Heimsuchung

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Heimsuchung (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Heimsuchung

die Heimsuchungen

Genitiv der Heimsuchung

der Heimsuchungen

Dativ der Heimsuchung

den Heimsuchungen

Akkusativ die Heimsuchung

die Heimsuchungen

[1] »Die Heimsuchung« im Ulmer Münster, Peter Hemmel von Andlau, um 1480

Worttrennung:

Heim·su·chung, Plural: Heim·su·chun·gen

Aussprache:

IPA: [ˈhaɪ̯mˌzuːxʊŋ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Heimsuchung (Info)

Bedeutungen:

[1] ein Schicksalsschlag, ein bedrohliches Ereignis oder eine Entwicklung, dem die Betroffenen ausgeliefert sind, eventuell als Strafe oder religiöse Prüfung gedeutet
[2] veraltet, allgemein: Besuch, insbesondere der überraschend hereinbrechende „Besuch“ beziehungsweise die Ankunft Gottes zu den Menschen, die normalerweise Erschrecken auslöst
[3] Christentum, kein Plural: der Besuch von Maria, als sie mit Jesus schwanger war, bei der mit Johannes dem Täufer schwangeren Elisabeth (vergleiche Lukas 1,39; meist Mariä Heimsuchung als Festtag und Motiv in der Kunst)
[4] historisch, juristisch: eine Form des Hausfriedensbruchs, schwere Störung des Hausfriedens
[5] süddeutsch: Haussuchung, Hausdurchsuchung eines Verdächtigen durch die Polizei

Herkunft:

mittelhochdeutsch heimsuochunge „Hausfriedensbruch“[1]
Ableitung vom Stamm des Verbs heimsuchen mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -ung

Synonyme:

[1] Schicksalsschlag
[4] Hausfriedensbruch

Sinnverwandte Wörter:

[1] Bedrohung, Unheil

Oberbegriffe:

[4] Straftat

Beispiele:

[1] „In der Heimsuchung der Stadt Oran durch die tödliche Seuche, übertragen durch massenhaft auftauchende Ratten, meinte sich eine ganze Generation den Schrecken der Barbarei noch einmal vor Augen führen zu können.“[2]
[1] „Immerhin, es war eine nette Heimsuchung gewesen.“[3]
[3] Das geistliche Volkslied »Maria durch ein’ Dornwald ging« greift die Heimsuchung Mariens auf.
[2] „In der Deutschen Bibel wird es [das Verb »heimsuchen«] auch häufig mit der vierten Endung der Sache [dem Kasus Akkusativ] gebraucht, die Sünde, die Boßheit, die Blutschulden u.s.f. heimsuchen, d.i. strafen, da denn Heimsuchungen auch Strafen bedeuten.“[4]
[4] „Wer Heimsuchung thut, gibt sein Leben in des Kaisers Hand.“[5]

Charakteristische Wortkombinationen:

[3] Orden von der Heimsuchung Mariens

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1–4] Wikipedia-Artikel „Heimsuchung
[1, 3, 5] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Heimsuchung
[*] canoonet „Heimsuchung
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalHeimsuchung
[1] The Free Dictionary „Heimsuchung
[1, 3, 5] Duden online „Heimsuchung
[3, 4] Pierer’s Universal-Lexikon der Vergangenheit und Gegenwart. 4., umgearbeitete und stark vermehrte Auflage. 19 Bände. Altenburg 1857–1865 „Heimsuchung
[4] Meyers Großes Konversationslexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1905–1909, Stichwort „Heimsuchung“ (Wörterbuchnetz), „Heimsuchung“ (Zeno.org)
[4] Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon „Heimsuchung

Quellen:

  1. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Heimsuchung
  2. Jürgen Goldstein: Blau. Eine Wunderkammer seiner Bedeutungen. Matthes & Seitz, Berlin 2017, ISBN 978-3-95757-383-4, Seite 72.
  3. Charles Bukowski: Ausgeträumt. Roman. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997 (übersetzt von Carl Weissner), ISBN 3-423-12342-7, Seite 28. Englisches Original 1994.
  4. Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Leipzig 1793–1801 „Heimsuchen
  5. Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon „Heimsuchung