entbehren

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2. Wort der Woche.

[Bearbeiten] entbehren (Deutsch)

[Bearbeiten] Verb, transitiv, intransitiv, regelmäßig oder unregelmäßig

Zeitform Person Wortform
Präsens ich entbehre [ɛntˈbeːʀə]
du entbehrst [ɛntˈbeːɐ̯st],
entbiehrst [ɛntˈbiːɐ̯st]
er, sie, es entbehrt,
entbiehrt [ɛntˈbiːɐ̯t]
Präteritum ich entbehrte,
entbahr
Partizip II   entbehrt,
entbohren
Konjunktiv II ich entbehrte,
entbähre [ɛntˈbɛːʀə]
Imperativ Singular entbehre!
entbiehr! [ɛntˈbiːɐ̯]
entbiehre! [ɛntˈbiːʀə]
Plural entbehrt!
Hilfsverb   haben
Alle weiteren Formen: entbehren (Konjugation)

Anmerkung:

Die unregelmäßigen Formen sind veraltend und werden häufig nur noch schriftsprachlich gebraucht oder im gehobenen Sprachstil verwandt.

Silbentrennung:

ent·beh·ren, Präteritum: ent·behr·te, ent·bahr, Partizip II: ent·behrt, (antiquiert, poetisch) ent·boh·ren

Aussprache:

IPA: [ɛntˈbeːʀən], [ɛntˈbeːʀn̩], [ɛntˈbeːɐ̯n̩], Präteritum: [ɛntˈbeːɐ̯tə], [ɛntˈbaːɐ̯], Partizip II: [ɛntˈbeːɐ̯t], (antiquiert, poetisch) [ɛntˈboːʀən], [ɛntˈboːʀn̩], [ɛntˈboːɐ̯n̩]
Hörbeispiele: entbehren (Österr.), Präteritum: —, Partizip II:

Bedeutungen:

[1] transitiv
[a] gehoben: das Nichtvorhandensein einer Person beziehungsweise einer Sache als persönlichen Mangel empfindend erdulden müssen
[b] nicht länger auf jemanden beziehungsweise etwas bestehen; ohne jemand beziehungsweise etwas Bestimmtes zurechtkommen
[2] intransitiv; gehoben; mit Genitiv: etwas für notwendig, vorteilhaft, passend, angenehm Erachtetes als fehlend, mangelnd empfinden; nicht besitzen

Herkunft:

bezeugt im Mittelhochdeutschen enbern, welches dem Althochdeutschen inberan „nicht (an, bei, mit sich) tragen, bringen“ entstammt und seinerseits die verneinte Verbform von althochdeutsch beran „tragen, bringen“ darstellt (vergleiche englisch to bear → en, deutsch gebären; siehe auch niedersächsisch bören „heben“); das althochdeutsche Verb erfuhr im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel von „nicht tragen“ über „nicht haben“ zu „ermangeln“; die verbale Negation wandelte sich nachträglich zur Präfixform ent-; in nachmittelhochdeutscher Zeit wich die starke Flexion der schwachen; etymologisch verwandt mit niederländisch ontberen, schwedisch umbära, undvara, dänisch undvære, norwegisch unnvære[1][2]

Synonyme:

[1a] vermissen
[1b] missen

Gegenwörter:

[1] auskosten, prassen, in etwas schwelgen
[2] besitzen, haben

Oberbegriffe:

[1a] fehlen
[1b] entraten, verzichten
[2] ermangeln

Unterbegriffe:

[1a] (einen Verlust erleiden) einbüßen, (durch eigenes Zurückziehen, Fernhalten entbehrend) sich entziehen, (vorübergehend entbehrend) hapern, (etwas Essentielles verlieren) um etwas kommen, (Lebensnotwendiges entbehrend) schmachten, (unwillentlich aufgeben) verlieren, (schmachtend zugrunde gehen) verschmachten
[1b] (aus Not verzichten müssen) darben, (freiwillig auf etwas verzichten) entsagen; (sich nicht gönnen; sich nicht zur Verfügung stellen) sich versagen
[1b, 2] (sich lossagen; einer Sache ermangeln wollen) abschwören
[1, 2] (etwas, das als wichtig erachtet wird, nicht haben) mangeln

