kalfatern

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kalfatern (Deutsch)[Bearbeiten]

Verb[Bearbeiten]

Person Wortform
Präsens ich kalfatere
du kalfaterst
er, sie, es kalfatert
Präteritum ich kalfaterte
Konjunktiv II ich kalfaterte
Imperativ Singular kalfatere!
Plural kalfatert!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
kalfatert haben
Alle weiteren Formen: kalfatern (Konjugation)
[1] griechischer Fischer kalfatert sein Boot

Veraltete Schreibweisen:

calfatern

Nebenformen:

kalfaten

Worttrennung:

kal·fa·tern, Präteritum: kal·fa·ter·te, Partizip II: kal·fa·tert

Aussprache:

IPA: [ˌkalˈfaːtɐn], Präteritum: [ˌkalˈfaːtɐtə], Partizip II: [ˌkalˈfaːtɐt]
Hörbeispiele: —, Präteritum: —, Partizip II:

Bedeutungen:

[1] transitiv; seemannssprachlich: die Fugen (der hölzernen Schiffswände, des Schiffsdecks) mit Dichtungsmasse – zumeist geteertem Werg, Baumwolle, Gummi, Pech oder einem speziellen Kittabdichten

Herkunft:

Die Wortgeschichte ist nicht unumstritten, weshalb verschiedene, teils widersprüchliche Ansätze besonders hinsichtlich des Ausgangspunkts der Entlehnungen ins Romanische existieren:
Einigen Quellen zufolge liegt dem deutschen das gleichbedeutende arabische Verb قَلْفَطَ‎ (DMGqalfaṭa) →ar[1][2] zugrunde[3][4], das in den alten arabischen Wörterbüchern gut belegt ist und bis heute, im seemannssprachlichen Sinne, in der modernen arabischen Hochsprache sowie zudem im Ägyptisch-Arabischen noch in der Bedeutung ‚nachlässig arbeiten, pfuschen[1] fortlebt[5]. Das Wort gelangte wohl von den provenzalischen Häfen ins Galloromanische, in dem es altprovenzalisch calafatar → pro[[Kategorie:Übersetzungen (Symbol support vote.svg Pro)]] und französisch calfater → fr ergab, woraus wiederum die niederländischen und niederdeutschen Wortformen hervorgingen.[3] Zu Beginn[3] des 17. Jahrhunderts[3][6] — genauer gesagt ist es seit Christian Ludwigs »Teutsch-Englisches Lexicon« von 1716 (Stichwort »calefatern«, »calfatern« und »kalefatern«) belegt[5] — wurde das deutsche Verb dann aus den niederländischen Wortformen kalefateren → nl, kalefaten → nl, kalfateren → nl, kalfaten → nl und dem mittelniederdeutschen kalvāten → gmlSchiffsplanken abdichten‘ in die deutsche Literatursprache übernommen.[3]
Davon abgesehen vermutet Kluge, dass das arabische Wort selbst, welches ihm zufolge keine typisch arabische Form aufweist, offenbar dem byzantinisch-griechischen καλαφάτης (kalafátēs) → grcKalfaterer[7] zugrundeliegt.[6]
Auch wird von einigen der Ausgangspunkt im mittelgriechischen Verb καλαφατεῖν (kalaphateĩn) → grcein Schiff kalfatern und teeren‘ angenommen.[8][7] Lokotsch führt beispielsweise die arabische Variante قَلَّفَ‎ (DMGqallafa) →ar[9][10] auf das mittelgriechische Wort zurück[11], wohingegen Corominas das arabische قَلْفَطَ‎ (DMGqalfaṭa) →ar aus dem (nicht belegten aber rekonstruierten) vulgärlateinischen *calefarelateinisch calefacere → laerhitzen‘ (da man Teer erhitzt, um die Schiffe zu kalfatern) — zurückleitet und die mittelgriechische Wortsippe καλαφατέω (kalaphatéō) → grcκαλαφάτησις (kalaphátēsis) → grc (959) ‚Kalfatern‘, καλαφάτης (kalafátēs) → grcKalfaterer‘ (1057) — als Entlehnung aus arabisch قَلْفَطَ‎ (DMGqalfaṭa) →ar sieht.[7] Ferner behauptet der Duden, dass das mittelgriechische Verb [[|]] (kalphateĩn) → grc dem arabischen Substantiv قَفْر‎ (DMGqafr) →ar[12][13] entstammt, welches ihm zufolge die Bedeutung ‚Asphalt‘ gehabt haben soll[14][15] – wohl Bezug nehmend auf Lokotsch, bei dem es heißt: „ḳafr[…]Vollständig ḳafr al-jahūdJudenpech, Asphalt‘“[16]. Zwei Standardwerke führen dieses Wort nicht mehr: Wehr führt den Homographen قَفْر‎ (DMGqafr) →ar, dessen Bedeutung er mit ‚Wüste, Einöde, öde Gegend[12] angibt; auch bei Lane findet sich dieser Homograph bereits in der Bedeutung ‚place destitute of human beings; desert, but sometimes containing a little herbage; pasturage[13]. Lane führt jedoch كَفْر‎ (DMGkafr) →arTar, or pitch,[…]with which ships are smeared‘ an, dass ihm zufolge bei Abu-l-Ḥasan El-Akhfash (* 210, 215 oder 221) belegt ist[17]; allerdings findet sich im Supplement auch bei Lane die Wendung القَفْرُ اليَهُودِىُّ‎ (DMGal-qafru ʾl-jahūdiyyu) →ar, der er ebenfalls wie Lokotsch die Bedeutung ‚Jews-pitch, i.e. asphaltum‘ zumisst[18], sich selbst jedoch hierbei auf Silvestre de Sacy beruft, der in seiner 1810 unter dem Namen »RELATION DE L’EGYPTE« erschienenen Übersetzung einer kurzen Reisebeschreibung Ägyptens von ʿAbdu ʾl-Laṭīf al-Baġdādī erwähnt, dass „قفر ou كفر“ „l’asphalte ou bitume de Judée[19] bedeuten. Das lässt vermuten, dass قَفْر‎ (DMGqafr) →ar wohl eine alte Nebenform von كَفْر‎ (DMGkafr) →ar und nur in dieser Wendung belegt zu sein scheint.
Osman, Lokotsch und dem Duden zufolge gehört wohl auch »Klabautermann« ‚Schiffskobold‘ zur Wortgruppe von »kalfatern«[11][5][20], da dem Volksglauben gemäß der Kobold gegen die hölzernen Schiffswände klopft, um davor zu mahnen, diese auszubessern oder um den Untergang des Schiffes anzukündigen[5][20].

