Hilfe:Vor- und Nachnamen/Grammatik der deutschen Namen

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Diese Seite beinhaltet Informationen bezüglich des Genus, der Flexion und des Artikelgebrauches bei deutschen Namen.

Inhaltsverzeichnis

Vornamen [Bearbeiten]

Genus der Vornamen [Bearbeiten]

Die Genusregeln für deutsche Vornamen:

In den meisten Fällen stimmt das Genus des Vornamens mit dem natürlichen Geschlecht der benannten Person überein:
Katharina, Susanne und Elvira zum Beispiel sind Frauennamen und Feminina.
Maskulina sind beispielsweise die Männernamen Horst, Heini und Egon.
Ausnahmen hiervon bilden die Verkleinerungsformen auf -chen, -lein und -le:
Karlchen, Lieschen, Peterle, Ingelein und Heinilein bezeichnen zwar Frauen beziehungsweise Männer, grammatikalisch sind sie jedoch Neutra.
Die Verkleinerungsformen auf -[e]l (wie Gretel, Hänsel oder Ursel) richten sich wiederum nach dem natürlichen Geschlecht der bezeichneten Person.

Flexion der Vornamen [Bearbeiten]

Flexion männlicher Vornamen [Bearbeiten]

Kasus Singular Plural
Nominativ (der) Steffen die Steffen
Genitiv (des Steffen/
des Steffens)

Steffens
der Steffen
Dativ (dem) Steffen den Steffen
Akkusativ (den) Steffen die Steffen
  1. Pluralbildung
    1. Männliche Vornamen, die auf einen Konsonanten enden (außer denen auf kurzen Vokal plus -s und denen auf unbetontes -er und -en), bekommen die Endung -e: die Rudolfe, die Heinriche (umgangssprachlich lauten die Formen jedoch die Rudolfs und die Heinrichs).
    2. Bei Vornamen, die auf -el enden, kommen sowohl der Plural mit der Endung -e als auch der mit -s und der endunglose Plural vor: die Michaele, die Michaels, die Michael.
    3. Diejenigen auf kurzen Vokal plus -s bilden den Plural auf -sse: die Augustusse, die Mathiasse, die Jakobusse.
    4. Andere Vornamen, die auf einen s-Laut enden, bleiben im Plural unverändert: die Lorenz, die Vinzenz.
    5. Verkleinerungsformen auf -chen und -el und Namen auf unbetontes -er und -en haben entweder keine Endung oder einen s-Plural: die Paulchen/Paulchens, die Hansel/Hansels, die Jürgen/Jürgens, die Peter/Peters, aber: die Peere.
    6. Der Plural von Namen, die mit einem Vokal enden, wird mit -s gebildet: die Ottos, die Hugos, die Kunos.
    7. Die Endung -[n]en bekommen männliche Namen auf -o, wenn es ein ebenso bezeichnetes Herrschergeschlecht oder diverse bekannte Namensträger gibt: die Ottonen, die Scipionen.
  2. Besonderheiten im Singular
    1. Genitiv
      1. in der Regel mit -s am Ende: Hennings, Georgs, Johanns
      2. Endet der Name auf -s, -ß, -x, -z, -tz oder -ce,
        1. setzt man einen Apostroph an den Namen: Florence’ Erlebnisse, Johannes’ Bauernhof.
        2. wird bei antiken Personennamen die Endung weggelassen und normal gebeugt: Priamus → Priams, Achilles → Achills.
        3. gibt es daneben die ältere Endung -[e]ns: Fritzens, Hansens.
    2. Dativ, Akkusativ: Es gibt die ältere Endung -[e]n: mit Matzen, gegen Ludgern.

Flexion weiblicher Vornamen [Bearbeiten]

Kasus Singular Plural
Nominativ (die) Marlies die Marlies
Genitiv (der Marlies)
Marlies'
Marliesens
der Marlies
Dativ (der) Marlies den Marlies
Akkusativ (die) Marlies die Marlies
  1. Pluralbildung
    1. Vornamen auf -(i)e konnen sowohl die Endung -n als auch -s bekommen: die Greten (die Gretes), die Ingen (die Inges), die Ulriken (die Ulrikes), die Sofien (die Sofies).
    2. Wenn sie auf einen Konsonanten (mit Ausnahme von -r, -n und -el sowie der s-Laute) enden, bildet man den Plural mit -en (umgangssprachlich mit -s) und daneben kommt auch die Endlungslosigkeit vor: die Diethilden (die Diethilds, zwei Diethild), die Adelheiden (die Adelheids, zwei Adelheid).
    3. Namen, die auf einen s-Laut, -el, -chen oder -lein enden, bleiben unverändert (in manchen Fällen umgangssprachlich mit -s am Ende): die beiden Agnes, die Gretchen (umgangssprachlich die Gretchens).
    4. Namen, die auf -r oder -n enden, bilden den Plural auf -s oder bleiben endunglos: die Marens (zwei Maren), die Inkens (zwei Inken), die Esters (zwei Ester), die Dagmars (zwei Dagmar).
    5. Namen auf -a, -o, -i, -ie (siehe auch unter 1.) und -y bilden den Plural mit -s: die Kittys, die Annas, die Uschis, die Sapphos.
      Wenn für das -a ein -e eintreten kann, steht auch die Endung -n: Anna → die Annen, Sophia → die Sophien, Maria → die Marien.
  1. Besonderheiten im Genitiv
    1. Entsprechend den männlichen Vornamen haben auch die weiblichen im Genitiv Singular in der Regel ein -s am Ende: Sarahs, Judiths, Isoldes.
    2. Endet der Name indes auf -s, -ß, -x, -z, -tz oder -ce,
      1. setzt man einen Apostroph an den Namen: Beatrice’ Erlebnisse, Bathildis’ Bauernhof.
      2. gibt es daneben bei manchen Vornamen die ältere Endung -[e]ns: Alicens, Marliesens.

