Kurzdeutsch

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Kurzdeutsch (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ das Kurzdeutsch

Genitiv des Kurzdeutsch

Dativ dem Kurzdeutsch

Akkusativ das Kurzdeutsch

Worttrennung:

Kurz·deutsch, kein Plural

Aussprache:

IPA: [ˈkʊʁt͡sˌdɔɪ̯t͡ʃ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Kurzdeutsch (Info)

Bedeutungen:

[1] Linguistik: die Verwendung von verkürzten Sätzen im informellen Gebrauch der gesprochenen oder geschriebenen deutschen Sprache

Sinnverwandte Wörter:

[1] Assideutsch, Dönerdeutsch, Kiezdeutsch, Türkendeutsch,

Oberbegriffe:

[1] Deutsch

Herkunft:

Determinativkompositum aus dem Adjektiv kurz und dem Substantiv Deutsch

Beispiele:

[1] „Was die Soziolinguistin Diana Marossek ‚Kurzdeutsch‘ nennt, zeichnet sich vor allem durch einen Hang zur Verknappung aus, dem nicht bloß Präpositionen zum Opfer fallen.“[1]
[1] „Kurzdeutsch breitet sich aus. Artikel und Präpositionen werden einfach weggelassen. Zurück bleiben Sätze wie ‚Ich bin noch Büro‘ oder ‚Er hat Tor geschossen‘. Das ist längst kein Sprachproblem von Migranten mehr, sondern eine ansteckende Marotte. Droht der deutschen Sprache der Untergang?“[2]
[1] „Es gibt aber immer mehr Menschen, die an Worten sparen wollen. Schnell soll’s gehen und cool will man sein. Die Sprachwissenschaftlerin und Buchautorin Diana Marossek hat dem Phänomen der unvollständigen Sätze nun einen Namen gegeben: Kurzdeutsch.[3]
[1] „Als Entstehungsfaktor für das Weglassen von Artikeln und Präpositionen sehen sprachwissenschaftliche Studien den Einfluss des Türkischen“, erklärt Melanie Kunkel aus der Dudenredaktion. Im Türkischen gibt es nämlich keine Artikel oder Präpositionen. Zudem kommt Kurzdeutsch hierzulande auch in regionalen Dialekten vor. Berliner sagen zum Beispiel durchaus: „Ich bin auf Arbeit.“[4]
[1] „Doch wovon spreche ich hier eigentlich? Das Phänomen, das ich untersuche, hatte lange keinen Namen, mit dem ich als Wissenschaftlerin, aufgrund der Breite und Tiefe meiner Studien, auch nur annähernd zufrieden war. In der Literatur und verwandten Forschungen habe ich Begriffe wie Türkendeutsch, Assideutsch, Dönerdeutsch oder Kiezdeutsch gefunden. Wie Sie sich sicherlich denken können, war keiner dieser Begriffe geeignet, vorurteilsfrei, wissenschaftlich korrekt und allgemeingültig für einen sich durch alle gesellschaftlichen Schichten verbreitenden Sprachstil stehen zu können. Ich habe mich nach langem Überlegen für den Begriff Kurzdeutsch entschieden. Die Bezeichnung Kurzdeutsch birgt keine soziale Stigmatisierung, keine Abwertung oder Ausgrenzung und ist für jedermann überall zu verstehen. Außerdem beschreibt es das Wesen dieser Art zu sprechen: Kurzdeutsch ist kurz.“[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Diana Marossek: Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?: Warum wir reden, wie wir neuerdings reden, Berlin 2016, Hanser Verlag, ISBN 3446250778, in diesem Werk eine Ausarbeitung des Begriffes „Kurzdeutsch“

Quellen:

  1. Diana Marossek: Kommst du Bahnhof oder hast du Auto? (Buchvorstellung). Hanser Literaturverlage München, 2016, abgerufen am 27. August 2016.
  2. Antonia Lange (dpa): Warum sogar Lehrer dem Kurzdeutsch verfallen. T-Online, 13. Februar 2016, abgerufen am 27. August 2016.
  3. rom (Autorenkürzel): Kurzdeutsch als neuer Trend: „Ich lauf Bahnhof“. Abendzeitung (München), 12. Februar 2016, abgerufen am 27. August 2016 (Definition „Kurzdeutsch“ nach Diana Marossek).
  4. rom (Autorenkürzel): Kurzdeutsch als neuer Trend: „Ich lauf Bahnhof“. Abendzeitung (München), 12. Februar 2016, abgerufen am 27. August 2016 (Definition „Kurzdeutsch“ nach Diana Marossek).
  5. Diana Marossek: Gehst Du Aldi? Wie sich die deutsche Sprache verändert. Manuskript eines Vortrags des SWR2 Manuskriptdienstes vom 16. Oktober 2016, 8:30 Uhr, in SWR2 Aula