abkommen

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[Bearbeiten] abkommen (Deutsch)

[Bearbeiten] Verb, unregelmäßig

Zeitform Person Wortform
Präsens ich komme ab
abkomme
du kommst ab
abkommst
er, sie, es kommt ab
abkommt
Präteritum ich kam ab
abkam
Partizip II   abgekommen
Konjunktiv II ich käme ab
abkäme
Imperativ Singular komm ab!
komme ab!
Plural kommt ab!
Hilfsverb   sein
Alle weiteren Formen: abkommen (Konjugation)

Silbentrennung:

ab·kom·men, Präteritum: kam ab, Partizip II: ab·ge·kom·men

Aussprache:

IPA: [ˈapˌkɔmm̩], (betont) [ˈapˌkɔmən], Präteritum: [kaːm ˈap], Partizip II: [ˈapgəˌkɔmm̩], (betont) [ˈapgəˌkɔmən]
Hörbeispiele: —

Bedeutungen:

[1] veraltet: abstammen
[2]
[a] sich unbeabsichtigt von einer ursprünglich eingeschlagenen Richtung entfernen
[b] übertragenen: abschweifen
[3]
[a] sich von etwas lösen können, sich von etwas freimachen
[b] von jemandem loskommen, sich von jemandem abkehren
[4]
[a] Sport: starten
[b] übertragenen, Schießsport: richten auf, anvisieren, visieren
[5] veraltend: aus dem Gebrauch kommen, unmodern sein
[6] berlinerisch: abmagern
[7] Namibia, Südwesterdeutsch: (von Rivieren) Wasser führen
[8] Namibia, Südwesterdeutsch: (Wetter, Luftzug, Wind, Sturm, usw.) aufkommen, aufziehen

Herkunft:

[1-6] Kompositum aus dem Präfix ab- und dem Verb kommen
[7, 8] Lehnwort, das dem afrikaansen Verb afkom "aufkommen, aufziehen; herunterkommen; abstammen" entstammt; vgl. dazu seemannssprachlich aufkommen

Synonyme:

[1] beruhen auf, datieren von, entspringen, entstammen, enstehen, fußen auf, herkommen von, herrühren von, kommen von, resultieren aus, sich ergeben aus, sich herleiten von, seine Anfänge haben in, seinen Ursprung haben in, seine Wurzeln haben in, sich herschreiben von, stammen von, zurückgehen auf, zurückzuführen sein
[2a] abgeraten, abirren, den Weg verfehlen, die Orientierung verlieren, die Richtung verlieren, fehlgehen, in die Irre gehen, irregehen, sich verfahren, sich verfliegen, (umgangssprachlich) sich verfranzen, sich verirren, sich verlaufen
[2b] abgleiten, abweichen, (beim Sprechen) den Faden verlieren, sich ins Uferlose verlieren, (abwertend) vom Hundertsten ins Tausendste kommen
[3a] (bildlich) abhacken, abhauen, ablösen, abnabeln, abreißen, (umgangssprachlich) absäbeln, (salopp) etwas sich vom Halse schaffen, die Fesseln abstreifen, die Nabelschnur durchschneiden, die Nabelschnur durchtrennen, loskommen von, loswerden, sich befreien von, sich entledigen von, (umgangssprachlich) sich freischwimmen, sich lösen von, sich loslösen von, sich losmachen von, sich losreißen von, von sich abtun, von sich tun
[3b] alle Brücken hinter sich abbrechen, die Schiffe hinter sich verbrennen, jemandem den Rücken kehren, mit jemandem brechen, sich abwenden, sich lösen, sich wegkehren
[4a] angehen, in Fahrt kommen, (umgangssprachlich) loslegen, (Quasisynonym) vorlegen
[4b] ein Ziel ins Auge fassen, zielen
[5] (umgangssprachlich) altbacken sein, altertümlich sein, altmodisch sein, an der Mode vorübergehen, antiquarisch sein, antiquiert sein, archaisch sein, eine Mode nicht mitmachen, (umgangssprachlich) etwas ist von Anno dazumal, (umgangssprachlich) etwas stammt von Adam und Eva, (umgangssprachlich) hinter dem Mond leben, hinter der Zeit zurückbleiben, hinter seiner Zeit zurückbleiben, nicht modisch eingestellt sein, rückschrittlich sein, unzeitgemäß sein, veraltet sein, (abwertend) vorsintflutlich sein
[6] abnehmen, an Gewicht verlieren, asthenisch werden, (umgangssprachlich) aus den Kleidern fallen, (berlin-brandenburgisch) därre werden, dünner werden, gertenschlank werden, hager werden, (umgangssprachlich) immer weniger werden, leptosom werden, mager werden, rank und schlank werden, schlank werden, schlank wie eine Tanne werden, schlankwüchsig werden, vom Fleisch fallen
[7] Wasser enthalten und befördern, forttragen, mit sich ziehen; (Quasisynonyme) abfließen, ablaufen, abrieseln, abrinnen, absickern, abströmen, abtropfen, abtröpfeln, ausfließen, auslaufen, (süddeutsch, österreichisch) ausrinnen, branden, entfließen, entquellen, entströmen, fluten, gluckern, heranbrechen, herausfließen, herauslaufen, herausquellen, herausrinnen, herausschießen, heraussprudeln, herausströmen, heraustropfen, herauströpfeln, laufen, leerfließen, leerlaufen, quellen, perlen, plätschern, prasseln, rieseln, rinnen, schießen, schwimmen, sich ergießen, sickern, sprudeln, strömen, treiben, triefen, tropfen, tröpfeln, versickern, wallen, wegfließen, wogen
[8] bevorstehen, (veraltet) dräuen, drohen, herankommen, herannahen, heranziehen, heraufziehen, im Anzug sein, in der Luft liegen, kommen, nahen, sich nähern, sich zusammenbrauen, zu erwarten sein

