𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽

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𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽 (Gotisch)[Bearbeiten]

Verb[Bearbeiten]

Zeitform Person Wortform
Präsens 𐌹𐌺 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰
𐌸𐌿 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌹𐍃
𐌹𐍃, 𐍃𐌹, 𐌹𐍄𐌰 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌹𐌸
Präteritum 𐌹𐌺 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐍂
𐌴𐌹𐍃, 𐌹𐌾𐍉𐍃, 𐌹𐌾𐌰 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌴𐍂𐌿𐌽
Partizip Perfekt 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌿𐍂𐌰𐌽𐍃
Alle weiteren Formen: Flexion:𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽

Worttrennung:

𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽

Umschrift:

distairan

Aussprache:

IPA: []
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] transitiv: zerreißen

Herkunft:

Ableitung zu dem nicht belegten Verb *𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽 (tairan) mit dem Präfix 𐌳𐌹𐍃- (dis-) → got; das zugrunde liegende Simplex ist ein Erbwort aus dem urgermanischen *teran- ‚zerren, reißen‘, das mit dem Verb *turnan (gotisch 𐌲𐌰𐍄𐌰𐍂𐌽𐌾𐌰𐌽 (gatarnjan) → got) verwandt ist und das sich auf das indogermanische *der(H)-e- zurückführen lässt; etymologisch verwandt mit altenglisch teran → ang (neuenglisch tear → en) und althochdeutsch zeran → goh (mittelhochdeutsch zerzeren → gmh) sowie urverwandt mit altgriechisch δέρω (derō) → grc, armenisch ? (teṙem) → hy, albanisch djerr → sq, altkirchenslawisch дьрати (dьrati) → cu und litauisch derti → lt[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] gatairan

Beispiele:

[1] 𐌾𐌰𐌷 𐌰𐌹𐌽𐍃𐌷𐌿𐌽 𐌽𐌹 𐌲𐌹𐌿𐍄𐌹𐌳 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌽𐌹𐌿𐌾𐌰𐍄𐌰 𐌹𐌽 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌹𐌽𐍃 𐍆𐌰𐌹𐍂𐌽𐌾𐌰𐌽𐍃, 𐌰𐌹𐌸𐌸𐌰𐌿 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌹𐌳 𐌸𐌰𐍄𐌰 𐌽𐌹𐌿𐌾𐍉 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌸𐌰𐌽𐍃 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌹𐌽𐍃 𐌾𐌰𐌷 𐍃𐌹𐌻𐌱𐍉 𐌿𐍃𐌲𐌿𐍄𐌽𐌹𐌸, 𐌾𐌰𐌷 𐌸𐌰𐌹 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌴𐌹𐍃 𐍆𐍂𐌰𐌵𐌹𐍃𐍄𐌽𐌰𐌽𐌳;
„jah ainshun ni giutid wein niujata in balgins fairnjans, aiþþau distairid þata niujo wein þans balgins jah silbo usgutniþ, jah þai balgeis fraqistnand;“ (Lk. 5, 37)[2]
„Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst würde ja der junge Wein die Schläuche zerreißen; er läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. “[3]
[1] 𐌽𐌹 𐌼𐌰𐌽𐌽𐌰 𐌲𐌹𐌿𐍄𐌹𐍇 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌾𐌿𐌲𐌲𐌰𐍄𐌰 𐌹𐌽 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌹𐌽𐍃 𐍆𐌰𐌹𐍂𐌽𐌾𐌰𐌽𐍃; 𐌹𐌱𐌰𐌹 𐌰𐌿𐍆𐍄𐍉 𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌹 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌸𐌰𐍄𐌰 𐌽𐌹𐌿𐌾𐍉 𐌸𐌰𐌽𐍃 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌹𐌽𐍃, 𐌾𐌰𐌷 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌿𐍃𐌲𐌿𐍄𐌽𐌹𐌸, 𐌾𐌰𐌷 𐌸𐌰𐌹 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌴𐌹𐍃 𐍆𐍂𐌰𐌵𐌹𐍃𐍄𐌽𐌰𐌽𐌳; 𐌰𐌺 𐍅𐌴𐌹𐌽 𐌾𐌿𐌲𐌲𐌰𐍄𐌰 𐌹𐌽 𐌱𐌰𐌻𐌲𐌹𐌽𐍃 𐌽𐌹𐌿𐌾𐌰𐌽𐍃 𐌲𐌹𐌿𐍄𐌰𐌽𐌳.
„ni manna giutiþ wein juggata in balgins fairnjans; ibai aufto distairai wein þata niujo þans balgins, jah wein usgutniþ, jah þai balgeis fraqistnand; ak wein juggata in balgins niujans giutand.“ (Mk. 2, 22)[4]
„Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Junger Wein gehört in neue Schläuche. “[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wilhelm Streitberg: Gotisch-Griechisch-Deutsches Wörterbuch, Heidelberg 1910, „𐌳𐌹𐍃𐍄𐌰𐌹𐍂𐌰𐌽“, Seite 137.

Quellen:

  1. Guus Kroonen: Etymological Dictionary of Proto-Germanic. 1. Auflage. Brill, Leiden, Boston 2013, ISBN 978-90-04-18340-7 (Band 11 der Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series), „*teran-“ Seite 513.
  2. Wilhelm Streitberg (Herausgeber): Die gotische Bibel. Der gotische Text und seine griechische Vorlage mit Einleitung, Lesarten und Quellennachweisen sowie den kleinern Denkmälern als Anhang. Zweite verbesserte Auflage. Erster Teil, Heidelberg 1919 (Archive.org) Lukas 5,37, Seite 109.
  3. Bibel: Lukasevangelium Kapitel 5, Vers 37 in der Einheitsübersetzung
  4. Wilhelm Streitberg (Herausgeber): Die gotische Bibel. Der gotische Text und seine griechische Vorlage mit Einleitung, Lesarten und Quellennachweisen sowie den kleinern Denkmälern als Anhang. Zweite verbesserte Auflage. Erster Teil, Heidelberg 1919 (Archive.org) Markus 2,22, Seite 171.
  5. Bibel: Markusevangelium Kapitel 2, Vers 22 in der Einheitsübersetzung