Kollateralschaden

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Kollateralschaden (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Kollateralschaden

die Kollateralschäden

Genitiv des Kollateralschadens

der Kollateralschäden

Dativ dem Kollateralschaden

den Kollateralschäden

Akkusativ den Kollateralschaden

die Kollateralschäden

Hinweis:

Das Wort „Kollateralschaden“ wurde ‌ zum Unwort des Jahres 1999 gekürt.

Worttrennung:

Kol·la·te·ral·scha·den, Plural: Kol·la·te·ral·schä·den

Aussprache:

IPA: [ˌkɔlateˈʁaːlˌʃaːdn̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Kollateralschaden (Österreich) (Info), Lautsprecherbild Kollateralschaden (deutsch) (Info)

Bedeutungen:

[1] Militär, euphemistisch: unbeabsichtigter Schaden (insbesondere zivile Opfer), der durch einen militärischen Einsatz entstanden ist
[2] übertragen: Nebenwirkung, durch die Schaden entsteht

Herkunft:

Entlehnung aus gleichbedeutend englisch collateral damage → en, das zusammengesetzt ist aus collateral → enzusätzlich, einen Begleitumstand darstellend“ und damage → enSchaden[1]

Synonyme:

[1] Begleitschaden

Beispiele:

[1] „Ein ‚Kollateralschaden‘ ist nach dem humanitären Völkerrecht ein ungewollter, aber zur Erreichung eines legalen Angriffs auf ein militärisches Ziel unvermeidbarer ‚Nebenschaden‘, etwa das Zubruchgehen von Fensterscheiben eines dem Ziel nahen zivilen Gebäudes. Der Kollateralschaden muß sich in engen Grenzen halten. Wäre beim Angreifen eines militärischen Ziels der Kollateralschaden unverhältnismäßig hoch, müßte der Angriff unterbleiben.“[2]
[1] „Was im zynischen Nato-Jargon als ‚Fehler‘, ‚Versehen‘ oder ‚Kollateralschaden‘ bezeichnet wird, ist ein systematischer Bombenkrieg gegen das gesamte Jugoslawien und die Bevölkerung jedweder Nationalität.“[3]
[1] „Ungenaue Begriffe wie ‚humanitäre Katastrophe‘ oder ‚Kollateralschaden‘, die mehr vernebeln als erhellen, wurden gedankenlos übernommen.“[4]
[1] „Das würde erklären, weshalb die NATO während ihrer 78tägigen »humanitären Intervention« niemals über die Umweltkriegspraktiken informierte und deren katastrophale ökologischen und gesundheitlichen Folgen als »Kollateralschäden« verharmloste - als unbeabsichtigte, aber kriegsnotwendige Vernichtung von Mensch und Gut. Mit anderen Worten, die Formel von den eingetretenen Kollateralschäden war die irreführende Erklärung für Begleiterscheinungen des Einsatzes verbotener Methoden der ökologischen Kriegsführung.“[5]
[1] „Der beschönigende und unmenschliche Begriff ‚Kollateralschaden‘ wurde 1999 zum ‚Unwort des Jahres‘.“[6]
[1] „Eine interne Untersuchung endete mit dem Ergebnis, dass die ‚Kollateralschäden‘ der Operation, also die zivilen Opfer, auf fehlerhafte nachrichtendienstliche Informationen zurückzuführen und deshalb nicht vorauszusehen gewesen seien.“[7]
[1] „Doch der relative Erfolg der gezielten Tötungen, die in Pakistan im Jahr 2004 begannen, wird von zahlreichen ‚Kollateralschäden‘ überschattet. Bei den immer häufigeren Luftangriffen - zurzeit durchschnittlich einer pro Woche - sollen zwischen Januar und September 2009 insgesamt 432 Menschen ums Leben gekommen sein (für das ganze Jahr 2008 lag die Opferzahl bei 317).“[8]
[2] „Ein bedauerlicher Kollateralschaden im Kampf um Patente und Plagiate oder Zeichen einer Fehlentwicklung?“[9]
[2] „Die Entpolitisierung sei wohl ein ‚Kollateralschaden des Wohlstands‘, seufzt Broder.“[10]
[2] „Die Alternative heißt: ‚Überwachung und Lenkung‘ der wirtschaftlichen Kräfte nach sozialen und ökologischen Kriterien - oder Überwachung und Lenkung der Kollateralschäden ‚freier Märkte‘.“[11]
[2] „Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou erkennt angesichts der heftigen Diskussion vor allem in Deutschland zumindest einen emotionalen Kollateralschaden.[12]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2] wissen.de – Wörterbuch „Kollateralschaden
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 725
[1] Wikipedia-Artikel „Kollateralschaden
[*] canoo.net „Kollateralschaden
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonKollateralschaden

Quellen:

  1. vergleiche Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 725
  2. Elmar Schmähling: Verletzung der Regeln des Kriegsvölkerrechts im NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Abgerufen am 21.09.2010. Zitiert nach http://www.nato-tribunal.de/.
  3. Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung (GSA e.V.): Der Krieg der Nato in Jugoslawien. Tagesberichte über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe. 24. Kriegstag - 16.4.1999, 17.04.1999. Abgerufen am 21.09.2010.
  4. Dietrich Leder: Bilder des Krieges. Der Kosovo-Konflikt im deutschen Fernsehen fünf Phasen der Berichterstattung. In: Berliner Zeitung, 22.07.1999. Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  5. Knut Krusewitz: Öko-Krieg in »humanitärer Absicht«. Phosgen-Wolken über Pancevo. In: der Freitag, 23.07.1999. ISSN 0945-2095. Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  6. Andreas Thulin: Vom gescheiterten gewaltfreien Widerstand im Kosovo bis zur »humanitären Intervention« der NATO. In: Evangelische StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland (ESG) (Hrsg.): ansätze, Heft 5, Berlin 15.12.2009. Seite 17. ISSN 0721-2291. Abgerufen am 21.09.2010 (PDF).
  7. Sharon Weill: Operation im rechtsfreien Raum. Welches Gericht ist für mutmaßliche Kriegsverbrechen des israelischen Militärs zuständig?. (übersetzt von Niels Kadritzke) In: Le Monde diplomatique, Nummer 8985, 11.09.2009. ISSN 0026-9395. Deutschsprachige Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  8. Laurent Checola, Edouard Pflimlin: Aufspüren und vernichten. Drohnen, Waffensystem der Zukunft. (übersetzt von Herwig Engelmann) In: Le Monde diplomatique, Nummer 9062, 11.12.2009. ISSN 0026-9395. Deutschsprachige Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  9. Markenschutz• Kollateralschäden einer Zollrazzia. In: Handelsblatt, 02.09.2008. ISSN 0017-7296. Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  10. Die Furcht des Chefredakteurs. In: Sächsische Zeitung, 22.01.2009. ZDB 2448502-0. Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  11. Mathias Greffrath: Gekritzel am Krisenrand. In: Le Monde diplomatique, Nummer 8852, 03.04.2009. Seite 2. ISSN 0026-9395. Deutschsprachige Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.
  12. Streit über Milliardenhilfen. Griechen-Premier empfand Deutsche als feindselig. In: DER SPIEGEL, Heft 21, 23.05.2010. ISSN 0038-7452. Online-Ausgabe abgerufen am 21.09.2010.