Gegenwörter:

[2a] schnurstracks an sein Ziel gelangen, sich gut orientieren können
[2b] beharrlich bleiben, beim Thema bleiben, keinen Fingerbreit abweichen
[3b] auf jemanden eingehen, jemanden an sich heranlassen, sich hinwenden, sich mit jemandem befassen, sich öffnen, sich wenden zu, sich zudrehen, sich zukehren, sich zuwenden
[5] à la mode sein, aktuell sein, (umgangssprachlich) angesagt sein, auf dem Laufenden sein, auf dem neuesten Stand sein, auf dem neusten Stand sein, der letzte Schrei sein, fortschrittlich sein, en vogue sein, (umgangssprachlich) hip sein, im Schwange sein, in Mode sein, (umgangssprachlich) in sein, mit der Zeit gehen, mit der Zeit Schritt halten, mitkommen mit, modebewußt sein, modegerecht sein, modern sein, modisch sein, neuartig sein, neumodisch sein, neuzeitlich sein, Schritt halten mit, (umgangssprachlich) topaktuell sein, up to date sein, zeitgemäß sein
[6] (umgangssprachlich) aufgehen wie eine Dampfnudel, (umgangssprachlich) aufgehen wie ein Hefekloß, (umgangssprachlich) aufgehen wie ein Pfannkuchen, (salopp) auseinandergehen, auslegen, breiter werden, dick werden, dickleibig werden, (schweizerisch) feiß werden, (süddeutsch) feist werden, (schweizerisch) fest werden, (umgangssprachlich) Fett ansetzen, fettleibig werden, (salopp) in die Breite gehen, (österreichisch) mollert werden, (umgangssprachlich) Speck ansetzen, zunehmen, (umgangssprachlich) (leicht Gewicht ansetzend) ein guter Futterverwerter sein, zur Fülle neigen
[7] erlahmen, (österreichisch) sich spießen, stagnieren, stehen, stocken, versanden, versiegen, versickern
[8] abflauen, abklingen, abnehmen, nachlassen, sich beruhigen, sich mäßigen

