J’accuse

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J’accuse (Deutsch)[Bearbeiten]

Interjektion[Bearbeiten]

der am 13. Januar 1898 in der Tageszeitung »L’Aurore« erschienene offene Brief Émile Zolas

Worttrennung:

J’accuse

Aussprache:

IPA: nur französiert: [ʒaˈkyːs][1], [ʒaˈkyːz][2]
Hörbeispiele: —, —

Bedeutungen:

[1] emphatischer Ausruf, um einer Kritik, einem Anprangern von Missständen ein besonderes (moralisches) Gewicht zu geben[3][4]

Herkunft:

In dem berühmten Dreyfus-Prozess Ende des 19. Jahrhunderts ergriff der französische Schriftsteller Émile Zola die Partei des angeklagten jüdischen Generalstabsoffiziers Alfred Dreyfus.[3][4] In einem offenen Brief an den französischen Präsidenten beschuldigte er das Kriegsgericht, ein Fehlurteil aufgrund von Vorurteilen gefällt zu haben.[3][4] Dem in der Zeitschrift »L’Aurore« am 13. 1. 1898 publizierten Brief gab er die Überschrift J’Accuse…!Ich klage an…!‘.[3][4]

Synonyme:

[1] Ich klage an!

Beispiele:

[1] „Er war vielleicht nicht der Begabteste unter den Kunstschaffenden, womöglich auch nicht der Gelehrteste – aber mit Sicherheit war er der Aufrichtigste und Mutigste und, was noch viel gewichtiger ausschlug: er war der Einzige unter den vielen Schriftstellern und Dichtern, der, wie einst Émile Zola, den Mut aufbrachte zu sagen: J’accuse – ich klage an!“[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Werner Scholze-Stubenrecht et al.: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 7 500 Zitate, Aussprüche, Bonmots, Sentenzen und Aphorismen - von der klassischen Antike bis zur modernen Werbesprache, von der Bibel bis zum Fernsehfilm. In: Der Duden in 12 Bänden. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung überarbeiteter Nachdruck der 1. Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1997, ISBN 3-411-04121-8, DNB 950682950, Stichwort »J’accuse!«, Seite 243 mit Verweis auf das Stichwort »Ich klage an!«, Seite 224.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3, Stichwort »J’accuse!«, Seite 426 mit Verweis auf das Stichwort »Ich klage an!«, Seite 372.

Quellen:

  1. Nach Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Seite 621.
  2. Max Mangold und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 6. Auflage. Band 6, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7, DNB 975190849, Seite 437.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Werner Scholze-Stubenrecht et al.: Duden, Zitate und Aussprüche. Herkunft und aktueller Gebrauch. 7 500 Zitate, Aussprüche, Bonmots, Sentenzen und Aphorismen - von der klassischen Antike bis zur modernen Werbesprache, von der Bibel bis zum Fernsehfilm. In: Der Duden in 12 Bänden. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung überarbeiteter Nachdruck der 1. Auflage. Band 12, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1997, ISBN 3-411-04121-8, DNB 950682950, Stichwort »J’accuse!«, Seite 243 mit Verweis auf das Stichwort »Ich klage an!«, Seite 224.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Buch der Zitate und Redewendungen. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-71802-3, Stichwort »J’accuse!«, Seite 426 mit Verweis auf das Stichwort »Ich klage an!«, Seite 372.
  5. Carl Gibson: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceaușescu-Diktatur. Chronik und Testimonium einer tragischen Menschenrechtsbewegung in literarischen Skizzen, Essays, Bekenntnissen und Reflexionen. J. H. Röll, Dettelbach 2008, ISBN 978-3-89754-297-6, Seite 41 (Zitiert nach Google Books).

Substantiv, f, n[Bearbeiten]

Singular 1 Singular 2

Plural

Nominativ die J’accuse das J’accuse

Genitiv der J’accuse des J’accuse

Dativ der J’accuse dem J’accuse

Akkusativ die J’accuse das J’accuse

Anmerkung:

Obwohl der Duden das Wort als Femininum ausgibt, finden sich mehrheitlich Belege (siehe Beispiele) für den Gebrauch als Neutrum.

