mauscheln

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[Bearbeiten] mauscheln (Deutsch)

[Bearbeiten] Verb, regelmäßig

  Person Wortform
Präsens ich mauschele
mauschle
du mauschelst
er, sie, es mauschelt
Präteritum ich mauschelte
Partizip II   gemauschelt
Konjunktiv II ich mauschelte
Imperativ Singular mauschle!
Plural mauschelt!
Hilfsverb   haben
Alle weiteren Formen: mauscheln (Konjugation)

Silbentrennung:

mau·scheln, Präteritum: mau·schel·te, Partizip II: ge·mau·schelt

Aussprache:

IPA: [ˈmaʊ̯ʃl̩n], Präteritum: [ˈmaʊ̯ʃl̩tə], Partizip II: [ɡəˈmaʊ̯ʃl̩t]
Hörbeispiele: —, Präteritum: —, Partizip II:

Bedeutungen:

[1] intransitiv; umgangssprachlich:
[a] abwertend: unter der Hand und auf undurchsichtige Art, in Abwägung der Interessen Vorteile vereinbaren; begünstigende Vereinbarungen treffen; (zumeist durch gegenseitige Absprache der Beteiligten) dunkle, unlautere Geschäfte treiben
[b] beim Spiel, zumeist einem Kartenspiel, betrügen
[2] intransitiv:
[a] Jiddisch reden, sprechen
[b] sich undeutlich oder unverständlich ausdrücken
[3] intransitiv:
[a] das Kartenspiel »Mauscheln« spielen
[b] beim »Mauscheln« das Spiel annehmen und sich verpflichten, mindestens zwei Stiche zu machen

Herkunft:

Das Wort ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt.[1]
[1a] ursprünglich „wie ein jüdischer Händler Geschäfte machen“, zu »Mauschel«[2]
[1b] zu »Mauscheln«; wohl eigentlich „ein Glücksspiel spielen (und dabei betrügen)“[2]
[2a, 2b] Entlehnung aus gleichbedeutend rotwelsch mauscheln, wohl nach dem für Nichtjuden unverständlichen Jiddisch; jenes ist abgeleitet von Mausche, der jiddischen Form des biblischen Namens Mose, die als Übername der Handelsjuden gebraucht wurde; vergleiche »Mauschel«[3][1]
[2a] eigentlich „wie ein Mauschel reden[2]
[2b] nach dem für Fremde unverständlichen Jiddisch[2]

Sinnverwandte Wörter:

[1a] schachern
[1a] nord- und mitteldeutsch, abwertend: kungeln; österreichisch: packeln
[1a, 2a] veraltet: jüdeln
[1b] mogeln, schummeln
[2a, 2b] oberdeutsch: welschen
[2b] grummeln, murmeln, veraltet: muscheln, nuscheln, stammeln

Oberbegriffe:

[1a] aushandeln, paktieren
[1b] übervorteilen

Beispiele:

