Verzeichnis:Deutsch/Groß- und Kleinschreibung von Adjektiven

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Diese Seite bietet eine Übersicht darüber, in welchen Fällen Adjektive nach den amtlichen Rechtschreibregeln von 2006 klein- bzw. großgeschrieben werden.

Übersicht[Bearbeiten]

Adjektive werden grundsätzlich kleingeschrieben.

Beispiele: ein guter Schüler, der Himmel ist blau, eine sehr schöne Erfahrung, er ist heute klüger als damals, das beste Beispiel

In folgenden Fällen werden Adjektive großgeschrieben:

  • Bei Substantivierung. (Ihr steht noch Großes bevor.)
  • Wenn das Adjektiv Bestandteil eines Eigennamens ist. (der Große Kurfürst)
  • Bei bestimmten Fällen von substantivischen Wortgruppen mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung:
  • Titel und Ehrenbezeichnungen. (Katholische Majestät)
  • Bestimmte Kalendertage. (Heiliger Abend)
  • Fachsprachliche Bezeichnungen in Zoologie und Botanik (Rote Johannisbeere) sowie in der katholischen Theologie (das Jüngste Gericht)

In einigen Fällen kann der Schreibende über Groß- oder Kleinschreibung nach eigenem Ermessen entscheiden:

  • Bei Superlativen mit „aufs“/„auf das“. (Das Problem wurde aufs schönste/Schönste gelöst.)
  • Bei festen Verbindungen aus Präposition und dekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel. (Wir kennen uns seit langem/Langem.)
  • Bei substantivischen Wortgruppen mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung. (jemandem guten/Guten Morgen sagen)

Substantivierte Adjektive[Bearbeiten]

Großschreibung (Regelfall)[Bearbeiten]

Adjektive, die als Substantive gebraucht werden, schreibt man groß. Dasselbe gilt auch für adjektivisch gebrauchte Partizipien.[1]

Beispiele: Er ist ganz der Alte geblieben. Mein Ältester wird im Frühjahr heiraten. Sie haben nur Angenehmes erlebt. Wir tun dies nur zu deinem Besten. Das Haus liegt im Grünen. Jung und Alt verstehen sich gut. Das ist das einzig Richtige. Sie nascht gern Süßes. Das Vergangene kann man nicht zurückholen. Das Schönste ist auch das Heiligste. Sei nicht der Erste, Neues zu erfassen, der Letzte nicht, das Alte gehn zu lassen.

Substantivierte Adjektive werden häufig in Verbindung mit Wörtern wie alles, allerlei, etwas, genug, nichts, viel, wenig gebraucht.[1]

Beispiele: Wir wünschen ihm alles Gute. Die Einwohner haben viel Schreckliches erlebt.

Viele Substantivierungen von Adjektiven sind ein fester Bestandteil des Substantivbestandes.[1]

Beispiele: ein helles Blau, das Deutsche, er studiert Englisch, die Grünen, die Stille, der Wert, das Wohl

Häufige Wortverbindungen:

  • und/oder Ähnliches
  • im Allgemeinen
  • aus Alt mach Neu
  • im Argen liegen
  • Arm und Reich
  • jeder Beliebige (= jede beliebige Person)
  • im Besonderen
  • der erste Beste
  • ein Beträchtliches
  • im Bösen wie im Guten
  • auf Deutsch
  • im Dunkeln tappen
  • etwas sein Eigen nennen
  • das Einfachste (= die einfachste Sache)
  • jeder Einzelne (= jede einzelne Person)
  • im Einzelnen, bis ins Einzelne, ins Einzelne gehend
  • das Einzige (= die einzige Sache)
  • kein Einziger (= keine einzige Person)
  • nicht im Entferntesten
  • als Erster, als Erstes
  • im Ganzen
  • das Gegebene
  • um ein Geringes
  • nicht das Geringste, nicht im Geringsten
  • das Gleiche (= die gleiche Sache)
  • Groß und Klein
  • im Großen und Ganzen
  • Jung und Alt
  • bis ins Kleinste
  • sich im Klaren/im Unklaren sein
  • das Klügste (= die klügste Sache)
  • den Kürzeren ziehen
  • des Langen und Breiten
  • auf dem Laufenden sein
  • ein Leichtes sein
  • bis ins Letzte, als Letzter
  • nicht im Mindesten
  • sein Möglichstes tut
  • der Nächste, als Nächstes
  • des Näheren
  • auf ein Neues, aufs Neue
  • das Schlimmste (= die schlimmste Sache)
  • das Sicherste (= die sicherste Sache)
  • im Stillen
  • auf dem Trockenen sitzen
  • im Trüben fischen
  • im Verborgenen
  • aus dem Vollen schöpfen
  • das Vorige
  • im Wesentlichen
  • im Übrigen, ein Übriges tun
  • ins Unabsehbare