Worttrennung:

J’accuse

Aussprache:

IPA: nur französiert: [ʒaˈkyːs][1], [ʒaˈkyːz][2][3]
Hörbeispiele: —, —

Bedeutungen:

[1] Schrift, in der etwas mahnend angeklagt wird; im weitesten Sinne: mahnende Anklage selbst

Herkunft:

Es handelt sich um eine Entlehnung aus dem Französischen mit der wörtlichen Bedeutung ‚ich klage an‘, einem Zitat aus dem offenen Brief Émile Zolas aus dem Jahr 1898 an den französischen Staatspräsidenten, mit dem er gegen die Verurteilung von Dreyfus protestierte.[3] (Näheres siehe oben.)

Sinnverwandte Wörter:

[1] Anklageschrift

Beispiele:

[1] „Der Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums für Naziverbrechen, Simon Wiesenthal, hat in einem bewegenden J’accuse die westliche Welt aufgerufen, die Not der verzweifelten 300 000 in Sarajevo eingeschlossenen, Hungers sterbenden Menschen zur Kenntnis zu nehmen.“[4]
[1] „Der Furor des J’accuse erfreut sich ungeschmälerter Publikumsgunst, wie überhaupt vor allem diejenigen auf Applaus rechnen konnten, die das alte Modell des warnenden und mahnenden Grossintellektuellen hochhielten.“[5]
[1] „Und anschließend warf er mit einem sehr Chestertonschen Schlenker sein J’accuse hin:[…]“[6]
[1] „Solche Ambivalenzen, Erbe der vorhergehenden Romane, sind jetzt jedoch die Ursache für das Misslingen von Drakulic literarischem J’accuse.[7]
[1] „Vielmehr ist das ‚J’accuse‘ eine der letzten Möglichkeiten für Pereira, die eigene Haut zu retten.“[8]
[1] „Zolas in anderem Zusammenhang gegen die antisemitischen Verhältnisse seines Landes geschleudertes ‚J’accuse‘ lesen wir in seinem Roman ‚Das Geld‘ als Anklage gegen die Übertreibungen des Kapitalismus, die in Detroit, London, Frankfurt und New York widerhallt.“[9]
[1] „Nicht zufällig mündet das Buch in das »J’accuse« des Schlußkapitels, das sich innerhalb der literarischen Fiktion gegen Flaubert, den Meister der Madame Bovary, richtet, aber intellektuell-moralisch zugleich gegen Sartre und existentiell, als »J’accuse« des Autors Jean Améry, gegen noch höhere Instanzen.“[10]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 663.

Quellen:

  1. Nach Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Seite 621.
  2. Max Mangold und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 6. Auflage. Band 6, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7, DNB 975190849, Seite 437.
  3. 3,0 3,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 663.
  4. Dff: Rechenschaft. In: Die Zeit. Nummer 32, 6. August 1993, ISSN 0044-2070 (DIE ZEIT-Archiv, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  5. Publikumsgunst für glühende Selbstanklagen. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 48, 9. Dezember 1998, Seite 65.
  6. Alberto Manguel: Die helle Seite des Kopfes und die dunkle Seite des Herzens. In: Frankfurter Rundschau. 54. Jahrgang, 19. Dezember 1998, Seite 3.
  7. Thomas Medicus: Nicht ohne Voyeurismus: Slavenka Draculic spricht in ihrem neuen Roman über Vergewaltigung. In: Frankfurter Rundschau. 55. Jahrgang, 24. November 1999, Seite 10.
  8. Ein Plädoyer für Zivilcourage. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 14, 7. April 2000, Seite 66.
  9. Harald Loch: Das Buch zur Krise - Emile Zolas ungeahnt aktueller Roman „Das Geld“. In: Nürnberger Nachrichten. 28. November 2009, Seite 8.
  10. Hanjo Kesting: Ein bunter Flecken am Kaftan. Essays zur deutsch-jüdischen Literatur. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-925-6, Seite 283 (Zitiert nach Google Books).
    Im Originalsatz ist einzig der Buchtitel »Madame Bovary« kursiv gesetzt.