bieten

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bieten (Deutsch)[Bearbeiten]

Verb, unregelmäßig[Bearbeiten]

Person Wortform
Präsens ich biete
du bietest,
beutst
er, sie, es bietet,
beut
Präteritum ich bot
Konjunktiv II ich böte
Imperativ Singular biete!
beut!
Plural bietet!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
geboten haben
Alle weiteren Formen: bieten (Konjugation)
[10] Ein Mann bietet per Handzeichen bei einer Fischauktion.

Anmerkung zur Konjugation:

Die Formen du beutst und er/sie/es beut sind veraltet, werden aber in gehobener Sprache noch verwendet.[1] Auch in der Dichtung sollen sie vermehrt zu finden sein.[2]
Der Imperativ beut! wird im Wörterbuch der Gebrüder Grimm erwähnt.[3]

Worttrennung:

bie·ten, Präteritum: bot, Partizip II: ge·bo·ten

Aussprache:

IPA: [ˈbiːtn̩], [ˈbiːtən], Präteritum: [boːt], Partizip II: [ɡəˈboːtn̩], [ɡəˈboːtən]
Hörbeispiele: —
Reime: -iːtn̩

Bedeutungen:

[1] kundtun, dass man etwas zu leisten bereit ist; etwas zur Verfügung oder in Aussicht stellen, etwas zusichern
[2] gehoben: etwas reichen, hinhalten
[a] seinen Hals/Nacken (der Strafe) bieten: mit dem Leben für etwas einstehen
[b] Brust/Kopf/Stirn/Spitze/Trotz bieten: Widerstand leisten, trotzen
[3] etwas gewähren
[4] etwas darbieten
[5] etwas zum Vorschein kommen oder sichtbar werden lassen, zeigen
[6] jemandem etwas zumuten
[7] veraltet: jemanden grüßen (jemandem die Zeit/einen Gruß/einen guten Morgen... bieten)
[8] veraltet: etwas melden oder ankündigen, jemandem etwas sagen lassen
[9] veraltet: etwas befehlen oder gebieten, jemanden etwas heißen
[10] ein Angebot (bei einer Versteigerung) machen
[11] sich zeigen
[12] sich ergeben, sich eröffnen

Herkunft:

Das Verb bieten lässt sich auf das althochdeutsche biotan (anbieten, entgegenstrecken) zurückführen. Bereits im Mittelhochdeutschen ist die Form bieten (darreichen, gebieten) nachzuweisen. Wegen der entsprechenden Formen biodan (bieten) im Altsächsischen, bēodan → ang (ankündigen, gebieten, zeigen) im Altenglischen, bid → en (ankündigen, gebieten, zeigen)im Englischen, bjōða → non (bieten), bjuda → sv (anbieten, gebieten, zeigen) im Schwedischen sowie anabiudan (entbieten, befehlen) und faúrbiudan (verbieten) im Gotischen stellt sich bieten als gemeingermanisches Verb dar. Von seiner lautlichen Gestalt her lässt es sich zu außergermanischen Verwandten wie dem altgriechischen πεύθεσθαι (pēū́thesthai) → grc und πυνθάνεσθαι (pynthánesthai) → grc (erfahren, merken, erfragen), dem altindischen बोधति (bṓdhati) (wacht, beachtet), dem altslawischen bъděti (wachen) und bl’usti (wahren), dem russischen будить (budit’) → ru (wecken) und блюсти (bljustí) → ru (behüten) und dem litauischen budė́ti → lt (wachen) stellen. Sie alle stammen vom indoeuropäischen *bheudh- (wach sein, beobachten, kundtun, darbieten, gebieten).[4]

Synonyme:

[1] offerieren
[9] befehlen, gebieten, heißen

Gegenwörter:

[3] wegnehmen
[9] verbieten

Beispiele:

[1] Ich biete dir einen mehr als adäquaten Ersatz für dein altes Fahrrad.
[1] Was bietest du mir dafür?
[1] Dieser Raum bietet genügend Platz für Großveranstaltungen.
[2] Kriemhild bot mir die Hand zur Versöhnung.
[2] Wie es sich einem Kavalier geziemt, bot Otto Fräulein Schneider den Arm, um sie in den Ballsaal zu führen.
[2] Wann wird sie mir endlich den Mund zum Kusse bieten?
[2] Nach dem Kampf wurden einander auf des Schwertes Spitze Kostbarkeiten zur Versöhnung geboten.
[2a] Beutst du deinen Hals der Strafe des Mordes?
[2b] Du musst aller Welt die Brust bieten, mein Bruder.
[2b] Die Aufständischen boten dem König die Spitze.
[3] Irgendjemand wird dir schon ein Obdach bieten.
[4] Genieße all das, was Himmel und Erde dir bieten.
[4] Auf der Feier wurde ein unterhaltsames Programm geboten.
[5] Dieses Gebäude bietet dem Auge wenig Ergötzliches.
[6] So eine Schlamperei lasse ich mir nicht bieten!
[6] So etwas Ungeheuerliches ist mir bisher noch nicht geboten worden.
[7] Ich biete immerzu jedem, den ich treffe, einen guten Morgen.
[7] Hast du heute schon der Komtesse die Zeit geboten?
[8] Die Herzogin bietet den tapferen Männern alles Gute.
[8] Bietet allen, sie sollen sich vom Fluss fernhalten!
[9] Der Richter beut, dass ich zwanzig Gulden zahlen soll.
[9] Ich biete dem Wachmann, er soll die gegnerische Abordnung hereinlassen.
[10] Niemand bot auf diese umfangreiche Münzsammlung.
[10] Ich habe 15.000 € geboten, aber der Zuschlag erfolgte erst bei 23.000 €.
[11] An der Unfallstelle bot sich den herbeigeeilten Rettungskräften ein Bild des Grauens.
[12] Nun bietet sich Ihnen die einmalige Gelegenheit, die neueste Entwicklung unseres Hauses, dieses völlig neuartige Reinigungsgerät, exklusiv und kostenlos in Ihrem Haushalt zu testen.
[12] So eine Chance wird sich mir nie wieder bieten.
[12] Diesen Moment gilt es zu nutzen. Er bietet sich nie mehr wieder.

Redewendungen:

etwas zu bieten haben

Wortbildungen:

anbieten, aufbieten, darbieten, erbieten, feilbieten, gebieten, mitbieten, überbieten, unterbieten, verbieten
Bieter

Übersetzungen[Bearbeiten]

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2, 3–6, 10–12] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Annette Klosa u. a. (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-411-05504-9, „bieten“, Seite 287
[1–4, 6, 7, 10] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „bieten
[1, 3, 11, 12] canoo.net „bieten
[2–2b, 7–10, 12] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „bieten
[2–2b, 7, 9, 10] Goethe-Wörterbuch „bieten
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonbieten

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Die deutsche Rechtschreibung. In: Der Duden in zwölf Bänden. 25. Auflage. Band 1, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5, „beut, beutst“, Seite 273
  2. Goethe-Wörterbuch „bieten
  3. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „bieten
  4. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „bieten“, Seite 134

Ähnliche Wörter:

biegen, bitten, beten