Kleinschreibung[Bearbeiten]

In einigen Fällen lassen Schreibende sich gelegentlich zu der – irrigen – Annahme verleiten, es liege eine Substantivierung vor. Tatsächlich ist dies jedoch nicht der Fall und das Adjektiv muss kleingeschrieben werden:[2]

  • Adjektive, die sich auf ein vorhergehendes oder nachstehendes Substantiv beziehen.
Beispiele: Er ist der beste meiner Schüler. Sie liest lieber dicke Bücher als dünne. Die Kinder stellen sich in zwei Reihen auf, die kleinen vorne, die größeren hinten.
  • Superlative mit „am“.
    Das Wort „am“ kann hier nicht in „an dem“ aufgelöst werden.
Beispiele: Ich mag Rosen am liebsten. Der BMW fährt am schnellsten. Aber: Es fehlt mir am Nötigsten.
  • Feste Verbindungen aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv.
Beispiele: durch dick und dünn, für dumm verkaufen, von fern, von früh auf, grau in grau, von jung auf, von klein auf, über kurz oder lang, aus nah und fern, von nah und fern, schwarz auf weiß, für wahr halten

Auch bei Ableitungen von Eigennamen kann der adjektivische Charakter des Wortes verkannt werden. Dies gilt besonders für Ableitungen von:

  • Personennamen
Beispiele: die einsteinsche Gleichung, eine freudsche Fehlleistung, eine holbeinsche Madonna (aber: die Einstein'sche Gleichung, eine Freud'sche Fehlleistung, eine Holbein'sche Madonna)
  • Ortsnamen
Beispiele: hamburgische, kölnische, moskauische (aber: der Hamburger Bürgermeister, eine Kölner Tageszeitung, die Moskauer Bevölkerung)

Groß- oder Kleinschreibung[Bearbeiten]

In den folgenden Fällen können Adjektive groß- oder kleingeschrieben werden:

  • Superlative mit „aufs“/„auf das“.[3]
Beispiele: Ich soll dich aufs herzlichste/Herzlichste grüßen. Sie ist auf deine Antwort auf das äußerste/Äußerste gespannt. Die Frage lässt sich aufs einfachste/Einfachste beantworten. Sie verurteilen diesen Akt aufs schärfste/Schärfste. Aber: Wir sind auf das Schlimmste gefasst. Er hofft auf das Beste.
  • Feste Verbindungen aus Präposition und dekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel.[2]
Beispiele: binnen kurzem/Kurzem, vor kurzem/Kurzem, seit langem/Langem, seit längerem/Längerem, von neuem/Neuem, seit neuestem/Neuestem, bei weitem/Weitem, von weitem/Weitem, bis auf weiteres/Weiteres, ohne weiteres/Weiteres

Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv[Bearbeiten]

Eigennamen[Bearbeiten]

Großschreibung (Regelfall)[Bearbeiten]

Adjektive, die Bestandteil eines Eigennamens sind, werden großgeschrieben.[4]

Anmerkung: Ein vorangestellter Artikel ist in der Regel kein Bestandteil des Namens und wird darum kleingeschrieben.[4]

Diese Regeln betreffen:

  • Personennamen, Eigennamen aus Religion und Mythologie, Beinamen, Spitznamen und Ähnliches
Beispiele: Heinrich der Achte, der Apokalyptische Reiter, der Alte Fritz, Eitel Friedrich von Hohenzollern, Katharina die Große, der Große Kurfürst, Jung Siegfried, Holbein der Jüngere, Klein Erna, Pippin der Kurze, Philipp der Schöne, die Weiße Frau (aber: der deutsche Michel, dummer August)
  • Geografische und geografisch-politische Eigennamen
Beispiele: Altes Land, der Blaue Nil, der Englische Garten in München, Freie und Hansestadt Hamburg, Frisches Haff, Kap der Guten Hoffnung, Hohe Tatra, Rotes Meer, Stiller Ozean, Totes Meer, Vereinigte Staaten von Amerika
  • Sterne, Sternbilder und andere Himmelskörper
Beispiele: Kleiner Bär, Großer Wagen, der Rote Planet (= Mars), das Südliche Kreuz (Sternbild)
  • Individuell benannte Tiere, Pflanzen, Gebäude, Örtlichkeiten, Fahrzeuge oder Einzelobjekte weiterer Klassen:
Beispiele: die Alte Eiche (ein bestimmter Baum), der Blaue Enzian (Eisenbahnzug), die Blaue Moschee (in Istanbul), die Dicke Bertha (Geschütz), der Fliegende Pfeil (Pferd), der Französische Dom (in Berlin), die Große Mauer (in China), der Schiefe Turm (in Pisa), das Weiße Haus (Washington, D.C.)
  • Orden, Auszeichnungen und Ähnliches
Beispiele: das Blaue Band des Atlantik, der Blaue Engel (Umweltsiegel; aber: der grüne/Grüne Punkt), Goldene Schallplatte, Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur
  • Eigennamen von Institutionen, Organisationen, Einrichtungen und Veranstaltungen, zum Beispiel staatlichen bzw. öffentlichen Dienststellen, Behörden und Gremien, Bildungs- und Kulturinstitutionen, künstlerischen und religiösen Gemeinschaften, Parteien, Verbänden, Vereinen, Betrieben, Firmen, Genossenschaften, Gaststätten und Geschäften
Beispiele: der Blaue Reiter, Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Deutsche Bahn AG, die Grauen Panther (ehemalige Partei), die Englischen Fräulein (= Congregatio Jesu), Große Strafkammer, der Heilige Stuhl (= Amt des Papstes), das Junge Deutschland (Dichtergruppe), Kanadische Botschaft in Berlin, Kommunistische Partei Italiens, Olympische Spiele, der Rote Halbmond, Technisches Hilfswerk
  • Inoffizielle Eigennamen, Kurzformen und Abkürzungen von Eigennamen
Beispiele: der Blanke Hans (= die stürmische Nordsee), EU (= Europäische Union), das Goldene Dreieck (in Südostasien), die Goldene Stadt (= Prag), der Große Schweiger (= Moltke), der Große Teich (= Atlantik), die Grüne Insel (= Irland), der Gute Hirte (= Christus), das Heilige Land, Hohes Haus (= Parlament), Schwarzer Kontinent, Naher Osten, die Neue Welt (= Amerika), Vereinigte Staaten
  • Bestimmte historische Ereignisse und Epochen
Beispiele: der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871, die Goldenen Zwanziger, der Kalte Krieg, der Lange Marsch (China), der Schwarze Freitag (USA), der Westfälische Frieden, der Zweite Weltkrieg
  • Erdgeschichtliche Formationen
Beispiel: Schwarzer Jura
  • Zeitungen und Zeitschriften, bestimmte Dokumente, bestimmte literarische, Musik- und Kunstwerke
Beispiele: das Alte Testament, der Englische Gruß (Gebet), Goldenes Buch (einer Stadt), die Goldene Bulle, das Große Jüngste Gericht (Rubens), die Heilige Schrift, die Hohe Messe in h-Moll (J. S. Bach), Das Höllisch Gold (Oper), Neue Zürcher Zeitung

Kleinschreibung (Ausnahmefall)[Bearbeiten]

In Einzelfällen kann die Schreibung abweichend festgelegt sein.[4]

Beispiele: Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“, neue deutsche literatur (Zeitschrift), Zur letzten Instanz (Gaststätte), Der neue Tag (Zeitung)

Uneinheitlich sind die Regelungen auch bei Bezeichnungen von Spielen. Für das Kartenspiel Schwarzer Peter empfiehlt der Duden Großschreibung, erlaubt daneben aber auch Kleinschreibung. In dem Wort russisches Roulette dagegen muss das Adjektiv kleingeschrieben werden. Blackjack bzw. Black Jack muss großgeschrieben werden, wobei der Duden die erstgenannte Schreibweise (Zusammenschreibung) empfiehlt, die zweite aber ebenfalls zulässt.