Artikelgebrauch bei Vornamen [Bearbeiten]

  • In der schriftlichen und mündlichen Standardsprache werden Vornamen in der Regel ohne Artikel gebraucht:
Klaus geht auf dem Bürgersteig.
Heute hat Hannelore ihre Handtasche im Bus vergessen, weil Gregor sie auf dem Handy anrief.
  • Der bestimmte Artikel steht jedoch immer dann, wenn eine Person je nach Zusammenhang entweder abschätzig und distanziert betrachtet wird oder aber ein enges Verhältnis familiärer oder freundschaftlicher Art zum Ausdruck gebracht werden soll.
abschätzig: „Auf unserer letzten Klassenfahrt haben wir ständig den Bus verpasst, weil eine nie ihre Schuhe finden konnte.“ „Und wer war das?“ „Na, die Carsta natürlich!“
familiär, freundschaftlich: „Nebenan ist ein alleinstehender Herr eingezogen.“ „Ach, den kenne ich, das ist der Hubert, mein Neffe.“
  • Ebenfalls steht der bestimmte Artikel, wenn die Kasus von Vornamen in einem Satz nicht eindeutig zu bestimmen sind:
Sina soll Chlothar das Zeichnen beibringen.
→ Es ist unklar, wer in diesem Satz Subjekt und wer Objekt ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Satz zu verstehen, die jeweils durch den Gebrauch des bestimmten Artikels verdeutlicht werden können:
Der Sina soll Chlothar das Zeichnen beibringen.
Sina soll dem Chlothar das Zeichnen beibringen.
  • Auch wenn zwei Träger desselben Namens voneinander abgegrenzt werden sollen, wird der bestimmte Artikel benutzt:
Holger hat schon wieder ein neues Auto.“ — „Der Holger aus der dritten Etage?“ — „Nein, der Holger aus der Bahnhofstraße.“
  • Im süddeutschen Sprachraum wird der bestimmte Artikel zudem umgangssprachlich verwendet, ohne dass dadurch eine bestimmte (positive oder negative) Haltung ausgedrückt würde:
Der Sepp liegt mit Fieber im Bett.
Ich war bei der Liesl im Dorf.
  • Auch wird der bestimmte Artikel bei Vornamen verwendet, wenn ein Attribut dabeisteht:
Der blöde Adalbrecht hat mich getreten.
Die schöne Elsbeth hat den reichen Kuno geheiratet.
  • Darüber hinaus kann auch der unbestimmte Artikel bei Vornamen stehen. So wird ausgedrückt, dass derjenige, der sich äußert, die betreffende Person nicht kennt:
Eine Julia hat vorhin nach dir gefragt.
Da war gestern ein Herbert, der dich sprechen wollte.
  • In Verbindung mit einem Artikel oder Pronomen gibt es Folgendes im Genitiv Singular zu beachten:
  • Der Vorname bleibt ungebeugt, da das jeweilige Begleitwort den Kasus ausdrückt:
„Der neue Freund der Martina ist vorbestraft!“
„Du stehst gerade auf dem Grundstück meines Bernhard.“
„Eben rief dein Kollege an. Du sollst das Hemd eines Dietrich versehentlich mitgenommen haben.“
  • Hiervon wird indes bei männlichen Vornamen abgewichen, wenn der Genitiv seinem Bezugswort vorangestellt wird:
Des Martins Leben war eine einzige Qual.
Ohne die Organspende seiner Mutter wäre des Leopolds Schicksal besiegelt gewesen.

Familiennamen [Bearbeiten]

Flexion der Familiennamen [Bearbeiten]

Pluralbildung bei Familiennamen [Bearbeiten]

  1. Meistens wird der Plural von Familiennamen durch Anhängung eines -s gekennzeichnet: die Schmidts, die Bergmanns, die Brentanos, die Lehmanns.
  2. Neben dem s-Plural ist (vor allem bei Familiennamen, die auf einen Konsonanten enden) auch Endungslosigkeit möglich: die Dürer, die Fugger, die Schlegel.
  3. Endet der Familienname auf einen s-Laut, bildet man den Plural mit -ens: die Hinzens, die Marxens, die Engelsens, die Heußens.
  4. Insbesondere bei Familiennamen, die auf -z enden, kommt auch die Endung -es zur Anwendung: die Schulzes (auch: die Schulzens), die Schmitzes (auch: die Schmitzens).

Quellen [Bearbeiten]

  • Canoo.net: Artikel bei Eigennamen
  • Friedhelm Debus/Wilfried Seibicke (Hrsg.): Germanistische Linguistik 98-100 1989, Reader zur Namenkunde I, Namentheorie; Georg Olms Verlag, Hildesheim 1990, ISBN 3-487-09290-4 (zum Teil hier zu lesen)
  • Duden: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, 6. Aufl., Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1998, ISBN 3-411-04046-7
  • Duden: Richtiges und gutes Deutsch, 5. Aufl., Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-411-04095-5
  • Wilfried Seibicke: Die Personennamen im Deutschen, Walter de Gruyter & Co.; Berlin, New York 1982, ISBN 3-11-007984-4
  • Wahrig: Richtiges Deutsch leicht gemacht, wissenmedia GmbH, Gütersloh/München 2009, ISBN 3-577-07566-4
  • Wikipedia: Eigenname