Diskussion:geemailt

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Stoff zum Staunen[Bearbeiten]

In Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben gehört nach § 40(1) ein Bindestrich, zum Beispiel E-Gitarre. Im Wörterverzeichnis des Rechtschreibrats ist E-Mail mit Verweis auf (unter anderem) diese Regel gelistet, Email dagegen nur im Sinne von Emaille, obwohl es sich bei dem ersten Wort um eine Entlehnung aus dem Englischen handelt und im Englischen auch email geschrieben wird; Donald Knuth hat sich gegen die Bindestrichschreibung im Englischen ausgesprochen.

Im Regelwerk werden als Beispiele auch Verben mit Bindestrich gelistet: be-greifen zu § 45(1) (Hervorhebung einzelner Bestandteile) und re-integrieren zu § 45(3) (Vermeidung von Missverständnissen). Während Wörterbücher bei Dreifachkonsonanten in der Regel eine Bindestrichvariante verzeichnen (zum Beispiel Schifffahrt und Schiff-Fahrt), ist dies jedoch nicht bei Verben der Fall. Sowohl canoonet als auch Duden verzeichnen stilllegen und Stilllegung, aber nicht still-legen, Duden kennt immerhin Still-Legung, canoonet nicht, da bleibt die Bindestrichlosigkeit also auch bei Wortbildungen erhalten (still-legend fehlt bei canoonet ebenso).

Mit e-mailen finden wir in Wörterbüchern endlich ein Verb mit Bindestrich, doch daneben auch emailen, obwohl E-Mail ohne Bindestrich fehlt – vielleicht weil Bindestriche bei Verben so verhasst sind, vielleicht liegt es einfach daran, dass das Wörterverzeichnis dieses Verb überhaupt nicht kennt, sodass hier die Freiheit genommen wurde, nach englisch to email zu schreiben (wobei es email auch als Nomen gibt), vielleicht aber deswegen, weil der Bindestrich beim Partizip Perfekt als problematisch angesehen wird: Im Internet findet sich gee-mailt, womit das Wort aber in *gee und mailt zerlegt wird. Nach § 44(1) wird zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, in denen eine Wortgruppe oder eine Zusammensetzung mit Bindestrich auftritt, ein Bindestrich gesetzt, von Ableitungen ist da eigentlich nicht die Rede, aber damit sollte es sich analog verhalten. Wenn von einem Zirkumfix ge-…-t ausgegangen wird, müsste es ge-E-Mail-t heißen, was selbst im Vergleich zu Groß-Schiff-Fahrts-Weg zu viel des Guten ist, weil das t keine Sprechsilbe darstellt. Manche schreiben ge-e-mailt (im Niederländischen heißt es denn auch tatsächlich ge-e-maild → nl, aber auch e-mailadres → nl etc.), als würde die Form e-mailt noch ein ge- erhalten – sprachhistorisch eigentlich nicht abwegig, das Präfix ge- diente ursprünglich der Perfektivierung von Verben (vgl. frieren und gefrieren), -t bleibt dann einfach als Flexionsendung, für die kein zusätzlicher Bindestrich nötig ist, e-mailen statt E-Mail-en oder S-Kurven-reiche statt S-Kurven-reich-e ist ja auch in Ordnung. canoonet verzeichnet nur geemailt, auch Duden online hat geemailt und lediglich in der Konjugationstabelle gee-mailt (die Automatik wahrscheinlich). Dagegen hat das DWDS-Wörterbuch ge-e-mailt, während emailen als ungültige Schreibung vermerkt ist.

Dr. Bopp schrieb mir: „Wir gehen von der Annahme aus, dass die Schreibung ‚Email‘ für das Englische ‚e-mail/email‘ gem. amtl. Wörterliste nicht in Frage kommt, weil sie mit dem Schmelzüberzug ‚Email‘ verwechselt werden könnte. Beim Verb (engl. ‚e-mail/email‘) schlagen wir […] beide Schreibungen vor. Das Partizp ‚ge-e-mailt‘ muss dann bestehen, wenn es nur ‚e-mailen‘ geben darf. Sonst nimmt man besser nur ‚geemailt‘, weil ‚ge-e-mailt‘ eine sehr spezielle, einmalig vorkommende Schreibweise für ein Partizip ist. Auch hier gilt die allgemeine Aussage, dass es mehr als eine Interpretationsmöglichkeit gibt […].“

Das Verb e-biken kommt noch vor, Lexico kennt das englische Wort e-bike nur mit Bindestrich, wir landen also wohl oder übel bei ge-e-bik(e)t.

  • Braucht es hier wirklich zwei Abschnitte? In geemailt wird der Stamm so geschrieben wie in emailen und im Eintrag Kalziums wird ja auch nicht auf Calcium verwiesen (sondern auf Kalzium).