Andere substantivische Wortgruppen[Bearbeiten]

Kleinschreibung (Regelfall)[Bearbeiten]

In substantivischen Wortgruppen, die zu festen, namensähnlichen Verbindungen geworden, aber keine Eigennamen sind, schreibt man Adjektive klein.[5]

Beispiele: eitel Sonnenschein, freie Marktwirtschaft, goldene Hochzeit, in grauer Vorzeit, das große Latinum, am grünen Tisch, mit halber Kraft, harte Währung, höhere Gewalt, klar Schiff, kleiner Grenzverkehr, leichte Artillerie, Tag der offenen Tür, olympisches Feuer, südlicher Sternenhimmel, toter Punkt, trockener Humor

In den meisten Fachsprachen wird die Kleinschreibung konsequent bevorzugt. Beispiele:

  • Mathematik (binäre quadratische Form, die höhere Mathematik)
  • Psychologie (infantile Sexualität, paranoide Schizophrenie)
  • Medizin (glatte Muskulatur, grauer Star)
  • Physik, Chemie (schweres Wasser, seltene Erden)
  • Recht, Wirtschaft (fahrlässige Tötung, natürliche Person, stiller Teilhaber)
  • Sprachwissenschaft (starke Verben)

Adjektive werden auch kleingeschrieben in:

  • Bezeichnungen von Speisen und Getränken
Beispiele: arme Ritter, falscher Hase, gebrannte Mandeln, heiße Schokolade, kalte Ente, neuer Wein, saure Gurken, schwarzer Tee, süße Sahne
  • Berufs-, Ämterbezeichnungen
Beispiele: freier Schriftsteller, parlamentarischer Staatssekretär, technischer Zeichner

Klein- oder Großschreibung (Ausnahmefall)[Bearbeiten]

Selbst bei Verbindungen mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung ist Kleinschreibung der Regelfall. Zur Hervorhebung dieses besonderen Gebrauchs kann der Schreibende das Adjektiv jedoch auch großschreiben.[5]

Beispiele: mein alter/Alter Herr (= mein Vater), erste/Erste Hilfe, goldener/Goldener Schnitt (Mathematik), goldenes/Goldenes Zeitalter, graue/Graue Eminenz, große/Große Koalition, grüne/Grüne Grenze, grüne/Grüne Lunge (= Grünanlagen der Großstadt), grünes/Grünes Trikot (Radsport), jemandem guten/Guten Morgen sagen, hohe/Hohe Schule (Reitsport), die neuen/Neuen (elektronischen) Medien, rote/Rote Karte (Fußball), schwarzes/Schwarzes Brett, schwarze/Schwarze Kunst, schwarzes/Schwarzes Loch (Astronomie), schwarzer/Schwarzer Peter (Kartenspiel), schwarzer/Schwarzer Tod, der weiße/Weiße Tod (= Lawinentod)

Großschreibung (Ausnahmefall)[Bearbeiten]

In bestimmten substantivischen Wortgruppen werden Adjektive großgeschrieben, obwohl keine Eigennamen vorliegen.[6]

Dies betrifft:

  • Titel, Ehrenbezeichnungen, bestimmte Amts- und Funktionsbezeichnungen
Beispiele: Alter Herr (Studentenverbindung), Deutscher Meister (aber: der FC Bayern München wurde deutscher Meister), Erster Geiger, Geheimer Rat, der Heilige Vater, Königliche Hoheit, Regierender Bürgermeister, Technischer Direktor (aber: Außer einem Geschäftsführer sucht die Firma auch einen technischen Direktor.)
  • Besondere Kalendertage
Beispiele: der Heilige Abend, der Erste Mai, Hoher Donnerstag (schweiz. für Gründonnerstag), der Internationale Frauentag, Stiller Freitag (Karfreitag)
  • Fachsprachliche Bezeichnungen bestimmter Klassifizierungseinheiten, so von Arten, Unterarten oder Rassen in der Biologie (Botanik und Zoologie)
Beispiele: Fleißiges Lieschen, Grüner Veltliner, Rote Beete, Roter Milan, Schwarze Johannisbeeren, Schwarze Witwe
  • Verbindungen mit terminologischem Charakter in einigen Fachsprachen, besonders in der katholischen Theologie:
Beispiele: die Heiligen Drei Könige (aber: der heilige Paulus, die heilige Theresia), der Heilige Geist, die Heilige Familie, die Heilige Jungfrau, das Jüngste Gericht, der Jüngste Tag, das Letzte Gericht, die Letzte Ölung

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 57
  2. 2,0 2,1 Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 58
  3. Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 57, 58
  4. 4,0 4,1 4,2 Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 60
  5. 5,0 5,1 Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 63
  6. Deutsche Rechtschreibung: Regeln, § 64