 38 (Zitiert nach Google Books),
    Dominique Frischer: Golda Meir. La femme derrière la légende. L’Archipel, 2015, ISBN 978-2-8098-1677-8, Seite ‹ohne Seitenangabe› (E-Book; zitiert nach Google Books).
  25. Siehe zum Beispiel:
    Ben Zimet: Contes du Yiddishland. Paroles du peuple juif. Éditions du Seuil, Paris 2000, Seite ‹nicht einsehbar› (Zitiert nach Google Books),
    Sophie Régnière: Une union proclamée au ciel. Nature et obligations du mariage selon la doctrine juive traditionnelle. Presses de l’Université Laval, Laval (Québec) 2002, Seite 49 (Zitiert nach Google Books).
  26. Siehe zum Beispiel:
    Gérard Haddad: Le péché originel de la psychanalyse. Lacan et la question juive. Éditions du Seuil, Paris 2007, Seite 91 (Zitiert nach Google Books),
    Isaac Leib Peretz: Les oubliés du shtetl. Yiddishland. Plon, Paris 2007, Seite 66 (Zitiert nach Google Books).
  27. 27,0 27,1 27,2 Nach Friedrich Maurer (Begründer); nach den Vorarbeiten von Friedrich Maurer, Friedrich Stroh und Rudolf Mulch bearbeitet von Roland Mulch: Südhessisches Wörterbuch. Band Ⅴ: S, N.G. Elwert Verlag/Hessische Historische Kommission, Marburg/Darmstadt 1989–1998, ISBN 978-3-7708-0388-0, Spalte 140 (Digitalisat).
    Die Transkription nach Teuthonista wurde an die in diesem Projekt übliche des IPA angepasst.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 2: Schäfchen, Schälchen