[*] „Interessant zu lesen ist unter anderem auch die Herkunft des Verbs mauscheln: So war «Mauschel» vom 17. Jahrhundert an der antijüdische Spottname für einen Juden (abgeleitet vom Namen Moische). Mauscheln bedeutete zuerst abfällig die undeutliche Art, wie ein «Mauschel» spricht, womit die jiddische Sprache gemeint war. Daraus entwickelte sich als zweite Bedeutung für mauscheln «wie ein Schacherjude handeln», also betrügen. Dieses unsaubere Geschäft «nach Judenart» nannte man dann Mauschelei. Somit ist das Wort mauscheln nicht – wie oftmals angenommen – jiddischer Herkunft, sondern eine Wortprägung der Antisemiten.“[4]
[1a] In der Politik wurde schon immer gemauschelt.
[1a] „Bis zum 25. September wird in und zwischen den Parteien noch heftigst gemauschelt.“[5]
[1a] „Grundsätzlich gibt es enorm viel zu mauscheln, zu lästern und zu dementieren beim Starkbieranstich 2004, der im neuen Paulaner-Festsaal endlich eine dauerhafte Heimat gefunden hat.“[6]
[1a] „‚In einem wachsenden Markt kann es vorkommen, dass manche mauscheln‘, sagte Kirsten Brodde, Buchautorin und Expertin für Grüne Mode der Nachrichtenagentur DAPD.“[7]
[1a] „‚[…] Statt konkrete Pläne auf den Tisch zu legen, mauschelt die Stadtverwaltung hinter verschlossenen Türen vor sich hin‘, klagt sie.“[8]
[1a] „Am Ende der fernsehöffentlichen Marathondebatte hatte Obama gezeigt, dass er nicht in Hinterzimmern mauschelt und dass er zu Zugeständnissen an die Opposition bereit ist.“[9]
[1b] „Dieter Iden, Vereinschef des SV Mühlenbeck, sagt im Film, dass in 80 Prozent aller Spiele ein bisschen gemauschelt werde.“[10]
[2a] „»Sehr deutlich« spürt Stapel jüdischen Tonfall in den Schriften von Karl Marx. Es ist mir noch nie aufgefallen, daß das Kommunistische Manifest gemauschelt wäre.“[11]
[2a] „So die Priester und Leviten Sadok und Amon mit klingenden Schellchen. So die Pharisäer Rabinth und Archelaus Rabbi. / Sie schreien und mauscheln, sie stoßen Trompetenstöße aus wie die Kraniche, wie die rosinfarbigen Flamingos, die die Großen und Kleinen Syrien bewohnen.“[12]
[2b] Was mauscheln die beiden, man kann ja gar nichts verstehen.
[2b] „Nämlich Bismarck – so behaupten diese Sprachheiligen der jüngsten Tage –, Bismarck – – – mauschelte.[…]Man glaube mir, daß ich hier weder erfinde, noch übertreibe: auf erschrockene Anfragen ist der Bescheid in diesem Sinne tatsächlich ergangen und zwar auf Grund der identischen Gleichung: »fremdwörteln« gleich »mauscheln«.[…]Das wird denn auch im Bescheide als eine Erfreulichkeit festgestellt: wer im Stande ist, ein Deutsches Reich zu gründen, wie Bismarck, oder einen Faust zu schreiben, wie Goethe, der darf auch das Recht beanspruchen, ein wenig zu fremdwörteln, zu mauscheln.“[13]
[3a] „Hier waren die Tischchen mit grünem Tuch ausgeschlagen. Größere und kleinere Gruppen von Herren, saßen daran und spielten. Da wurde »geblefft,« dort »getippt«, an einem dritten Ort »gemauschelt«; das Pokern fand, da es die Behörde als Glücksspiel ansah nur mit Vorsicht statt. Eigentliches Hazard wurde, öffentlich wenigstens, des Wirts wegen vermieden.“[14]
[3a] „An einem der nächsten Tage hockten wir im Heustadl auf einem Futterhaufen und spielten wieder Karten. Ich hatte solche Fortschritte gemacht, daß mir nicht bloß die Figuren, sondern auch schon sehr viele Spiele bekannt waren. So taten wir »zwicken«, »brandeln«, »mauscheln«, »bettlerstrafen«, »königrufen«, »grün' Buben suchen«, »pechmandeln«, »mariaschen« und anderes.[…]Die rötlich gebrannte Mauer, die schwarzen Kachelhöhlen um und über uns bargen und hüteten uns, und nun waren wir doch einmal sicher und konnten »farbeln« und »mauscheln« oder was wir wollten, bis in die späte Nacht hinein.“[15]
[3b] „Wer ‚mauschelt‘ übernimmt das Spiel und verpflichtet sich, zwei Stiche zu machen“[16]

Abgeleitete Begriffe:

[1] Gemauschel, Mauschelbete, Mauschelbruder, Mauscheldeutsch, Mauschelei, Mauscheln

[Bearbeiten] Übersetzungen

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1a, 1b, 3a, 3b] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1124
[1a–2b] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 858
[3b] Wikipedia-Artikel „Mauscheln
[1a, 1b] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „mauscheln
[1a] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „mauscheln
[*] canoo.net „mauscheln
[1a, 1b] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonmauscheln
[1a] The Free Dictionary „mauscheln

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Kluge24Wiktionary:Literaturliste, Seite 607
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1124
  3. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 858
  4.  »tachles«, Von «Mauscheln» und «Mischlingen», 10. Jahrgang, Ausgabe 08, 26.02.2010
  5. Online-Ausgabe des Der Tagesspiegel, Es darf gemauschelt werden, 13.09.2003
  6. Online-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung, SZenario: Nockherberg - Lästern, sticheln, dementieren, 11.03.2004
  7. Online-Ausgabe der Kreiszeitung, Skepsis bei Bio-Baumwolle, 22.01.2010
  8. Online-Ausgabe der Sächsische Zeitung, Mini-Feuermelder statt Trillerpfeifen, 06.02.2010
  9. Online-Ausgabe der tageszeitung, Obama kommt mit der Reform der Krankenversicherung nicht voran - Der geknickte Präsident, 27.02.2010
  10. Online-Ausgabe der Berliner Zeitung, Das Wunder von Mühlenbeck: 0:6 nach einem Spiel, das nie stattfand - ein liebenswerter Film erzählt die Geschichte einer Mogelei, 27.03.2006
  11. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Carl von Ossietzky: Antisemiten. Aus: Die Weltbühne, 19.07.1932. In: Sämtliche Schriften 1931–1933, Band 6
  12. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Joseph von Lauff: Die Heilige vom Niederrhein, 1933
  13. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Alexander Moszkowski: Das Geheimnis der Sprache, 1923
  14. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Rudolf Stratz: Unter den Linden, 1893
  15. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Peter Rosegger: Als ich noch der Waldbauernbub war, 1900
  16. Hugo Kastner, Gerald Kador Folkvord: Die große Humboldt Enzyklopädie der Kartenspiele, 1. Auflage, Humboldt Verlag, Baden-Baden 2005. Seite 66 ISBN 9783899940589

Ähnliche Wörter:

mäuseln, meucheln
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