Oberbegriffe:

[2b] verfehlen
[3a] befreien

Unterbegriffe:

[2a] irren, umherirren
[2b] verpassen
[3a] etwas lassen
[3b] auf eigenen Füßen stehen
[4a] anfangen
[4b] schießen auf, verschießen, verfehlen
[5] altern, vergehen
[7] über die Ufer fließen, ausdorren, ausdörren, austrocknen
[8] nieseln, regnen, schneien, stürmen, winden

Beispiele:

[1] Die Kinder kommen von einer Arbeiterfamilie ab.
[2a] Sie kamen von der Fahrbahn ab und schlitterten holprig auf ein Feld.
[2b] Bei dem Vortrag kam er aber ganz schön vom Thema ab.
[3a] Es waren knapp zwei Stunden, die er, müde wie er war, von der Arbeit abkam.
[3b] Du rutschst immer mehr ab, verwahrlost und kommst von deinen Freunden ab.
[4a] Zu Beginn waren sie gut abgekommen, doch hinten raus verloren sie an Schwung.
[4b] Bei dem Schuß muß man sich wirklich fragen, wie der Schütze derart vom Ziel abkommen konnte.
[5] Diese Bräuche sind heute abgekommen.
[6] Ick mach jetz' 'ne Single-Diät: meene Olle is abjehaun, zu fressen kann ick ma nisch alleene machen und so kommt man janz schnell ab!
[7] Es regnet. Angehmerweise meistens nachts und tagsüber haben wir schönes Wetter. Es ist plötzlich überall grün und blüht. Dank des Regens haben die Riviere begonnen abzukommen.
[8] „Also das Rivier eignet sich nicht gerade zum Übernachten, obwohl keine Flutgefahr besteht, aber es kommt nachts nochall wüst kalte Luft ab.“[1]

Redewendungen:

[2a] vom rechten Pfade abkommen, vom Wege abkommen oder vom rechten Weg abkommen: verwahrlosen
[2b] nicht abkommen: beim Thema bleiben
[3a] schwer abkommen oder nicht abkommen: unentbehrlich sein

Charakteristische Wortkombinationen:

[2a] von der Fahrbahn ~ , von einem Gedanken ~ , von der Hauptsache ~ , vom Kurs ~ , vom Kurs weit ~ , von einem Plan ~ , von einer Sache ~ , vom Thema ~ , vom rechten Pfade ~ , vom Wege ~ , auf etwas Unwesentliches ~
[3a] auf eine Stunde ~ , für eine Stunde ~ , auf eine halbe Stunde von der Arbeit ~ , für eine viertel Stunde von der Arbeit ~

Abgeleitete Begriffe:

[1] Abkomme, Abkömmling
[2a] Abkömmnis
[3a] abkömmlich

[Bearbeiten] Übersetzungen

Dialektausdrücke:

  • Westniederdeutsch:
  • Westmitteldeutsch:
  • Westoberdeutsch (Alemannisch):
  • Ostniederdeutsch:
  • Ostmitteldeutsch:
  • Ostoberdeutsch:

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1-6] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „abkommen
[1-6] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „abkommen
[3a] canoo.net „abkommen
[1-6] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonabkommen
[7-8] Pütz, Joe: Das grosse Dickschenärie, Peter's Antiques, Swakopmund 2001
[7-8] Puetz, Martin: "Südwesterdeutsch" in Namibia: Sprachpolitik, Sprachplanung und Spracherhalt, in: Linguistische Berichte, (1991) 136
[7-8] Gretschel, Hans-Volker: Südwester Deutsch – Eine kritische Bilanz, in: Logos 1984, Volume 4, Number 2
[7-8] Nöckler, Herbert Carl: Sprachmischung in Südwestafrika (Schriftenreihe des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart. Wissenschaftlich-publizistische Reihe, Bd. 5), Max Hueber Verlag, München 1963.
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Quellen:

  1. AZN, 'Glosse', Zeit fürs richtige Potjie, 03.08.2006

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