Synonyme:

[1] kalfaten

Sinnverwandte Wörter:

[1] abdichten, ausfugen, auskitten, dichten, fugen, kitten, teeren, verfugen, verkitten, verpichen, zustopfen

Oberbegriffe:

[1] dichten

Beispiele:

[1] Sie kalfaterten das Schiff mit Teer.
[1] „In der Plantage wurden Karussell und Scheibenstände hergerichtet, die Schiffersleute kalfaterten und strichen ihre Boote, jede kleine Wohnung erhielt neue Gardinen, die Zimmer, die feucht lagen, also den Schwamm unter der Diele hatten, wurden ausgeschwefelt und dann gelüftet.“[21]
[1] „Dann überqueren wir den Goldenen-Drachen-Fluß in einem Sampan-Taxi aus Bambus, das mit Harz und Maniokpaste kalfatert ist.“[22]
[1] „Die Besonderheit gegenüber den Rheinschiffen: Dieses war mit Leinwerk kalfatert, mit dem Abfall der Textilproduktion also.“[23]
[1] „Der Zimmermann kalfaterte den hölzernen Rumpf und setzte ihn überall, wo es nötig war, wieder instand.“[24]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] eine Barke / ein Boot / einen Kahn / ein Schiff kalfatern

Wortbildungen:

[1] Kalfater/Kalfaterer/Klafater, Kalfatereisen, Kalfaterung, Kalfathammer/Kalfaterhammer, Kalfaterwerg