Duden: „Werden Teile eines zusammengesetzten Substantivs eingeklammert, kann auch ein Ergänzungsstrich gesetzt werden.“ Ich würde hier nicht unbedingt von einem Ergänzungsstrich sprechen, bei (Wieder-)Eintritt werden ja zwei Varianten angeboten, nämlich Eintritt und Wieder-Eintritt, und bei Wieder-Eintritt liegt ein gewöhnlicher Bindestrich vor. Eine andere Möglichkeit ist die Schreibweise (Wieder)eintritt, wobei hier aber ohne die Klammer eintritt in Kleinschreibung herauskommt, das spricht für die Variante mit Bindestrich. Bei (pseudo-)wissenschaftlich besteht der Anlass nicht, denn wissenschaftlich und pseudowissenschaftlich sind beide in Ordnung, allerdings macht Duden an anderer Stelle folgende Unterscheidung: „Gelegentlich möchte man bei einem zusammengesetzten Wort dem Adressaten zwei Lesarten anbieten: Der Leser soll dem Text sowohl dann einen Sinn abgewinnen können, wenn er die gesamte Zusammensetzung liest, als auch dann, wenn er nur einen Teil davon liest. Dazu verwendet man runde Klammern und setzt innerhalb der Klammern einen Bindestrich[.] […] Will man aber nur kenntlich machen, dass ein Wort-, Satz- oder Textteil auch ausgelassen werden kann, verwendet man eckige Klammern. Bei weglassbaren Wortteilen setzt man in die Klammern keinen Bindestrich[.]“ (Hoch-)Schulfreund wäre problematisch, denn ohne die Klammern kommt Hoch-Schulfreund heraus, gemeint ist aber Hochschul-Freund. Es bleiben als Möglichkeiten (Hoch-)Schul-Freund, was aber recht bindestrichlastig ist, und (Hoch)schulfreund, wobei hier außerhalb Klammer schulfreund in Kleinschreibung steht. Na ja.

„Vielleicht steht das KWpart Obus < Oberleitungsomnibus95 deswegen ohne Bindestrich, da bei Vokalen Lautwert und Buchstabenname zusammenfallen und so keine Aussprachegrenze markiert werden muß.“ (Dorothea Kobler-Trill: Das Kurzwort im Deutschen: Eine Untersuchung zu Definition, Typologie und Entwicklung)

Nach § 40 wird aber in Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben und Abkürzungen ein Bindestrich gesetzt. Vokalbuchstaben sind hierbei nicht ausgenommen, zum Beispiel wird auch A-Dur und U-Bahn geschrieben. Ich würde Obus entsprechend nicht als Zusammensetzung aus einer Abkürzung ansehen. (Übrigens zerlegt canoonet etwa E-Gitarre in den Buchstaben e, aber nicht E-Business, vielleicht wegen der englischen Aussprache. Andererseits wird D-Day in d und T-Shirt in t zerlegt.) Aber warum gerade Obus? Drei Erklärungen habe ich gefunden:

  • FAQL: „[…] womöglich weil O anderenfalls für Oberleitungsomni stünde. Dies ist eingestandenermaßen eine schwache Rechtfertigung, und der tatsächliche Gebrauch neigt sich in Richtung O-Bus, was wohl (systematisch) als Oberleitungsbus interpretiert wird.“
  • Flexionstabelle: „Das zunächst gebildete Kurzwort lautete […] Obbus. Es wurde erst später um einen Buchstaben gekürzt.“
  • Ich ergänze eine dritte Beobachtung: Obus wird wie Oberleitungs(omni)bus mit hauptbetontem [] gesprochen. Man denke sich das [bɐlaɪ̯tʊŋs(ˌʔɔmni)] weg, voilà, Obus! U-Bahn wird im Gegensatz zu Untergrundbahn mit [] statt [ʊ] gesprochen, E-Gitarre wird im Gegensatz zu Elektrogitarre auf der ersten Silbe betont und englisch e-mail ist gar nicht erst in ein zusammengeschriebenes Wort auflösbar – das e steht für electronic (electronic mail, nicht electronicmail).

Hier ist ein ähnliches Problem wie bei ge-E-Mail-t:

Es heißt nicht zweiletzte, dreiletzte, vierletzte usw., sondern zweitletzte, drittletzte, viertletzte usw., die Schreibweise -t-letzte wirkt jedoch befremdlich, da das -t in derselben Silbe gesprochen wird wie das (mit -t wie in „Das Spiel wird zu -t (mit Personen) gespielt“ hätten wir ein Wort, welches ohne Vokalbuchstaben geschrieben wird, obwohl es keine Abkürzung, kein Eigenname und auch keine Interjektion ist, obendrein mit Bindestrich). Den Punkt zur Kennzeichnung als Ordinalzahl kennt das amtliche Rechtschreibregelwerk nur bei Ziffernschreibung. Ausweichlösung:

-- IvanP (Diskussion) 14:52, 17. Jan. 2020 (MEZ)

Ich sage ohnehin e-gemailt, Staub gesaugt, frühgestückt etc. Schreiben tue ich „ich habe eine Email verschickt“. M. E. braucht es nicht zwei Abschnitte. --Peter 10:04, 28. Dez. 2016 (MEZ)
Das Englische kennt wohl gar keine, Mr. Knuth hin und her, Bindestrich-Schreibung. Im Deutschen ist es mbMn ein wesentliches Mittel Gelegenheitsbindungen, wie eben „Bindestrich-Schreibung“, kenntlich zu machen. Bei „ge-e-mailt“ sage ich nur: wie klingt das denn? „Gemailt“ - und fertig. Schöne Grüße --Acf Diskussion Acf :-) Ж # Ruhe, Abstand, Stressfreiheit? 10:54, 16. Jun. 2017 (MESZ)
Im Englischen gibt es die Schreibung mit Bindestrich, oft wird stattdessen aber email verwendet, das Wort ist ja wohletabliert. In vielen deutschsprachigen Texten wird übrigens Inode geschrieben, analog zu E-Mail wäre aber I-Node. Auf Englisch heißt es inode/i-node, wobei das i möglicherweise für index steht („The "i-" notation was used in the 1st edition manual; its hyphen became gradually dropped“). -- IvanP (Diskussion) 19:35, 12. Okt. 2018 (MESZ)