Falafel

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Falafel (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f, n[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Falafel

die Falafeln

Genitiv der Falafel

der Falafeln

Dativ der Falafel

den Falafeln

Akkusativ die Falafel

die Falafeln

Singular

Plural

Nominativ das Falafel

die Falafels

Genitiv des Falafels

der Falafels

Dativ dem Falafel

den Falafels

Akkusativ das Falafel

die Falafels

[1] selbstgemachte Falafel mit glatter Petersilie als Dekoration; Aufnahme vom 12. Juli 2009

Worttrennung:

Fa·la·fel, Plural: Fa·la·feln
Fa·la·fel, Plural: Fa·la·fels

Aussprache:

IPA: [faˈlafl̩], [faˈlaːfl̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Falafel (Info), —
Reime: -afl̩, -aːfl̩

Bedeutungen:

[1] Gastronomie (arabische, jüdische Küche): Gericht aus pürierten Puffbohnen (Vicia faba) – nach ägyptischer Tradition – oder Kichererbsen (Cicer arietinum) – nach levantinischer Tradition – beziehungsweise einer Kombination aus beiden, die mit diversen Kräutern, Knoblauch und anderen Zutaten gemischt und als Bällchen (Kroketten) in siedendem Öl frittiert und traditionell im Pitabrot mit Joghurtsoße, Hummus und Salat oder zusammen mit anderen Mezze serviert werden

Herkunft:

Die Bezeichnung »Falafel« ist mit größter Wahrscheinlichkeit von arabischem فَلَافِل‎ (DMGfalāfil) →ar entlehnt, dem Plural von فِلْفِل٬ فُلْفُل‎ (DMGfilfil, fulful) →arPfeffer[1][2], das selbst, vielleicht über persisches پلپل‎ (DMGpelpel) → faPfeffer[3], auf mittel- und altindisches पिप्पली (pippalī) → sa[4][5]langer Pfeffer[5] (Piper longum[4])‘ zurückgeht.[6]
Der Name فَلَافِل‎ (DMGfalāfil) →ar[7] für die Kroketten – ursprünglich ein ägyptisches Gericht namens »طَعْمِيَّة‎ (DMGṭaʿmiyya) →ar[7][8]«, das koptischen Ursprungs ist, da die Kopten zu bestimmten Feiertagen und besonders zur Fastenzeit, keine Fleischgerichte essen – entstand wohl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im libanesisch-palästinensischen Raum.[9] Dort wurde das Gericht unter Namen wie أُمّ الفَلافِل‎ (DMGumm al-falāfil) →arMutter der Pfeffer‘ bekannt, offenbar weil die Kroketten stets Pfeffer, oft auch (grüne) Peperoni enthalten, welche auf Arabisch ebenfalls فِلْفِل٬ فُلْفُل‎ (DMGfilfil, fulful) →ar genannt werden.[9] In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelten sich die فَلَافِل‎ (DMGfalāfil) →ar in Libanon und Palästina zum urbanen Fast Food in der handlichen Fladenbrottasche und fanden in dieser Form auch bei den Juden Israels großen Zuspruch[10]; inzwischen ist die auf Hebräisch genannte פָלָאפֶל‎ (CHA: fālāfæl) → he[11] sogar zu einem israelischen Nationalgericht geworden[12].
In Deutschland scheint sich die »Falafel« mit طَحِينَة‎ (DMGṭaḥīna) →ar[13][14]aus Sesamöl hergestellte dicke Tunke[13] seit einigen Jahren als vegetarische Alternative zum türkischen Döner Kebap allmählich durchzusetzen.[12]

Oberbegriffe:

[1] Gemüsegericht, Speise

Beispiele:

[1] „Nach dem Genuss des Falafels bleibt im Magen sogar noch Platz für ein kühles Dessert.“[15]
[1] „Trotzdem ist er, wie Ejal, wieder nach Tel Aviv zurückgekommen, weil er sich nach der israelischen Wärme, den Falafeln und seinen Freunden gesehnt hat.“[16]
[1] „Mandel- und Kokoskekse, Pizzen und Zwiebelkuchen sowie Torten und Brötchen entstehen in dem lichtdurchfluteten Haus mit der großen Terrasse. Aber auch orientalische Falafels und vegetarische Burger.“[17]
[1] „Zum Mittagessen lädt er mich auf Falafel und Hommus ein.“[18]
[1] „Leila Aras knetet den Kichererbsenteig für ihre Falafel. Heute ist ein Festtag, weil ihr Schwager aus der Türkei über die Grenze gekommen ist. Die Familie hat sich jahrelang nicht gesehen. Leila will deshalb auftischen, was die Vorräte hergeben: Oliven, grüne Peperoni, Ayran – ein zu einem cremigen Schaum gerührtes Erfrischungsgetränk aus Joghurt – und knusprig gebackene Falafel.[19]
[1] „Wer sich als Goi nicht ins Lokal traut, bekommt auch eine Falafel auf die Hand oder geht zu Grodzinski, der litauisch-jüdischen Bäckerei seit 1888.“[20]
[1] „Grund hierfür ist, dass die Falafel von israelischer Seite als eigenes nationales Gericht vermarktet wird, Plästinenserinnen und Palästinenser die Falafel aber als ihr rechtmäßiges kulturelles Erbe betrachten. Neben dem Hummus ist die Falafel damt zum alltagskulturellen Symbol des israelisch-palästinensischen Konflikts geworden, der sich zu einem israelisch-arabischen Konflikt ausgeweitet hat.
Schon vor der Gründung Israels nahmen die nach Palästina strömenden jüdischen Siedlerinnen und Siedler die bis dahin orientalisch konnotierte Falafel in ihren Speiseplan auf, die sich dann in den wirtschaftlich schwierigen Gründungsjahren in Israel als billige kulinarische Speise zunehmender Beliebtheit erfreute. Auf der Suche nach einer gemeinsamen nationalen Identität für die aus unterschiedlichen Regionen stammenden jüdischen Migrantinnen und Migranten wurde die Falafel – ähnlich wie die Jaffa-Orange vorher – in den fünfziger Jahren vom Staat als Nationalsymbol für das neue Israel auserkoren. Falafel gab es fortan nicht nur als Imbiss auf der Straße zu kaufen, sondern sie wurde auf repräsentativen Empfängen des Staates Israel serviert, sie wurde im Kindergarten auf den Speiseplan gestellt ([…]) sowie international als israelisches Gericht propagiert.“[21]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Falafel
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalFalafel
[1] Duden online „Falafel
[1] Barbara Lutterbeck, Jürgen Christ: Orient. Küche und Kultur. 1. Auflage. Gräfe und Unze, München 2002, ISBN 3-7742-2790-X, Stichwort »Falafel«, Seite 38–39 (Google Books).
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 547.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 445.
[1] Miriam Stock: Der Geschmack der Gentrifizierung. Arabische Imbisse in Berlin. transcript verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2521-9, passim (besonders Kapitel 3, 6, 7, 9) (Google Books).

Quellen:

  1. Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »فلفل‎«, Seite 980.
  2. Dr. Rohi Baalbaki: Al-Mawrid. A Modern Arabic–English Dictionary. 7. Auflage. DAR EL-ILM LILMALAYIN, Beirut 1995, Stichwort »فُلْفُل٬ فِلْفِل‎«, Seite 834.
  3. Heinrich F. J. Junker, Bozorg Alavi: Persisch–Deutsch Wörterbuch. 9., unveränderte Auflage. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-447-04561-2, Stichwort »پلپل‎«, Seite 135.
  4. 4,0 4,1 Gérard Huet: The Sanskrit Heritage Dictionary „pippalī“.
  5. 5,0 5,1 Otto Böhtlingk, Rudolph Roth: Sanskrit-Wörterbuch. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1855 (Großes Petersburger Wörterbuch): पिप्पली, Band 4, Spalte 727.
  6. Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837, Seite 72.
  7. 7,0 7,1 Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »فلافل‎«, Seite 980.
  8. 8,0 8,1 8,2 El-Said Badawi, Martin Hinds: A Dictionary of Egyptian Arabic. Arabic-English. Librairie du Liban, Beirut 1986, Stichwort »فلافل‎«, Seite 670.
  9. 9,0 9,1 Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837, Seite 73.
  10. Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837, Seite 73–74.
  11. Hebrew-English Dictionary „פָלָאפֶל
  12. 12,0 12,1 Andreas Unger, unter Mitwirkung von Andreas Christian Islebe: Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010609-9, DNB 979253837, Seite 74.
  13. 13,0 13,1 Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »طحينة‎«, Seite 767–768.
  14. Dr. Rohi Baalbaki: Al-Mawrid. A Modern Arabic–English Dictionary. 7. Auflage. DAR EL-ILM LILMALAYIN, Beirut 1995, Stichwort »طَحِينَة‎«, Seite 723.
  15. Grüne Hamburger im Test. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 35, 30. August 1997, Seite 17.
  16. Der lange Strand der Sympathie. In: Süddeutsche Zeitung. 21. November 2001, ISSN 0174-4917, Seite 12.
  17. Bäckerin aus Alemanha im „Juwel des Lichts“. In: Braunschweiger Zeitung. 15. April 2006.
  18. Angie R.: Wie steht’s mit den Konflikten? In: zenith – Zeitschrift für den Orient. Onlineausgabe. 25. Juli 2012, ISSN 1439-9660 (URL, abgerufen am 27. Juni 2015).
  19. Cederic Rehman: Syrien: Flüchtlinge in der Falle. In: WOZ Online. Nummer 42/2012, 18. Oktober 2012 (URL, abgerufen am 27. Juni 2015).
  20. Jo Berlien: London mal auf die koschere Weise entdecken. In: Welt Online. 3. Februar 2013, ISSN 0173-8437 (URL, abgerufen am 1. März 2013).
  21. Miriam Stock: Der Geschmack der Gentrifizierung. Arabische Imbisse in Berlin. transcript verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2521-9, Seite 225 (Zitiert nach Google Books).