Beispiele:

[1a] „»Tannhäuser seid willkommen hier, / Hab euer lang entbohren, / Seid mir willkommen, lieber Herr, / Zum Buhler auserkoren.«“[3]
[1a] „Ich muss nichts mehr entbehren jetzt, / alle Farben sind übersetzt / in Geräusch und Geruch.“[4]
[1a] „Ich entbehre es sehr, mich über diese und tausend andere Fragen nicht mehr mit Ihnen, lieber Freund, aussprechen zu können.“[5]
[1b] „Käthe, die seit Wochen dieses Lebensbedürfnis entbehren mußte, und nur den Geruch von Seife, Spülich oder Faßbutter gewöhnt war, fühlte sich jetzt wie berauscht, gleich einer Gefangenen, die plötzlich die Freiheit wieder erlangt.“[6]
[1b] „Das Fräulein war inzwischen in eine Seitengasse eingebogen, aber K. konnte sie schon entbehren und überließ sich seinen Begleitern.“[7]
[1b] „Das ist so unendlich unfruchtbar, zu glauben, man könne die negative Tätigkeit des Niederreißens entbehren, wenn man aufbauen will.“[8]
[1b] (auch ohne Objekt) Sie müssen entbehren lernen.
[2] „Der Vergleich mit dem nationalsozialistischen Unrechtsregime jedoch ist eine unverschämte Beleidigung, entbehrt jeglicher Grundlage und verhöhnt die Opfer des Nationalsozialismus.“[9]
[2] „Dass Rap-Musik jetzt zum neuen Betätigungsfeld der Rechten werden soll, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Schließlich stammt die Musik ursprünglich aus den Ghettos der USA und war einst Sprachrohr gegen soziale Missstände und rassistische Unterdrückung von farbigen US-Amerikanern.“[10]

Redewendungen:

Charakteristische Wortkombinationen:

[1b] gern ~ , leicht ~ , ungern ~
[1, 2] ganz und gar ~ , kaum ~ , viel ~

Abgeleitete Begriffe:

[1] entbehrlich, Entbehrlichkeit, Entbehrung, entbehrungsreich, entbehrungsvoll

[Bearbeiten] Übersetzungen

Dialektausdrücke:

  • Westniederdeutsch:
  • Westmitteldeutsch:
  • Westoberdeutsch (Alemannisch):
  • Ostniederdeutsch:
  • Ostmitteldeutsch:
  • Ostoberdeutsch:

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „entbehren
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „entbehren
[1] canoo.net „entbehren
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonentbehren

Quellen:

  1. vergleiche Kluge24Wiktionary:Literaturliste, Seite 246
  2. vergleiche Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „entbehren
  3. GutenbergWiktionary:Literaturliste: Karl Simrock: Lieder der Minnesänger, Kapitel 132, 47. Volkslied vom Tannhäuser
  4. Wikisource; Rainer Maria Rilke: Die Blinde. In: Das Buch der Bilder, 2. Auflage, 2. Buch, Teil 2; Axel Junker Verlag, Berlin, Leipzig, Stuttgart 1906. S. 173
  5. Wikisource; Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten, 15. Auflage, Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903
  6. Wikisource; Gabriela Zapolska: Käthe. (Übersetzer unbekannt). In: Ausgewählte Romane, 6. Auflage, Oesterheld & Co., Berlin 1924. S. 213
  7. Wikisource; Franz Kafka: Der Process, 10. Kapitel, 1925. In: Max Brod (Hrsg.): Gesammelte Werke, Band 1, S. Fischer, Frankfurt 1950ff. S. 269
  8. Wikisource; Kurt Tucholsky: Wir Negativen. In: Siegfried Jacobsohn (Hrsg.): Die Weltbühne, Jahrgang 15, Nummer 12 vom 13. März 1919, I, S. 282
  9. Online-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung; 'Politik', Streit zwischen Mixa und Roth: "Durchgeknallt" gegen "faschistoid", 20.10.2007
  10. Online-Ausgabe der taz; 'Archiv', Rechts rappt sich in Szene, 10.01.2006

Ähnliche Wörter:

entehren, entleeren, (veraltet) entwehren
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