Gassi

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Gassi (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv[Bearbeiten]

Anmerkung:

Gassi wird ohne Artikel verwendet und kommt fast nur im Zusammenhang der genannten Wendungen vor.

Worttrennung:

Gas·si, kein Plural

Aussprache:

IPA: [ˈɡasi]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Gassi (Info)

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich, meist in den Wendungen »Gassi gehen« und »Gassi führen«; vor allem von Hunden, mitunter auch anderen Tieren: ins Freie zwecks Entleerung des Darms und der Blase

Herkunft:

Die Herkunft des Wortes ist umstritten: Einerseits soll es sich um eine süddeutsche (bairische) Bildung zu Gasse handeln.[1][2][3] Andererseits soll die Wendung »Gassi gehen« eine Kurzform der studentensprachlichen Wendung gassatine gehen sein, mit der die nächtlichen Sauftouren umschrieben wurden.[4] Bei gassatine soll es sich wiederum um eine Ableitung von lateinischem grassari → la ‚sich herumtreiben‘ handeln.[4]

Beispiele:

[1] Ich gehe mit meinem Hund Gassi.
[1] Man sagt in Wien »den Hund äußerln führen« zu »mit dem Hund Gassi gehen«.
[1] „Das Leben, Mensch, das Leben ist unendlich viel mehr als Fressen, Gassi und Glotze!“[5]
[1] „Winzigfette Möpse wurden im Wald Gassi geführt, an der Leine, versteht sich.“[6]
[1] „So glauben sie inzwischen zu wissen, warum der Hund Gassi muß, auch wenn er gerade eben Gassi war (Machtkampf pur), wozu er mit dem Schwanz wedelt, obwohl er sich gar nicht freut (Verfächelung von Kennungsdüften aus den Analdrüsen), oder weshalb er dem Menschen das schmutzige Pfoterl so gern auf den Schenkel patscht (Verhaltensrest vom sogenannten Milchtritt, mit dem der Welpe das Gesäuge der Mutter massiert).“[7]
[1] „Am dritten Tag wußte sie, was das Geräusch bedeutete, das beim Anziehen der Handbremse entsteht: Gassi und Leckerli.“[8]
[1] „Wer seinen Schäferhund in Begleitung eines Kindes ‚Gassi‘ schickt, verletzt seine Aufsichtspflicht als Hundehalter.“[9]
[1] übertragen: „Poser gehen Gassi mit dem Handy.“[10]
[1] „Zuerst spielten die Fanny und der Beethoven miteinander, doch dann trickste Beethoven die Fanny aus, so daß sie in die Pegnitz fiel. Es geschah im Biergarten des Wirtshauses ‚Zum Schuldturm‘, wo die Wirtin Irmgard Dürbeck die zwei Kameraden ein wenig Gassi tollen ließ. Jeder weiß, daß sein Hund, der an dieser Stelle in die Pegnitz fällt, von selber nicht mehr rauskommt.“[11]
[1] „Einzig Halter, die mit ihren Hunden eine Gehorsamkeitsprüfung abgelegt und einen Hundeführerschein erworben haben, können Bello auch ungezügelt Gassi schicken.“[12]
[1] „Eine schwer alkoholisierte Frau aus Chemnitz in Deutschland hat in der Nacht auf gestern ihr Meerschweinchen Gassi geführt.“[13]
[1] „Nicht mit einem Hund, sondern mit seiner Schlange ging ein Mann im Stadtteil Mülheim gegen Mitternacht auf Gassi-Runde.“[14]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] (einen Hund) Gassi führen, (mit einem Hund) Gassi gehen, (ein Hund) muss Gassi, jemand ist mit dem Hund Gassi

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Gassi“ (Korpus)
[*] The Free Dictionary „Gassi
[*] Duden online „Gassi
[*] wissen.de – Wörterbuch „Gassi
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Gassi
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalGassi
[*] Hans Schemann: Deutsche Idiomatik. Wörterbuch der deutschen Redewendungen im Kontext. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-021788-9, Stichwort »Gassi: Gassi gehen«, Seite 225 (Google Books).
[*] Simone Panteleit; [m]it einem Vorwort von Hellmuth Karasek: Warum? Darum! 300 neue spannende Alltagsfragen. Goldmann Verlag, München 2014, ISBN 978-3-641-14471-5 (E-Book; Google Books).
[*] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-05509-8, Stichwort »Gassi«, Seite 683.

Quellen:

  1. Wolfgang Johannes Bekh; eingeleitet von Franz Josef Strauss: Richtiges Bayerisch. Ein Handbuch der bayerischen Hochsprache. Eine Streitschrift gegen Sprachverderber. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Bruckmann, München 1983, ISBN 3-7654-1909-5, Seite 47 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe 1973).
  2. Gerhard Helbig (Herausgeber): Studien zu Deutsch als Fremdsprache. [Teil] Ⅳ: Positionen – Konzepte – Zielvorstellungen, G. Olms, Hildesheim/Zürich/New York 1997, ISBN 3-487-10474-1, Seite 196 (Zitiert nach Google Books).
  3. wissen.de – Wörterbuch „Gassi
  4. 4,0 4,1 Mara Andeck: Hundherum glücklich. Ein Freund. Ein Buch. Bastei Lübbe, Köln 2013, ISBN 978-3-8387-4517-6 (E-Book; zitiert nach Google Books).
  5. Jens Sparschuh: Der Zimmerspringbrunnen. Ein Heimatroman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02440-X, Seite 131.
  6. Regula Venske: Marthes Vision. Roman. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-8218-5783-1, Seite 27.
  7. Miserabel angepaßt. In: DER SPIEGEL. Nummer 8, 18. Februar 1991, ISSN 0038-7452, Seite 244 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 1. Januar 2020).
  8. Petra und Nellie. In: DIE ZEIT. Nummer 19, 5. Mai 1995, ISSN 0044-2070.
  9. dpa: Bissiges Urteil. In: Süddeutsche Zeitung. Nummer 136, 16. Juni 1995, ISSN 0174-4917, Seite 42.
  10. Im Namen der Pose. In: Süddeutsche Zeitung. Nummer 182, 9. August 1995, ISSN 0174-4917, Seite 15.
  11. [Titel nicht einsehbar]. In: Nürnberger Nachrichten. 23. Dezember 1995, Seite 18.
  12. Marco Carini: Auf den Hund gekommen. In: taz.die tageszeitung. Nummer 7780, 28. September 2005, ISSN 1434-4459, Seite 21 (taz Print-Archiv, abgerufen am 1. Januar 2020).
  13. D: Betrunkene führt Meerschweinchen Gassi. In: orf.at. 20. Dezember 2011 (URL, abgerufen am 24. Januar 2016).
  14. ira: Schlange büxt auf Gassi-Runde aus. In: Bild-Zeitung. 19. Dezember 2015 (URL, abgerufen am 24. Januar 2016).