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 918.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 679–680.
[1] Duden online „kalfatern
[1] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Seite 436.
[1] wissen.de – Wörterbuch „kalfatern
[1] wissen.de – Lexikon „kalfatern
[1] Wikipedia-Artikel „Kalfatern
[*] canoo.net „kalfatern
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonkalfatern
[1] The Free Dictionary „kalfatern
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch „kalfatern
[1] Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart „kalfātern
[1] Krünitz: Oeconomische Encyclopädie „kalfatern
[1] Herders Conversations-Lexikon „kalfatern“, Band 3, 1855, Seite 529.
[1] Pierer’s Universal-Lexikon „kalfatern“, Band 9, 1860, Seite 238.
[1] Rheinisches Wörterbuch „kalfatern
[1] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „kalfatern
[1] Meyers Großes Konversationslexikon „kalfatern“ (Wörterbuchnetz), „kalfatern“ (Zeno.org)
[1] Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon (51911) „kalfatern“, 5. Auflage, Band 1, 1911, Seite 919.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »قلفط‎«, Seite 1054.
  2. Götz Schregle, unter Mitwirkung von Fahmi Abu l-Fadl, Mahmoud Hegazi, Tawfik Borg, Kamal Radwan: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Arabisch - Deutsch. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1974, ISBN 3-447-01615-9, Stichwort »kalfatern«, Seite 636.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, Seite 610.
  4. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 679.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Nabil Osman (Herausgeber): Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. 1. Auflage. C.H. Beck, München 1982, ISBN 3-406-08835-X, DNB 820885282, Seite 61.
  6. 6,0 6,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 461–462.
  7. 7,0 7,1 7,2 Raja Tazi: Arabismen im Deutschen. Lexikalische Transferenzen vom Arabischen ins Deutsche. In: Stefan Sonderegger, Oskar Reichmann (Herausgeber): Studia Linguistica Germanica. 47. Band, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, ISBN 978-3-110-14739-1, DNB 953951359, Seite 290.
  8. Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Seite 436.
  9. Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »2قلف‎«, Seite 1053.
  10. Götz Schregle, unter Mitwirkung von Fahmi Abu l-Fadl, Mahmoud Hegazi, Tawfik Borg, Kamal Radwan: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Arabisch - Deutsch. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1974, ISBN 3-447-01615-9, Stichwort »abdichten« – dort: „[…](= kalfatern) قَلَّفَ‎“ , Seite 3 sowie Stichwort »kalfatern«, Seite 636.
  11. 11,0 11,1 Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen Wörter orientalischen Ursprungs. In: Hermann Wirt, Wilhelm Streitberg † (Herausgeber): Indogermanische Bibliothek. Erste Abteilung: Sammlung indogermanischer Lehr- und Handbücher. II. Reihe: Wörterbücher. 3. Band, Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1927, Stichwort »1022. Ar. ḳalafa«, Seite 82.
  12. 12,0 12,1 Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort قفر‎, Seite 1046.
  13. 13,0 13,1 Edward William Lane: Arabic-English Lexicon. In Eight Parts. Frederick Ungar Publishing Co., New York 1955–56, Stichwort قفر‎, Seite 2550. (Online abrufbar unter http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume7/V7.zip [236.2MB !]).
  14. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 918.
  15. Duden online „kalfatern
  16. Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen Wörter orientalischen Ursprungs. In: Hermann Wirt, Wilhelm Streitberg † (Herausgeber): Indogermanische Bibliothek. Erste Abteilung: Sammlung indogermanischer Lehr- und Handbücher. II. Reihe: Wörterbücher. 3. Band, Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1927, Stichwort »999. Ar. ḳafr«, Seite 80.
  17. Edward William Lane: Arabic-English Lexicon. In Eight Parts. Frederick Ungar Publishing Co., New York 1955–56, Seite 2621. (Online abrufbar unter http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume7/V7.zip [236.2MB !]).
  18. Edward William Lane: Arabic-English Lexicon. In Eight Parts. Frederick Ungar Publishing Co., New York 1955–56, Stichwort قفر‎, Seite 2991. (Online abrufbar unter http://www.studyquran.org/LaneLexicon/Volume8/V8.zip [246.7MB !]).
  19. Silvestre de Sacy: RELATION DE L’EGYPTE, PAR ABD-ALLATIF, MÉDECIN ARABE DE BAGDAD. Treuttel et Würtz, Paris/Strasbourg 1810, Seite 273. Zitiert nach Google Books.
  20. 20,0 20,1 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04074-2, Stichwort »kalfatern«, Seite 380 sowie Stichwort »Klabautermann«, Seite 407–408.
  21. Theodor Fontane: Effi Briest. 1895. Zitiert nach Gutenberg.
  22. Olivier Todd: GEDULDIG WIE BEI DIEN BIEN PHU. Die Nordvietnamesen unter den amerikanischen Bomben. In: DER SPIEGEL, Heft 46, 06.11.1967, ISSN 0038-7452, Seite 180. Online-Ausgabe abgerufen am 22. Juni 2011 (PDF).
  23. Conny Neumann: Schöner als vom Ötzi. In: SPIEGEL Special, Heft 3, 09.05.2006, Seite 120. Online-Ausgabe abgerufen am 22. Juni 2011 (PDF).
  24. Robert Harms: Das Sklavenschiff. Eine Reise in die Welt des Sklavenhandels. C. Bertelsmann Verlag, ohne Ort 2004, ISBN 3-570-00277-2, Seite 458.

Ähnliche Wörter:

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